Naher Osten - wer hat die Übersicht?
schreibt anaximander in einem Beitrag vom 21. Juli. Oder, wie der Heute-Moderator Klaus Kleiber vorgestern sagte: es gibt keine Wahrheit mehr, sondern nur noch "Versionen". Klar scheint zu sein, daß die Hizbollah ihre Waffen lange gehortet hat, klar ist auch, daß sie von Syrien und dem Iran unterstützt wird.
Und solche Bilder,

und noch schlimmere Können die Israelis en masse vorweisen, wenn es wieder ein Selbstmordattentat gegeben hat. und daß jetzt die ersten Beschuldigungen kommen, Israel würde Giftgas einsetzen, gehört wohl auch zum Propagandakrieg. Der Publizist Matthias Küntzel fordert in seinem Artikel, da Israel einen "gerechten Krieg" führe, hier in Europa möge man sich unzweideutig auf die Seite Israels stellen. Wenn Küntzel schreibt:
Nach diesem Motto nimmt die Hisbollah mit ihrer Kriegsführung den Tod nicht nur der Juden sondern auch unzähliger schiitischer Moslems in Kauf. So hat sie ihre Raketen gezielt inmitten schiitischer Wohnviertel platziert. so hat er damit sicher recht. Das ist der Hitler'sche Nero-Befehl. Daß sie freiwillig ihre Waffen abgeben, glaube ich auch nicht. Wenn Herr Küntzel schreibt:
Erstmals in der Geschichte des Nahostkonflikts distanzierte sich die überwiegende Mehrheit der Arabischen Liga von dem "gefährlichen Abenteurertum" der schiitischen Angreifer. Niemals zuvor wurden die Hisbollah und Iran (sowie indirekt die Hamas) derart desavouiert.
ist das sicherlich auch richtig. Betrachtet man allerdings diejenigen, die sich da gegen die Hisbollah positionieren, so denke ich, daß man sie genau auseinanderhalten muss. Wenn ich dann folgendes lese:
A leading Saudi Wahhabi cleric, Abdullah bin Jibreen, this week issued a fatwa, or edict, saying it was a sin to support or pray for Hezbollah, which strict Wahhabis view as an infidel group because it is Shiite. Bin Jibreen, a member of Saudi Arabia's higher religious council, said that he viewed Hezbollah as an enemy doing bidding for Iran, and that through it Tehran was trying to extend its influence in the region.
Quelle hier:
arab-leaders-unlike-much-of-public-uneasy-about-hezbollah (pdf, 132 KB) macht mich das verd*** nachdenklich. Hoffentlich wird da nicht ein Teufel mit einem Beelzebub ausgetrieben.
Ich hatte eigentlich mal vor, was über das Buch von Bruno Schirra zu schreiben, bloß das hat - via anaximander - hagalil bereits ganz hervorragend gemacht. Bruno Schirra beschreibt in seinem Buch, daß al-Qaida dabei sei, sich mit dem Netzwerk des schiitischen Terroristen Imad Mughniyah zu vernetzen, was der Terroristische Supergau wäre. Ich setze meine Hoffnungen auf Jordanien und Ägypten. Und ich hoffe wirklich, daß die Vermittlungsbemühungen Erfolg haben. Die Hisbollah muß entwaffnet werden. Aber dann hoffe ich für die Menschen auf beiden Seiten, daß sie endlich nach vorne schauen können.
