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Update: Falscher Krieg, falsche Wortwahl: Islamo-Faschismus

Heute gerate ich an einen famosen Artikel zum Thema auf dem Spiegelfechter-blog, das sich übrigens mit seinen Zugriffszahlen zurecht ganz hervorragend anlässt:

Islamo-Faschismus oder “Wer Faschist ist bestimmen wir
Feb 23rd, 2007 by Spiegelfechter
Eine Gesellschaft, die vom Erdöl abhängig ist wie der Junkie von seiner täglichen Dosis, handelt auch ähnlich triebgesteuert. Der Fokus des Interesses ist es den nötigen Stoff zu bekommen. Gesellschaftlich ist dies indes nicht anerkannt – wird der Konsum als solcher als Krankheit gesehen, der man mit Ersatzdrogen (Methadon, Atomkraft) beikommen will, so ist die Beschaffungskriminalität der Kern des Problems, der die meisten negativen Folgen mit sich bringt.

Öl - der Saft nach dem die Welt giert
Die Begehrlichkeiten der Mächtigen im Weißen Haus sind vor allem auf eine Region konzentriert, den Nahen Osten. Hier sind die umfangreichsten Lagerstätten, die auch für die Zukunft prächtigen Nachschub versprechen. Die „gesicherten“ Erdölquellen der USA reichen alleine nicht mehr aus, die SUVs zu speisen und die Reserven verheißen alarmierendes: „Peak-Oil, das Ölzeitalter (so werden es künftige Historiker wohl bezeichnen) neigt sich dem Ende zu“. Peak-Oil hat die letzte Runde des Verteilungskampfes eingeläutet, in der neben den USA auch aufstrebende ölfressende Riesen, wie Indien und China und wiedererstarkte Energiezaren (1) beteiligen. In den Kammern der bellizistischen Beraterinstitute steht die Uhr auf 5 vor 12.

Hier geht es weiter mit dem Artikel, dessen Lektüre ich wärmstens empfehle.
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update vom 2. September, 11:00
hier ist der Link zu einem Gespräch mit dem Leiter des Instituts für deutsche Geschichte an der Universität Tel Aviv, Moshe Zuckermann, gefunden bei Telepolis:

"Der islamistische Fundamentalismus hat mit Faschismus nichts zu tun"

Gerhard Hanloser 24.08.2006
Ein Gespräch mit Moshe Zuckermann über die Situation im Nahen Osten, den islamischen Fundamentalismus, die israelische Politik und einen möglichen Einsatz deutscher Soldaten
Moshe Zuckermann wurde 1949 in Tel Aviv geboren. Mit seiner Familie kam er 1960 nach Deutschland und kehrte 1970 nach Israel zurück. Zuckermann Leiter des Instituts für Deutsche Geschichte an der Universität Tel Aviv. Seit langem setzt er sich für den Friedensprozess mit den Palästinensern ein und ist ein scharfer Kritiker der israelischen Politik. Veröffentlichungen u.a.: Israel – Deutschland – Israel. Reflexionen eines Heimatlosen (2006); Zweierlei Israel (2003); Gedenken und Kulturindustrie (1999); Zweierlei Holocaust (1998).
Es ist einfach zu benennen, wer der Verlierer des über einen Monat eskalierenden Libanonkrieges ist. Das sind zum einen große Teile der libanesischen Zivilbevölkerung, die teilweise vollständig ihr Hab und Gut verloren hat, es ist aber auch wegen des permanenten Raketenbeschusses durch die Hizbollah die israelische Bevölkerung im Norden des Landes. Wer könnte Gewinner dieses eskalierenden Konflikts sein, wer hatte überhaupt ein Interesse, diesen Konflikt vom Zaun zu brechen?
Moshe Zuckermann: Nun, wenn Sie das schon so formulieren, muss ich ergänzen, dass große Teile der Zivilbevölkerung Israels nicht nur wegen des Beschusses der Hizbollah Opfer sind, sondern auch weil sie als Geisel der israelischen Regierung und ihrer Gewaltpolitik fungierten.

Für mehr hier lang.
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Ja, ei, gugge, da war BigBerta mit dem Übersetzen einen Tag schneller als die TAZ. (Dank an Arne Hoffmann.)
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oder: Wrong War Wrong Word nennt die US-Autoin Katha Pollit ihren Beitrag in der online-Ausgabe von The Nation. Sein Thema ist:

Hast Du die Sprache, so hast Du die Debatte.
via: Hinter meinem Schreibtisch.

Jaja, mein Reden, deswegen ja auch meine Einträge zu den umgewidmeten Begriffen.

Hier der Beitrag:

Kontrollierst Du die Sprache, kontrollierst du die Debatte. Da die Nahostpolitik der Bush-Administration in einer immer blutigeren Zusammenhanglosigkeit versinkt, bekam der "Krieg gegen den Terror" eine lingusistische Auffrischung. Das wurde dann "der Krieg gegen den Islamofaschismus". Dieser Begriff kreist schon seit 1990, als die Historikerin und Autorin den Begriff "Islamofaschismus" im Londoner "Independent benutzte, um autoritäre Regierungen der islamischen Welt zu beschreiben. Nach dem 11. September schnappten ihn Neocons und bellizistische Bescheidwisser (prowar pundits) auf, einschließlich Stephen Schwartz im Spectator und Christopher Hitchens in diesem Magazin, um damit einen breiten Schwaden von Muslim bad guys zu beschreiben, angefangen von Osama bin Laden bis hin zu den Mullahs im Iran.

Der Begriff kam diesen August in den Mainstream, als Bush sich auf die kürzlich in Großbritannien vereitelten Selbstmordanschläge bezog, die er als "starke Mahnung. daß diese Nation sich im Krieg mit islamischen Faschisten befindet. Joe Lieberman vergleicht den Krieg im Irak mit "dem Spanischen Bürgerkrieg, der ein Vorbote war von dem, was noch kommen würde. Der Schwenk weg vom "Krieg" gegen den Terroer" kam für die Sprechpuristen, die Probleme hatten, gegen eine Taktik Krieg zu führen, keinen Moment zu früh. Und nicht zu reden von jenen, die fragten, wenn denn der Terrorismus das Problem, warum der Einmarsch in den Iran die Lösung sei. (Aus einer Pressekonferenz des Präsidenten am 21. August: Frage: "Aber was hat der Irak mit dem 11. September zu tun?" - antwort: "Nichts." Nun sagt er's.

Und was ist falsch mit "Islamo-Faschismus"? Für Anfänger: es ist eine schreckliche historische Analogie: Italienischer Faschismus, Deutscher Nationalsozialismus und andere europäische faschistische Bewegungen der zwanziger und dreißiger Jahre waren nationalistisch und säkular, fest verbunden mit dem internationalen Kapital und darauf gerichtet, machtvolle, allumfassende Staaten zu schaffen, die auf der Höhe ihrer Zeit waren. Einige ihrer Insignien mögen anti-modern gewesen sein, wie Mussolinis Rückschau auf das alte Rom und die Faszination der Nazis für nordische Mythologie und anderen Wagner-Quatsch - doch der grundlegende Impetus war modern, bürokratisch und rational. Man würde keinen faschistischen Führer finden, der die Bibel zu Rate zieht, um auszuknobeln, wie er das Bankensystem, die Frauenmode oder das Strafrecht organisiert. Sogar der faschistische Antisemistismus war "wissenschaftlich". Das "Problem" war die angebliche, angeblich genetisch bedingte Minderwertigkeit und Andersartigkeit der Juden, die unzählige Biologen, Anthropologen und Mediziner "beweisen" sollten - und nicht etwa, daß die Juden Christus ermordet hätten oder einem falschen Glauben anhingen. Nennt mich einen Pedanten, doch, wäre es nur aus dem Grunde, uns zu erinnern, daß die schlimmsten Barbareien der modernen Zeit von den modernsten Menschen begangen wurden, so wäre es mir wert, den Begriff "Faschismus" als Begriff mit einem speziellen historischen Gehalt zu bewahren.

Zweitens - und wichtiger: "Islamofaschismus" verschmilzt viele verschiedene und und ungleiche Staaten, Bewegungen und Organisationen miteinander, als ob sie, wie seinerzeit die Faschisten, alles das gleiche Ziel hätten und alle gemeinsam daran arbeiteten, es zu erreichen. Neocons nannten Saddam Hussein und die syrischen Baathisten "Islamofaschisten", doch diese relativ säkularen nationalistischen Tyrannen haben nichts gemeinsam mit der staatenlosen, fundamentalistischen Schattenmacht namens Al Qaida - wie mittlerweile sogar Bush zugibt - und die Taliban, die das Land ins siebte Jahrhundert zurückführen wollten, gleichen dem Iran nicht, der verschieden ist (und manchmal weniger repressiv) als Saudi-Arabien - uuups, unser großer Alliierter im Nahen Osten! Wer sind denn die "Islamo-Faschisten" in Saudi-Arabien - das gegenwärtige Regime oder seine religiös-fanatischen Gegner?

Es war die aktuell existierende Regierung, die von den USA unterstützt wurde, unter der Schülerinnen in ihre brennende Schule zurückgetrieben wurden und man ihnen verwehrte, unverschleiert den Flammen zu entkommen. Unter dieser Regierung werden Menschen ausgepeitscht und geköpft, dürfen Frauen nicht wählen und kein Fahrzeug führen und der Dress-Code wird von Staats wegen gewaltsam erzwungen. Der Wahhabismus, dieses "islamofaschistische" Bekenntnis wird um die Welt exportiert.

"Islamofaschismus" sieht aus wie ein analytischer Begriff, ist aber ein emotionaler, der uns dazu bringt, weniger zu denken und mehr zu fürchten. er präsentiert und die verwirrende Politik der muslimischen Welt als simples "wir" gegen "die", mit dem Krieg als letzendlich einziger Antwort, und mit Hitler.