Und solche Bilder,

und noch schlimmere Können die Israelis en masse vorweisen, wenn es wieder ein Selbstmordattentat gegeben hat. und daß jetzt die ersten Beschuldigungen kommen, Israel würde Giftgas einsetzen, gehört wohl auch zum Propagandakrieg. Der Publizist Matthias Küntzel fordert in seinem Artikel, da Israel einen "gerechten Krieg" führe, hier in Europa möge man sich unzweideutig auf die Seite Israels stellen. Wenn Küntzel schreibt:
Nach diesem Motto nimmt die Hisbollah mit ihrer Kriegsführung den Tod nicht nur der Juden sondern auch unzähliger schiitischer Moslems in Kauf. So hat sie ihre Raketen gezielt inmitten schiitischer Wohnviertel platziert. so hat er damit sicher recht. Das ist der Hitler'sche Nero-Befehl. Daß sie freiwillig ihre Waffen abgeben, glaube ich auch nicht. Wenn Herr Küntzel schreibt:
Erstmals in der Geschichte des Nahostkonflikts distanzierte sich die überwiegende Mehrheit der Arabischen Liga von dem "gefährlichen Abenteurertum" der schiitischen Angreifer. Niemals zuvor wurden die Hisbollah und Iran (sowie indirekt die Hamas) derart desavouiert.
ist das sicherlich auch richtig. Betrachtet man allerdings diejenigen, die sich da gegen die Hisbollah positionieren, so denke ich, daß man sie genau auseinanderhalten muss. Wenn ich dann folgendes lese:
A leading Saudi Wahhabi cleric, Abdullah bin Jibreen, this week issued a fatwa, or edict, saying it was a sin to support or pray for Hezbollah, which strict Wahhabis view as an infidel group because it is Shiite. Bin Jibreen, a member of Saudi Arabia's higher religious council, said that he viewed Hezbollah as an enemy doing bidding for Iran, and that through it Tehran was trying to extend its influence in the region.
Quelle hier:
arab-leaders-unlike-much-of-public-uneasy-about-hezbollah (pdf, 132 KB) macht mich das verd*** nachdenklich. Hoffentlich wird da nicht ein Teufel mit einem Beelzebub ausgetrieben.
Ich hatte eigentlich mal vor, was über das Buch von Bruno Schirra zu schreiben, bloß das hat - via anaximander - hagalil bereits ganz hervorragend gemacht. Bruno Schirra beschreibt in seinem Buch, daß al-Qaida dabei sei, sich mit dem Netzwerk des schiitischen Terroristen Imad Mughniyah zu vernetzen, was der Terroristische Supergau wäre. Ich setze meine Hoffnungen auf Jordanien und Ägypten. Und ich hoffe wirklich, daß die Vermittlungsbemühungen Erfolg haben. Die Hisbollah muß entwaffnet werden. Aber dann hoffe ich für die Menschen auf beiden Seiten, daß sie endlich nach vorne schauen können.
bigberta - 25. Jul, 14:09














Dieser Stellvertreterkrieg
Ob die NATO eine schlagkräftige Truppe zusammen stellen wird? - Es wäre wünschenswert. Die Hezbollah muss entwaffnet werden, die Hamas ebenfalls - und dann kann die Zwei-Staaten-Lösung endlich in Angriff genommen werden. Die Welt hat die Libanesen hängen lassen, sonst wäre die Entwaffnung schon längst Realität.
Da gebe ich Dir recht, es ist ein Stellvertreterkrieg.
Ich denke auch, daß es jetzt - auf beiden Seiten - mit der Aufrechnung der Vergangenheit ein Ende haben muss und man - gemeinsam - nach vorne blicken muss.
Was Du da herausgefischt hast, halte ich für die einzig gangbare Lösung.
Allerdings nur ein robustes Mandat nach Kapitel VII der UN-Charta, Hier sind weitere Grundlagen.
Was für mich endlich mal vonnöten wäre: daß sich - mit Ausnahme der UN - jede, aber auch jede externe Partei mal verkneifen würde, daran herum zu fummeln.
Besorg' Dir mal das Buch von Schirra, dann fehlt auch Dir dafür das Verständnis, daß man da jetzt wieder irgendwelche Wahhabis Fatwas schreiben lässt. Ist Dir bekannt, daß es seit Jahren schon Auseinandersetzungen um die Verwaltung von Mekka gibt - mal so als Beispiel? Ist Dir bekannt, daß der Gründer der Wahhabiyyah den größten Teil der shi'itischen Bevökerung von Saudi-Arabien massakriert hat? Und nicht nur die. Und Diesen Text habe ich gerade mal überflogen...
Hier noch ein weiterer Text von ai.
Was ich damit sagen will: ich denke, jede Mission in der Region benötigt arabische Unterstützer, aber die sollte man sich sehr sorgfältig aussuchen. Ich weiß nicht, ob Dir bekannt ist, daß Hamas von den Israelis mitaufgebaut und unterstützt worden ist als Gegengewicht gegen Fatah und die Gründung von Hizbollah mit eine Antwort auf die Massaker von Sabra und Shatila.
Das sage ich jetzt nicht, um das, was die Hezbollah jetzt abzieht, zu relativieren, sondern weil ich denke, daß das der Schlüssel ist, mit dem man sie eventuell isolieren könnte. Man muss auch eines beachten: die Akteure sind keine homogenen Blöcke: Hamas nicht, Fatah nicht, Israel nicht (auch wenn jetzt 80% verständlicherweise hinter ihrer Regierung stehen, so tun es 20% eben nicht...).
Das ist der Stratfor-Report von heute.Kannst Du ja bei Interesse auch bei Dir verlinken.
Vielleicht wäre das ein weiterer Schlüssel?
BB
Neinneinnein, anaximander,
Ich denke auch, daß es jetzt - auf beiden Seiten - mit der Aufrechnung der Vergangenheit ein Ende haben muss und man - gemeinsam - nach vorne blicken muss.. Aber für das Beiseitelassen von Geschichte muß man werben. "Aufrechnung" nein, "Aufarbeitung" ja - ist nicht Israel aus der Aufarbeitung der Geschichte erst entstanden? Das ist ja die Basis der Ahmadinedjat'schen Provokationen: der Vorwurf, mit zweierlei Maß zu messen. Und es tut mir leid: das heilige Land steht ja da, wo es steht, weil "der Westen" immer "klar und eindeutig" wußte, was richtig ist: "Klar und eindeutig" die Araber gegen die Osmanen unterstützen, "klar und eindeutig" sowohl die israelis als auch die Araber aufzurüsten, als sie gegen die Wehrmacht gebraucht wurden, klar und eindeutig die Anklage gegen den Großmufti von Jerusalem fallen zu lassen. Gucks Du mal Glubb Pascha, den - britischen - Kommandeur der arabischen Legion, , der klar und eindeutig das Bemühen König Abdallahs von (Trans-)Jordanien ausgebremst hat, sich frühzeitig mit den Israelis auszusöhnen (weil er genau deswegen umgebracht wurde - er hatte klare Friedenssignale nach Israel gesandt und 1947 als einziger arabischer Herrscher den Teilungsplan der UNO akzeptiert). Ermordet von einem Abgesandten des von den Briten verschonten berüchtigten Großmufti von Jerusalem(und Onkel von Arafat) , als er eben diesen Großmufti abgesetzt hatte. Also: ich denke, daß es nicht alleine in der Hand des Westens, Geschichte zu werten. Jedenfalls ist aus meiner Sicht hier garnichts "Klar und eindeutig".