Wenn Sie einen Zweifel daran haben, daß jeder britische Muslim unter dreissig bereit ist, sich für Allah in die Luft zu sprengen, oder daß das Zerreissen unserer Verfassung der Weg ist, uns vor Selbstmordbombern zu schützen, wenn Sie meinen, Hamas wäre weniger populär, wenn die Palästinenser nicht so arm dran wären, werden Sie auf Neville Chamberlain (und das Wort vom appeasement, BB) zurückgeworfen, während Bush FDRspielt, Franklin Delano Roosevelt, (den US-Präsidenten währen des "Zweiten Weltkrieges" BB). "Islamofaschismus" rettet die Neocons vor einer herben Verurteilung des Einmarsches in den Irak, der ja angeblich ("ein Kinderspiel...Rosen...Leckerchen...Chalabi") war, indem sie das heraufziehende Debakel zur Randnotiz einer wesentlich größeren Geschichte machten, nämlich der von den bösen Verrückten, die die Grüne Fahne des islam über den Hauptstädten des Westens hissen wollen.

Plötzlich ist es bloß ein Detail, daß Saddam mit dem 11. September nichts zu tun hatte, daß er keine Massenvernichtungswaffen hatte, daß er überhaupt nicht bereit war, die Vereinigten Staaten oder Israel anzugreifen - er hasste die Freiheit, und das reichte. Es macht auch nichts, daß die irakischen Sunniten und Schiiten offenbar weniger daran interessiert sind, sich gegenseitig umzubringen, als die Ummah zu einen. (Ummah, die islamische Gemeinschaft, Gegenbegriff zu "Nation". BB) Mit etwas Glück sind wir dann so verängstigt, daß wir die andere Seite nicht mehr anhören wollen, ist sie doch eindrucksvoll im Irrtum bezüglich der größten politisch-miltärischen Initiative der letzten 30 Jahre und ihre Kahlköpfe werden viele weitere Nächte auf unseren Fernsehschirmen leuchten. Auf nach Teheran.

Es bleibt abzuwarten, ob "Islamofaschismus" die linksliberalen Serurity Moms zurückgewinnen wird, die 2004 für Bush gestimmt haben, , seit kurzem aber im Lager der Demokraten sind. Wie ich zum Beispiel geschrieben habe, hat die New York Times eine Seite "offener Briefe" von der Al Kharafi Gruppe, einer gigantischen kuwaitischen Baufirma, veröffentlicht, die dazu schrieb:
Wir denken, hier liegt eine falsche Begriffsbestimmung vor - wer verdient es, 'Faschist' genannt zu werden?
"Islamofaschismus" macht ohne Sinn auch noch die zusammenschmelzende Gruppe von Muslimen wütend, die uns noch nicht hassen. Zur gleichen Zeit vernebelt es eine Menge von Situationen mit Ideologie: Libanon, Palästina, Sprengstoffattentate auf Flugzeuge und (U-)Bahnen, Afghanistan, Irak - wir müssen dringend klar sehen und diese Themen mit der nötigen Aufmerksamkeit behandeln.

Kein Wunder, daß die, die uns das Desaster im Irak eingebrockt haben, auf den Begriff so stolz sind.

Lysis bringt weiteres Material und die Diskussion ist dort schon weiter, für meinen Geschmack jedoch etwas zu sehr auf den europäischen Kontext fixiert.

Auch ganz interessant:
Geschichte der Religionspolizei
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Gregor Keuschnig - 31. Aug, 15:06

Begriffe wie

"Islamofaschismus" oder "Krieg gegen den Terror" sind Worthülsen, die auch den letzten Skeptiker überzeugen soll, auf der richtigen Seite zu stehen. Unter diesem Aspekt sind Deine letzten Beiträge zu verstehen.

Es ist interessant zu beobachten, wie in unseren Medien bestimmte Attribute eingesetzt werden - andere wiederum nicht (mehr) genannt werden. Man muss allerdings aufpassen, das Kind nicht mit dem Bade auszuschütten: Massenmedien wie Radio, Fernsehen (aber auch Zeitungen) bedienen sich häufig eingängiger Bilder (auch Sprachbilder), die bestimmte Assoziationen bedienen sollen. Da muss nicht prinzipiell "böser Wille" dabei sein - manche Redakteure stehen unter immensem Druck. Um sich gemäss der Puristen auszudrücken, also immer alles exakt abzuwägen, fehlt Zeit und auch - natürlich - Bereitschaft.

Ich trenne daher auch die Behandlung kontroverser Themen aus Weblogs oder Internetforen und in den "nromalen" Massenmedien. Das Internet hat für mich keinerlei repräsentativen Charakter. Meine Erfahrung mit Foren (und auch Weblogs) ist, dass man (Ausnahmen gibt es) fast immer die Plattform wählt, in der man sich "aufgehoben" fühlt. Das bedeutet, dass man nicht bei jedem Blogeintrag oder Kommentar erst seitenlange Statements zu Demokratie, Menschenrechten und Religionsfreiheit abgeben muss, ohne die man a priori als "Unperson" gilt.

Umgekehrt werden beispielsweise islamophobe Menschen immer die Nähe ihrer Gesinnungsgenossen suchen und sich nur unter bestimmten Voraussetzungen auf fremdes Terrain begeben.

So entstehen gerade im Internet Paralleluniversen, die, wenn sie aufeinanderstossen, nicht selten in "Blogwars" (o. ä.) eskalieren.

In der "offiziellen Öffentlichkeit" werden Begriffe wie "Islamofaschismus" allenfalls vermeldet, jedoch kaum kommentiert. Letztlich ist das richtig, da es reine Zeitverschwendung wäre. Unterschwellig wird natürlich immer eine Position eingenommen, die unserer Sicht entspricht - da kann man noch so auf Objektivität achten. Wenn mal erst einmal weiss, warum welche Begriffe in die Welt gesetzt werden, ist man schon einen Schritt weiter.

bigberta - 31. Aug, 16:26

Islam = böse, der Mufti ist Darth Vader und Turban=Wehrmachtshelm

Wenn mal erst einmal weiss, warum welche Begriffe in die Welt gesetzt werden, ist man schon einen Schritt weiter. Ganz genau. Deswegen ja auch meine Beiträge zu z.B."Dhimmi" und "Eurabia". Natürlich gilt auch Dein Statement zu blogs und Foren - wenn gleich mit gewissen Einschränkungen: Du kannst über die Zeit schon feststellen, daß Blogs eine Teststrecke sind, über die die klassischen Medien versuchen, auszutesten, was "geht" und was nicht. So ist der "Dhimmi" auch ziemlich lange durch die Blogosphäre gelaufen, bevor er von Maxeiner und Miersch in die "Welt" und die Welt gesetzt wurde. Und so mancher versucht auch, durch die Bloggerei zum pundit zu werden, und so mancheR hat sich auch erfolgreich hochgebloggt, was ja per se erstmal wertfrei ist.
Allerdings ist es nicht mehr wertfrei, daß man in den klassischen Medien bestimmte Regeln befolgt werden müssen, die so mancher meint, in der blogosphäre nicht einhalten zu müssen - konnte man ja schon bei so gewissen Einträgem bei mir/über mich verfolgen, die schlicht und ergreifend strafrechtsrelevant sind. - Könntest Du Dir ein klassisches Medium vorstellen, in dem zur Untermauerung snuff-Pornos üblich wären?
...bedienen sich häufig eingängiger Bilder... Das hängt einfach mit bestimmten neurologischen Strukturen zusammen. Es gibt Hirnbahnen, die zur Abwehr bestimmter Gefahren darauf geeicht sind, unvollständige Bilder in einer bestimmten, einmal erlernten Art und Weise zu vervollständigen, und das macht sich die Werbebranche zunutze: Du kennst doch vielleicht die Pop-Art-Bilderfolge, in der der Schriftzug von Coca-Cola zu "Cocaine" verfremdet ist? (Ein Königreich für den link...). Das hilft dann beim Masse-statt-Klasse-Bloggen, nach dem Motto: Dosenkohl hat es auch schon gepostet. Die Figur "Darth Vater" bedient sich dieses Mechanismus ebenfalls: er trägt einen wehrmachtsähnlichen Helm, der von der Form her strenggenommen ein Helm aus dem 1. Weltkrieg ist, aber erkennbarer, womit man schon die Assoziation anknipst: Wehmacht = böse. womit ich bei mir jetzt die Versuchung verspüre, diesen Beitrag mit einem Darth Vader-Bild zu illustrieren...
Und vieles ist dann auch so eingängig, weil's eigentlich eine Wanderlegende ist, was allerdings die klassischen Medien nun nicht von den Bloggern trennt: ich las irgendwann vor '98 mal im "Stern", daß der junge Helmut Kohl nach dem Krieg mit einigen andern "Bubb'n" in Oggersheim König und Ritter gespielt hätte. Jung-Helmut hätte als König einen Kaffeewärmer auf dem Kopf und eine Wehrmachtsdecke als Königsmantel getragen, und der Stern verortete hier den Beginn des Systems Kohl. Die Geschichte ist jedoch schon mindestens so alt wie das Nibelungenlied: es ist "Die Erzählung von Edige", ein mongolisches Heldenepos.

Aber noch mal zum Begriff: Islamofaschismus: ich denke, Bush weiß genau, daß es keine religös-islamsichen Bewegungen gibt, die man im Faschismus verorten könnte. Die einzige arabische politsche Bewegung, die man im Faschismus verorten könnte, war die Baath-Partei - deren Spiritus Rector jedoch ein Christ war, Michel Aflaq. Und der, wenn es um die Gleichung Islam=Faschismus geht, immer wieder exhumierte Arafat-Onkel, der Mufti von Jerusalem, Amin al-Husseini, war zwar offensichtlich ein Verfechter der "Endlösung" (was für mich allerdings auch nicht zweifelsfrei geklärt ist, da die Engländer ihn dann doch nicht mehr vor Gericht stellten), aber ebenfalls kein "Faschist", weil rückwärtsgewandt. Und somit wird das "Islamofaschist" dann auf die simple Aussage reduziert: Islam=Böse, Turban=Darth-Vader-Helm.
Gregor Keuschnig - 31. Aug, 16:52

Teststrecke

Dass Blogs von Journalisten als "Teststrecke" für neue Begrifflichkeiten eingesetzt werden, ist sicher richtig. Und das geht meist in Richtung Vereinfachung komplexer Sachverhalte, um in Schlagworten möglichst viel Angst und/oder Demut zu erzeugen.