Es ging mir auch nicht darum Hezbollah zu beschönigen, zu relativieren oder zu "erklären", sondern nur zu zeigen, daß einige der arabischen Staaten, die jetzt so eifrig die Hezbollah kritisieren, nicht nur von edlen Motiven getrieben werden. Und nochmal: "klar und eindeutig"? Sorry to disagree. Hier ein Satz aus der deutschen Wikipedia: Die Hisbollah unterhält viele soziale Einrichtungen, Krankenhäuser, Schulen und Waisenhäuser. Dies führt, wie auch bei ähnlichen Gruppierungen wie der Hamas, zu einem weitreichenden Rückhalt in der Bevölkerung. Und hier ein Zitat aus der englischen Wikipedia: Hezbollah not only has armed and political wings but also boasts an extensive social development programme. The civilian wing also runs hospitals, news services, and educational facilities. Its Reconstruction Campaign ('Jihad al-Bina') is responsible for numerous economic and infrastructural development projects in Lebanon.[7][8] The group currently operates at least four hospitals, 12 clinics, 12 schools and two agricultural centres that provide farmers with technical assistance and training. It also has an environmental department and an extensive social assistance programme. Medical care is also cheaper than in most of the country's private hospitals and free for Hezbollah members. Most experts believe that Hezbollah's social and health programmes are worth hundreds of millions of dollars annually. Hezbollah mainly gets its money from donations. It is no secret that Hezbollah receives financial help from Iran and Syria, although Hezbollah denies receiving aid from those countries. Also doch wohl nicht "klar und eindeutig" nur todessehnsüchtig. Was "Einzelkämpfer" wieImad Mughniyah betrifft: er, den Bruno Schirra als "Meister" gegenüber dem "Lehrling" betrifft: kann sein, daß der "aus dem Ruder gelaufen" ist, kann nicht sein. Weiter habe ich wirklich Bedenken, ob das "Israel", das da mit einer "Generalabsolution" (Gregor Keuschnig) versehen werden soll, das Israel der Realität ist.
BB, wikipedia müsste
Sie ist von einern sozialen Org zu einer feigen, sich hinter Zivilisten verschanzenden Institution geworden. Nasrallah brüllt laut und deutlich: wir lieben den Tod - und ist dafür besorgt, dass Zivilisten, die zu seinen anhängern gehören mögen oder auch nicht, mit seinen Kriegern zu Tode kommen. Das hört für mich jedes Verständnis auf und jedes Appellieren an Vernunft ist sinnlos.
Ich will nicht mit dir über Gregors Ansichten diskutieren. Sicher ist, dass der Jüdische Weltkongress immer wieder mit Israel verwechselt wird und viele darum meinen, 60 Jahre deutsche Rücksicht auf Israel sei genug....
We agree to disagree
Wie Du ja sicher gelesen hast, machen die ja auch praktische Sozialarbeit, betreiben 12 Kliniken und offenbar ganz wesentlich das Gesundheitswesen, Wie gesagt, sie sind aus meiner Sicht beides gleichzeitig.
Und wo, bitte, steht in einem meiner Postings was vom "jüdischen Weltkongress"??? Ich will Dich jetzt nicht anmachen, aber Du verortest ein Ereignis wie die Auseinandersetzung zwischen dem Iran und Saudi-Arabien um Mekka vor 30 Jahren, wenn ich sage, man solle sich nicht auf dem Fatwa eines Wahhabis ausruhen und das als Unterstützung nehmen - da soll man die Geschichte ruhen lassen? Versetz' Dich mal nur für einen Moment in die Rolle eines Muslims, der dann sagt, aha, das interessiert nicht, aber Auschwitz interessiert? Zumal es Muslime, wie Abdullah I. von Transjordanien gegeben hat, der den Teilungsplan anerkannt hat (und dessen Arabische Legion nach Auschwitz von den Briten immerhin soweit aufgerüstet und trainiert wurde, daß sie in der Lage waren, den für lange Zeit einzigen Sieg gegen Israel zu erringen. - Wer andauernd "Auschwitz" ruft, der relativiert für mich, der macht den Holcaust beliebig. Außerdem - sollten nicht auch die "Rücksicht nehmen" und Verantwortung übernehmen deren Länder damals die flüchtenden Juden nicht über ihre Grenzen gelassen haben? Denn, wie Broder mal gesagt hat (fast der einzige Satz, den ich von ihm noch akzeptieren kann): wir hatten damals keinen Ort, wo wir hinkonnten. Und jetzt haben wir einen. auch wenn wir nicht wollen, wir könnten, wenn wir wollten. Deutschlands besondere Verantwortung sicherlich, aber das heißt nicht, daß die anderen Länder, namentlich die mit den damals geschlossenen Grenzen keine hätten. Und daß sich Menschen, deren Gegenwart verzweifelt ist, nur noch mit dem Jenseits trösten, ist erstens nicht nur dem Islam eigen, sondern auch anderen Religionen. ich sehe darin zunächst mal einen Ausdruck der Verzweiflung. Und das ist erstmal nichts lächerliches. Daß das von einem Nasrallah, von einem Ahmdainedjat, von einem Asad mißbraucht wird, steht außer Frage. Aber nur einsetig von einer ahistorischen, einseitigen Momentaufnahme auszugehen und diesen Menschen "Geschichte" abzusprechen und sie - einseitig - lediglich Israel zuzusprechen, löst das Problem nicht. Jetzt übrigens, wo es in den Nachrichten (n-tv) schon heißt, daß Israel sich militärisch überschätzt hat, ist Vorsicht und Fingerspitzengefühl angesagt. Es gibt nämlich sonst nur die Option mit 100.000 Soldaten dort reinzugehen - ohne Erfolgsgarantie. Und das will bestimmt niemand.