Was vielen Leuten heutzutage in den reizüberfluteten Medien abgeht, ist ein genaues Hinhören, Hinschauen, Lesen. Das geht selbst mir manchmal so. Da hat man tatsächlich ein wichtiges Wort überlesen oder in der Eile etwas falsch verstanden. Da man aber angeleitet wird, möglichst viel zu konsumieren - also auch möglichst viele Nachrichten, neigen Journalisten dazu, schwierige Sachverhalte zu simplifizieren. Ich weiss, das sollten sie nicht tun - ihre eigentliche Aufgabe wäre, das genaue Gegenteil - aber ich glaube dieser Zug ist (vorerst) abgefahren.

Ein Trost liegt darin, dass diese Berichterstattung mitnichten auf Islam / Terrorismus angewandt wird. Auch innenpolitische Themen unterliegen der Infantilisierung; jede Christiansen-Sendung treibt es darin auf die Spitze. Selten wie fast nie wird dort explizit eine detaillierte Auseinandersetzung (mit einem Teilaspekt eines Vorgangs) von der Mdoeratorin ausdrücklich verhindert - zur Not, um in Personalisierungen oder Hysterierungen zu flüchten.

Leider weiss ich nicht, ob Bush das Wort des Islamofaschismus wissend eingesetzt hat. Vermutlich wurde es ihm ein Redenschreiber nach stundenlanger Diskussion mit -zig Beratern reingesetzt. Der Begriff soll doppelt abschrecken: Einerseits ist alles, was mit "islam..." nur irgendwie beginnt, derzeit negativ konnotiert. Und das wird mit dem Zusatz "...faschismus" gekoppelt und gedoppelt! Wobei - streng genommen - das F-Wort fast immer von Linken verwendet wird. Insofern ist die Koppelung dieser beiden "bösen" Attribute für amerikanische Verhältnisse ziemlich neu. Denn früher, als man sehr viel mehr Grund dafür hatte, hat man faschistoide Systeme niemals als solche bezeichnet, sondern sie als Verbündete als Bollwerk gegen den Kommunismus gepeppelt.
bigberta - 31. Aug, 18:50

Denn früher, als man sehr viel mehr Grund dafür hatte, hat man faschistoide Systeme niemals als solche bezeichnet, sondern sie als Verbündete als Bollwerk gegen den Kommunismus gepeppelt.

Und so manche Islamo....gleich mit.
Israel übrigens auch: Hamas.
Carlawenigeristmehr - 31. Aug, 17:17

Bin leider in Eile

trotzedem reicht es für ein

Guten Tag,

vielleicht gefällt Dir das als Coca-ine Logo



Eine kleine Anmerkung noch:#


Gregor Keuschnig schreibt sehr treffend:

Was vielen Leuten heutzutage in den reizüberfluteten Medien abgeht, ist ein genaues Hinhören, Hinschauen, Lesen. Das geht selbst mir manchmal so. Da hat man tatsächlich ein wichtiges Wort überlesen oder in der Eile etwas falsch verstanden.

Was hat Bush denn jetzt wirklich gesagt:

"The recent arrests that our fellow citizens are now learning about are a stark reminder that this nation is at war with Islamic fascists who will use any means to destroy those of us who love freedom, to hurt our nation."

Vielleicht erkennt jemand, dass hierbei ein gravierender Unterschied zu Islamofaschismus liegt ;-). Islamofaschismus an dem sich Katha Politt abarbeitet und den Du in der Überschrift benutzt, hat er nicht verwandt.

Ist es Haarspalterei zwischen einem islamofaschisten und einem islamischen Faschisten zu differenzieren? Meiner Meinung nach nicht.

Jetzt muss ich leider weg. Bis später.

bigberta - 31. Aug, 18:02

Hach, Carla,

wenn ich Dich nicht hätte ;-)) Solltest du jetzt noch die anderen Arbeiten auftreiben, beuge ich das Knie vor Dir. Heute werde ich allerdings erst sehr spät wieder reingucken, denn ich kann nicht meinen ganzen Urlaub verbloggen, und muß noch einige Sachen für mich persönlich auf die Reihe kriegen. Es geht um den inflationären Gebrauch von "Faschismus". Da ich immer noch zu blöd bin, mit HTML hier im Kommentarbereich ein Bild zu posten (könnte ich bitte noch mal idioten- und BigBerta-sicher den HTML-Tag haben?) mache ich jetzt einen eigenen Beitrag draus.
Gregor Keuschnig - 31. Aug, 22:02

Na, dann...

bin ich mal auf diesen so gravierenden Unterschied gespannt.

Übrigens gerade wurde in der Tagesschau von der Korrespondentin erwähnt, Bush habe in seiner heutigen Rede von einem Kampf (oder war es Krieg?) gesprochen, der mit dem Krieg gegen die Nazis oder Kommunisten vergleichbar wäre.

BB hat recht: Es geht um die inflationäre Bedeutung des Attributes "Faschist". Es gab Zeiten in (West-)Deutschland, da galt es als "schick" auch beispielsweise Fahrkartenkontrolleure pauschal erst einmal als "Faschisten" zu denunzieren.

Etwa auf diesem Niveau bewegen sich Bushs Äusserungen.
bigberta - 2. Sep, 17:27

Hallo, Carla,

herzlichen Dank für das Posting, das eine ausführlichere Antwort verdient. Schaffe ioch bloß heute nicht mehr, weil ich gerade beim Ausmisten meiner Papierstapel, Rechnungen etc. bin. Deswegen nur kurz: "Keule" ist für mich, wenn jegliche, auch nur zart kritische Äußerung mit dem Antisemitismus-Vorwurf plattgemacht wird. Daß ich schon 1993 gegen die "Keule" von der "anderen Seite" gewettert habe, kann man in der TDM-Rede von 1993 lesen, die ich hier ja nochmal verlinkt habe. Und was "Keulen" betrifft, dazu sieh' Dir mal das Posting von "Grimme" an, für mich eine besonders dämliche Ausprägung des Reflexes, nun alles und jedes mit dem Etikett "Antisemitismus" zu bekleben. Allerdings will ich jetzt auch nicht den Fehler machen, ein Extrem zu verallgemeineren.

Und warum habe ich geschrieben, daß ich die "antijüdische Stimmung" nirgendwo wahrnehmen kann? Das ist für mich was Anderes, als "Briefe". Gut. ich formuliere es noch mal klarer: Eine Stimmung, die sich selektiv nur gegen Juden richtete, kann ich nicht wahrnehmen, sondern antijüdische Stimmungen nehme ich meistens wahr, wenn sie sich - wie in dem Norweger-Bashing beschrieben, auch gegen andere Gruppen (ich verkneife mir jetzt die Kombination "Rand") richtet, weil ich das Phänomen, sich gegen eine Outgroup zu richten, für eines halte, bei dem das Objekt wechselt: Kinder von deutschen/französischen/amerikanischen Besatzungssoldaten, Juden, Muslime...

Jetzt muß ich aber erstmal weg. Bis später.
LG
BB
PS: hat Fantasieislam einen Link? Wenn ja, dann funzt er nicht...
Willy (anonym) - 1. Sep, 13:31

Ist schon witzig, wie fein hier beim Begriff Faschismus differenziert wird, während man mit dem Begriff Rassismus für alles und jedem, dessen Richtung einem nicht passt, nur so um sich schmeißt.

bigberta - 1. Sep, 13:40

Hallo, Willy,

wo denn? Dein Posting hätte an intellektueller Schärfe entscheidend gewonnen, wenn Du dafür einen Beleg gebracht hättest, nach dem Muster: Auf diesem blog: wer-wann-wie. Dann kann ich (ich, nicht man) mich damit auseinandersetzen. So verpufft Dein Statement und gerät in die Nähe von Trollerei. Schade.
Grimme (anonym) - 2. Sep, 15:24

Macht nix

Mach dir nix draus willi, hier wird der Islamofaschismus bejubelt und eine latente Judenablehnung mit Äußerungen wie "meine Mutter kommt aber aus Bulgarien und ich habe ganz viele jüdische Freunde" verschleiert.
bigberta - 2. Sep, 15:44

Und noch ein Dreizeiler

ohne Substanz. Wo steht das Zitat denn hier im blog?
Carlawenigeristmehr - 2. Sep, 16:48

Keulenschwingerei

Big Berta:„daß eben immer gleich die "Antisemitismus"-Keule geschwungen wird“
Gregor Keuschnig: Ich bin der festen Überzeugung, dass die permanente Gesinnungskeule, jedem sofort verinnerlichten Antisemitismus zu unterstellen, kontraproduktiv ist.

Daniel: Aber dass die Irren von der "Station 13" gerne die Antisemitismus-Keule schwingen, wenn ihnen sonst gerade nichts einfällt, ist ja nicht neu.



Hausaufgabe: wer schwingt wann und wo eine Keule? Ich habe den Verdacht, das es sich hierum eine ausgeprägte Antikeulenkeulenschwingerei handelt.

Charlotte Knobloch hat definitiv keine Keule geschwungen (Arne Hoffmann berichtet gar von Attacken), sie berichtet von einer Anti-Stimmung, die sie persönlich erfährt („Das sind die Grundlagen dieser Anti-Stimmung. Die gibt es in allen Bereichen. Wir organisieren zum Beispiel gerade ein Benefizkonzert, und sogar da kommen ablehnende, antisemitische Briefe“)

Big Berta: Die angebliche antijüdische Stimmung kann ich nirgendwo wahrnehmen

Gut, dann ist das natürlich gelöst. Frau Knobloch lügt und diese ablehnende, antisemitischen Briefe sind eine Erfindung. Oder sollten wir doch die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass Frau Knobloch recht haben könnte?
Vielleicht könnte sie als Jüdin ein anderes Gefühl für Stimmungen haben wie Du als Muslima. Dafür hast Du ein ausgeprägtes Gefühl für antimuslimische Stimmungen, dass ich Dir auch niemals absprechen will.
Frau Knobloch spricht lediglich bei diesen Briefen, die wir nicht kennen von Antisemitismus, nicht im Zusammenhang mit Frau Wieczorek-Zeul oder Lafontaine, denen sie durch ihre Äußerungen eine Unterstützung dieser Stimmung entgegenhält. Ich halte das für nicht so abwegig.