Liebe BB
Der latent vorhandene Antisemitismus kommt halt einmal mehr zum Tragen.
Nein, ich versuche nicht,
Nicht jeder,
Wie Sie ja selber gesehen haben, ist
Meines Wissens
Mich stört auch die Einseitigkeit der Sichtweise - zumal es bei Kriegen seltenst immer nur einen Schuldigen gab/gibt. Mindestens muss die Geschichte davor betrachtet werden - aber eben nicht mythologisiert, denn in diesen unheilvollen Erzählungen liegen mit die Ursachen von Kriegen.
Solange das Brechen des internationalen Rechts derart viele Vorteile bringt und nicht verfolgt wird / nicht verfolgt werden kann (bzw. man sich der Verfolgung durch Nichtanerkennung der Organe einfach entziehen kann), ist dieses internationale Recht sinnlos. Natürlich wird immer am stärksten von denen rekurriert, die es gerade bei sich gebrochen sehen. Die Illusion eines "sauberen Krieges" ist eine offensichtlich unausrottbare Vorstellung; in Deutschland war Ernst Jünger deren grösster Apologet.
Ich bin Ihnen ja noch eine exakte Antwort schuldig - im Moment nur soviel: eine guerilla-ähnliche Organisation, die (aus den unterschiedlichsten Gründen) nicht anerkannt wird, sieht natürlich auch keine Notwendigkeit sich an völkerrechtlichen Aspekten zu orientieren. Eine reguläre Armee, die diese Guerilla bekämpft, und dabei ebenfalls das Völkerrecht verletzt (und zwar nicht nur einmal, sondern durchaus strategisch) handelt um keinen Deut besser.
In Köppnicks Blog ist ein interessanter Hinweis auf einen sehr lesenswerten Artikel.
Zur Frage einer deutschen Beteiligung an einer evtl. UN-Mission: Ich halte dies aus mehreren Gründen für unmöglich - (1.) ist die Bundeswehr bereits jetzt an ihre Kapazitäten gestossen, (2.) im Zweifelsfall werden sie Opfer von "Fehlern" (da würden sicherlich irgendwann beide Seiten keine Rücksichten mehr nehmen - aber man stelle sich vor, die UN-Mitarbeiter wären von Hisbollah-Geschossen ermordet worden!) und erst (3.) die historische Komponente. Obwohl es allerdings m. E. 1999 kein Zentralratsmitglied interessiert hat, ob es historisch vertretbar ist, deutsche Soldaten nach Jugoslawien zu schicken (für die Serben war das sehr wohl ein Thema).
Eine reguläre Armee, die diese Guerilla bekämpft, und dabei ebenfalls das Völkerrecht verletzt (und zwar nicht nur einmal, sondern durchaus strategisch) handelt um keinen Deut besser.