Mich würde einmal ein Beispiel aus den letzten zehn Jahren interessieren, wo das Schwingen dieser angeblichen Keule, obwohl sie unberechtigt war, Wirkung erzielt hat. Ich habe das Gefühl, dass es sich hier eher putative Notwehr handelt ohne überhaupt der Keule angesichtig zu sein und aus dieser Notwehr heraus umso mehr herumschwadroniert wird.

Wenn der Zentralrat der Muslime nach jedem Anschlag vor einem Generalralverdacht gegen Muslime warnt, spricht auch niemand von einer Generalsverdachtskeule.(Ich sollte mir „Generalsverdachtskeule“ gleich bei wikipedia patentieren lassen)
Wenn wir schon bei Anschlägen sind: Erinnerst Du Dich noch auf die Reaktionen nach den Anschlägen auf die Synagoge von Düsseldorf?
Mit "tiefer Bestürzung" hat der Vorsitzende der Grünen, Fritz Kuhn, auf den Anschlag reagiert. "Wir dürfen nicht aufhören, massiv - auch mit Mitteln der Repression - gegen die Gewaltbereitschaft von rechts vorzugehen",
. Die PDS will sich vor allem für eine neue Bildungsoffensive einsetzen, denn "gegen Nazis in den Köpfen hilft am besten Bildung". Engagement sei auch in der Jugend- und Sozialarbeit wichtig. Die PDS-Innensprecherin Ulla Jelpke sagte, die Angriffe auf jüdische Einrichtungen seien Anschläge auf die Demokratie.

etc. etc.

Von antimuslimiischer Stimmung keine Spur, sondern lediglich ein befreites Aufatmen, das es keine deutschen Nazis waren, obwohl einer der Täter sehr wohl ein Deutscher war. „Ob nun Neonazis oder schlicht antisemitisch motivierte Faschisten, ob Deutsche oder Araber - faktisch handelt es sich bei den Molli-Werfern auf die Synagoge um gewalttätige Antisemiten, bei denen Hitler-Bilder und faschistisches Propagandamaterial sichergestellt wurden.“
Der Düsseldorfer Oberbürgermeister bekundete: "Diese Nachricht erfüllt uns in Düsseldorf mit Genugtuung. Sie nimmt ein wenig von dem bösen Bild, das auf unsere Stadt gefallen ist."
Und schon ist das vollmundige Engagement eingeschlafen.
Antisemitismus und „Islamophobie“ haben weitaus weniger etwas mit Religion zu tun als mit Rassismus.
Vermutlich hast Du die Aneinanderreihung der aus dem Kontext gerissenen „Gewaltsuren“ genauso satt wie ich. Einer Türkin nützt es nichts sich taufen zu lassen, sie wird weiterhin Subjekt rassistischer Betrachtung zu sein, ein Jude kann hundertmal betonen, dass er Atheist und Kommunist ist, es rettet ihn nicht vor dem Verdacht an der Weltverschwörung beteiligt zu sein.
Die theologische und historische Auseinandersetzung findet so gut wie nicht statt. Wenn sie stattfinden würde, wäre ein Dialog nicht notwendig, sondern man könnte sich sehr schnell einig werden, zumindest was die Monotheisten angeht. Aber man sieht ja schon dann den Problemen der römisch-katholischen Kirche bei der Werbung um die sogenannten Ostkirchen, dass das dann doch nicht so einfach ist. Ähnliches haben die Sunniten und Schiiten zu vermelden, von den Aleviten ganz zu schweigen.

Was ist nun das Problem mit dem genialen Neologismus „Islamophobie:“, wenn wir den gemeinen Rassismus ausklammern? Es hat sich zu dem Islam der Gläubigen weltweit, der auch auf Ungläubige eine Faszination ausüben kann (die 82%) ein Bündel von Fantasieislamen gesellt, die den Koran als Krabbelkiste zur Zusammenstellung ihrer Projektionen (unter Zumischung einiger unappetitlicher Beilagen) benutzen und die Kriterien erfüllen, als wären sie den Fantasien von Islamophoben entsprungen, die damit wenn sie diese Kriterien im klassischen Zirkelschluss aufzeigen und kritisieren und damit unter den Islamophobieverdacht fallen.
Die absurde Welt des Muslim-Markt kann sich nur jemand ausgedacht haben, der den Islam und die Muslime abgrundtief hassen muss.
Ist eigentlich jemand überrascht, warum dieser Fantasieislam gerade in Deutschland auf fruchtbaren Boden fällt? Nein, nicht wirklich.

Lösungsansatz: So lange nicht alles auf dem Tisch liegt und offen ausgesprochen wird, wobei auch sämtliche Empfindlichkeiten zurückgestellt werden müssen, ist keine Lösung absehbar. Es ist für Atheisten und Polytheisten mindestens genauso schwer in die Wunderwelt des Monotheismus einzutauchen wie umgekehrt.