Das ist natürlich ein hervorragendes Argument für die Abschaffung regulärer Armeen und Ersetzung durch Guerilla. Dann brauchen sich die selbsternannten Völkerrechtsexperten nicht mehr den Kopf zu zerbrechen, was allerdings aus meiner Sicht ein Rückfall in den völligen Wahnsinn wäre. Was tun ? Es ist nur der umgekehrte Weg möglich und damit die Erklärung aller Milizen zu kriminellen Banden wie es Deutschland mit den Skinheads Sächsischer Schweiz getan hat.Wo kämen wir da hin, wen sich auch in Deutschland jede Partei noch eine Hausmiliz zulegen würde und jeder Stadtteil eine bewaffnete Bürgerwehr.
Guten Morgen, Carla, guten Morgen, Gregor Keuschnig,
Das ist natürlich ein hervorragendes Argument für die Abschaffung regulärer Armeen und Ersetzung durch Guerilla. Dann brauchen sich die selbsternannten Völkerrechtsexperten nicht mehr den Kopf zu zerbrechen, was allerdings aus meiner Sicht ein Rückfall in den völligen Wahnsinn wäre.
Carla, leider ist das genau das, was mittlerweile im Gange ist, ob einem das gefällt oder nicht. Es wird mit dem Konzept des "neuen Krieges" beschrieben und es ist der Rückfall in die Zeiten des 30-jährigen Krieges. Hier habe ich eine Gegenüberstellung versucht. Also: das ist bereits in vollem Gange. Seinerzeit wurde das Aufstellen einer Nationalarmee als Fortschritt erachtet und man hielt eben diese Milizen für ein Auslaufmodell. Sie sind immer das Kennzeichen eines schwachen oder zerfallenden Staates (womit das natürlich zu Überlegungen bzg. USA reizt, wo es ja auch Bürgermilizen gibt). Und, Carla, ich teile Deine Einschätzung vom Auhebeln des Völkerrechts. Und ich frage mich auch, warum man denn bitte Armee und Polizei des Libanon nicht vorzeitiger gestärkt hat. Und nochmal: solche Vereinigungen wie Hizbollah oder Skinheads Sächsische Schweiz gewinnen ihre Stärke nicht in erster Linie durch Waffensammeln und Kampfrhetorik, sondern durch praktische Sozialarbeit. So hat die SSS sicherlich auch davon profitiert, daß Uwe Leichsenring die einzige Fahrschule am (Heimat-)Ort hat. Allerdings sehe ich einen Unterschied: die kriegen niemals, wie Hezbollah ihre Bierbäuche an einer Hauswand hoch.
Naja, Uri Avnery würde ich schon ernst(er) nehmen, schließlich ist er seit den 30er Jahren dort unten. Außerdem war er mindestens 1948 selber an de Vertreibung der Palästinenser beteiligt. Es darf also vermutet werden, daß sein Standpunkt fundiert und durch Erfahrung getragen ist.
Auf seiner website gibt es auch einen Artikel, wo er sich über das deutsche Fähnchenschwenken Gedanken macht, und zu dem Schluß kommt, daß eine Nation, die sich ihrer selbst schämt kein vernünftiges Verhältnis zu anderen Nationen aufbauen kann - allerdings ist das nicht der Hauptgedanke des Artikels. Warum erwähne ich das jetzt hier? Weil mir jegliches Verständnis dafür fehlt, wenn sich pro-Israel mit anti-deutsch mischt und wieder die ewigen Reizworte und Versatzstücke kommen, die immer kommen: Wehrmacht, Shoa, Stahlhelm... Man könnte jetzt natürlich den Traditionserlass der Bundeswehr diskutieren, der festlegt, daß die Wehrmacht als ganzes keine Tradition bildet, daß es aber einzelne Angehörige sehr wohl tun, nach denen dann auch Kasernen benannt sind, nicht nur die Männer des 20. Juli, sondern auch ein kleiner Wiener Feldwebel namens Anton Schmidt. Aber erstens ist mir aus beruflichen Gründen verwehrt, sowas öffentlich zu tun (sowie ich mich öffentlich ja immer nur als "BigBerta" und nicht als Angehörige meines Trachtenvereins äussern darf. (NB: was Liza wohl dazu sagen würde, wenn er/sie sich mal klar machte, daß die Wehrmacht und Luftwaffe an prominenter Stelle Männer jüdischer Hekunft hatte? Z. B. Erhard Milch und Erich v. Manstein (v. Lewinski)? Aber ich will mich hier nicht verplaudern...
Was diese Antideutschler übrigens kennzeichnet ist, daß deren "Deutschland" (das IMHO ein Produkt ihrer Projektion ist) es eigentlich immer falsch macht: hält es sich zurück, heißt es besondere Verantwortung, will es Verantwortung übernehmen, ist es auch wieder falsch. *Natürlich* ist das Räsonnieren über eine deutsche Beteiligung ein Signal: wir wollen, wenn Ihr wollt. Nochmal IMHO weist das ganze Anti-Gedeutsche Deutschland die gleiche besondere Bedeutung zu, wie ein Deutscher Nationalismus.
Ich darf Euch - auch als BigBerta - übrigens mitteilen, daß "das Ausland" für solche Antideutschelei nur Kopfschütteln übrig hat, aber das ist ja hier auch nicht das Thema: noch mal zur Hezbollah: wie ich den diversen Artikeln, Nachrichtensendungen etc. entnahm, nimmt die Hezbollah das libanesische Volk nicht als Geisel (was die Wahhabis mit den Tschetschenen und Bosniern zumindest partiell tun bzw. getan haben), sondern verfügt über einen ständig wachsenden Rückhalt. Ein israelischer General läßt sich damit zitieren, man kämpfe gegen die "beste arabische Streitmacht", der sich Israel je gegenübergesehen hat. Ein Statement, ds im Lichte z.B. derr britisch geführten und trainierten "Arabischen Legion" die 1948 den für lange Zeit einzigen Sieg gegen die Israelis errungen hatte, zumindest bemerkenswert. Ich will ja nicht so boshaft sein, und vermuten, daß es das Signal an die USA ist, mal mit mehr Unterstützung rüberzukommen. Nein, nochmal, ich will auf was anderes raus: es zeichnen sich mittlerweile sunnitisch-schiitische Allianzen ab, die es so in der islamischen Geschichte noch nie gegeben hat: wie ich ja oben schonmal ausgeführt habe (am Beispiel der prestigeträchtigen Verwaltung von Mekka), besteht *eigentlich* eine tiefe Feindschaft, die es beide Denominationen im Zweifel immer lieber an die Seite eines christlichen Verbündeten getrieben hat. Ich darf hier das Buch von Amin Maalouf empfehlen, der genau darin die Barbarei sieht: es standen nämlich nicht, wie die Verdammer bzw. Verherrlicher meinen, gute/böse Christen gegen böse/gute Muslime, sondern die eine christlich-muslimische Koalition gegen die andere muslimisch-christliche. und Christen gegen Christen (Eroberung de Grafschaft Edessa) gab es auch und Muslime gegen Muslime ebenso. Warum erwähne ich das jetzt. Nun, ganz offenbar hat Hezbollah auch die Unterstützung von Teilen der christlichen Machtelite: Seht Euch mal dieses Bild aus dem aktuellen Stern an. und hier der Wikipedia-Eintrag, der auch zeigt, daß das mit der Front Christen gegen Muslime nicht ganz so einfach ist.
Naja, Karla, Du hast natürlich recht, wenn Du schreibst:
Was ich als hochinteressant einschätze, ist das Wissen über die Hizbollah, die allesamt kundtun, vermutlich wisen diejeniggen mehr darüber als die Hizbollah selber.
*Das* kann man für jede Partei sagen: die pro-Israeler, den Muslim-Markt... Was mich betrifft, so versuche ich nur, das zu sammeln, was ich in der - einigermaßen sachlichen - Presse finde, und das wendet sich eben *gegen* ein solches Bescheidwissen.
Die Hizbollah wird lediglich auf eine andere Weise glorifiziert, die ich jetzt so lustig finde wie die Glorifizierung des Mossad. Nein. Im Übrigen ist Dämonisierung, ob beim Mossad oder Hezbollah, auch eine From von Glorifizierung.
@Carla
Die Art und Weise, wie Sie Uri Avnery abkanzeln, empfinde ich als reichlich anmassend.
@BB
Ich glaube, dass das was heute asymmetischer Krieg genannt wird, keinesfalls so neu ist. Letztlich waren alle "Befreiungsbewegungen" in der (sogenannten) Dritten Welt, die sich gegen den Kolonialismus aufgelehnt haben, immer zunächst "Guerilla". Das geht schon seit -zig Jahren; grob gesagt hat es wohl mit der algerischen Unabhängigkeitsbewegung angefangen; vielleicht noch eher.
Die Strickmuster sind immer die gleichen gewesen: Man verweigert ihnen einen (eigentlich perversen) Status - den des "Soldaten" (implizit wieder der Wunsch nach einem "sauberen" Krieg). Ein paar Tausend (oder auch schon mal Millionen) Tote später kommt man auf die Idee, dass es besser wäre, zu verhandeln. Der Gipfel ist dann - auch das passiert gelegentlich - beide kriegführende Parteien bekommen irgendwann den Friedensnobelpreis; eine Reinwaschung für alle. (Besonders in Erinnerung der Nobelpreis an Kissinger und den Vietcong Vertreter Le Duc Toh 1973 und natürlich Arafat / Peres / Rabin).
Inzwischen nennt man sie Terroristen (was sie auch oft genug sind) und rechtfertigt damit ein Vorgehen, welches sich am Rande oder wider den völkerrechtlichen Regularien bewegt. Jeder Provinzdespot führt heute einen "Kampf gegen den Terrorismus" - tatsächlich unterdrückt er Meinungsfreiheit im eigenen Lande damit.
In den 60er und 70er Jahren wurden die Befreiungsbewegungen insbesondere von den Linken sehr oft idealisiert; es galt als Konsens, dass sie für ihre "Unabhängigkeit" kämpften. Man sprach damals nicht von asymmetischen Kriegen (wenigstens nicht in den populärwissenschaftlichen Medien, die ich [halbwegs] verfolgt habe), obwohl sie m. E. alle / viele Kriterien erfüllten.
@ Gegor Keuschnig
Eine Bitte: Carla ist nicht unsachlich, sondern formuliert manchmal recht pointiert, woran ich mich auch erst gewöhnen mußte, was ich aber mittlerweile schätzen gelernt habe, und macht - siehe Uri Avneri - manchmal genau das, was sie anderen vorhält, nämlich hier das "Bescheidwissen aus der Ferne". Finde ich aber legitim. Mache ich ja auch manchmal. - Ich möchte ihre genausowenig wie Ihre Beiträge missen.
CU
BB
@ Carla, @Köppnick
Jetzt aber zurück zum Thema, wobei das Thema "Bellizismus" bzw. in diesem Fall bellizistische Lösung aus meiner Sicht ein ganz wichtiges ist. Bitte lest den Artikel über die Hezbollah, falls Ihr das noch nicht getan habt. Darin sind zwei Sachen ganz aufschlussreich: erstens werden die Kämpfer ab Kindesalter gedrillt. Selbst, wenn es gelänge, eine Generation von Kämpfern zu liquidieren, so stünde die nächste ja schon bereit, erzogen von ihren Müttern. Ich nehme nicht an, daß irgendjemand die Lösung von Herodes preferiert. Der zweite, aber viel wichtigere Punkt ist, daß dieser Kämpfer (bevorzugt einer hier die Bezeichnung "Terrorist", auch in Ordnung) schreibt, ein Vorteil, den sie gegenüber den Israelis hätten, wäre der: sie hätten Geduld, und die zu bekommen, wäre Teil der Ausbildung, wozu man sie z.B. für längere Zeit in einem Haus absetzen und alleine lassen würden. Da muß einer Sun Tzu gelesen haben: setz' Dich an den Fluss und warte, bis die Leiche Deines Feindes vorbeischwimmt. Habt Ihr das mitbekommen: http://tinyurl.com/f8n6p ?