Dann noch eine Anmerkung zu Zuckermann: es lohnt sich das ganze Gespräch zu lesen, es ist einer der intelligenteren Beiträge zur Israeldebatte, weil er nicht polarisiert, sondern sehr viele Aspekte miteinbezieht.

Damit kann ich auch die überfällige Antwort geben, zur Unterscheidung von Islamofaschismus und islamischen Faschisten. Ich habe schon letztens geschrieben, das ein Glaube nichts zur Politik beitragen kann, allerdings Gläubige Politik machen können und so wie Christen Nationalsozialisten werden konnten könne Muslime auch Faschisten werden. Auch der Koran ist nicht davor gefeit in so weit pervertiert zu werden, das er in ein faschistisches Weltbild passt. Interessant wäre hierbei, dass zum Beispiel die Salafis (Achtung *.pdf) sich entschieden gegen die Qutbisten wenden, die Vertreter dessen was ich oben als Fantasieislam bezeichne, der sehr wohl faschistische Elemente beinhalten kann. Das was Zuckermann vermisst im fundamentalistischen Islam zu recht vermisst, haben einige Gruppierungen in ihrem Programm, z.b. Hizb-ut-Tahrir.
Auch der Brief von Ahmadinejad, selbst wenn er mit religiöser Garnierung daherkommt, ist weitaus näher an nationalsozialistische Ideologie als im Islam zu verorten.
Das hat nichts mit einer Dämonisierung zu tun, sondern mit einer textkritischen Bewertung.
Carlawenigeristmehr - 2. Sep, 18:58

Fantasieislam

Das ist der nachgelieferte Link:
Das andere Leben mit Allah
Carlawenigeristmehr - 3. Sep, 13:27

Keulen 2

Gut. ich formuliere es noch mal klarer: Eine Stimmung, die sich selektiv nur gegen Juden richtete, kann ich nicht wahrnehmen,

Das spricht für Dich insoweit, dass Du Dich mit Menschen, die antijüdische Stimmung verbreiten nicht umgibst, was nicht bedeutet, dass es sie nicht gib und das es in diesem Bezug auch unterschiedliche Sensibilitäten gibt. Warum empfinde ich die Aussage des Oeffingers als ein Beispiel verinnerlichten Antisemitismus , welcher mit Israelkritik nichts zu tun hat?

"Nicht nur Ausmaß, sondern auch Qualität der den Juden zugeschriebenen Macht unterscheidet den Antisemitismus von anderen Formen des Rassismus." (Moishe Postone, "Nationalsozialismus und Antisemitismus", in: Merkur, H. 1/1982

Oeffinger:"Nachdem unsere moralische Entscheidungsinstanz uns derart aufgeklärt hat, bleibt uns eigentlich nicht mehr, als unser Verständnis von Sachlichkeit und Meinungsfreiheit wieder einzupacken und in die Hurra-Parolen einzustimmen"

Weder ist Frau Knobloch unsere moralische Entscheidungsinstanz(Qualitative Zuschreibung der Macht der Juden), noch hat ihr Einwurf etwas keulenhaftes, Auswirkung ist gleich Null, außer etwas Aufregung darüber, dass Frau Knobloch anders Stellung bezieht, wie von dem Oeffinger gewünscht, zumal auch Ö. keine Veranlassung sieht sich wie angekündigt zu verhalten, sonst hätte er nicht auf das Deutschland-Essay von
Anis Hamadeh vom 02.09.2006
hingewiesen. Die moralische Entscheidunsinstanz ist keine, wie uns der Oeffinger durch konkludentes Tun beweist und hat auch nicht die Macht "Sachlichkeit und Meinungsfreiheit" zu beeinflussen.

Wie unterdessen Sprecher des Zentralrats der Muslime und des Islamrats in Bonn mitteilten, werden seit den Terroranschlägen in den USA Muslime in Deutschland häufiger beschimpft. Versteckte Islam- und Ausländerfeindlichkeit werde durch unverantwortliche Äußerungen von Politikern und Medienberichte verstärkt, sagte ein Sprecher des Islamrats.

http://islam.de/761.php

Wer will dem widersprechen? Vermutlich niemand der einigermaßen richtig tickt, nur wenn Frau Knobloch ähnliche Gefühle äußert, ist das die Antisemitismuskeule. Wie ausbaufähig der Angriff gegen Knobloch ist, ohne Bezug auf den Ausgangspunkt , beweist Arne Hoffmann:

Die Attacken des Zentralrats der Juden in Deutschland auf jene, die Israels Einsatz von Streubomben kritisieren, erregen auch international Aufmerksamkeit. In dem Artikel When Criticism of Cluster Bombs is “Anti-Semitic” hat Stanley Heller einiges dazu zu sagen.

Die Einleitung von Hoffmann und der Artikel von Heller sind Agitprop-Lehrstücke, die Verbindung Knobloch-Wieczorek-Zeul- Streubomben wäre lediglich statthaft, wenn Frau Knobloch sich auf diese Aussage von Frau Wieczorek-Zeul beziehen würde. So weit ich aber informiert bin, wurde das Interview mit Knobloch vor der Aussage von Wieczorek-Zeul geführt.

Wie sieht den die Streubombenattacke des ZDJ aus:

Ansonsten, was Frau Wieczorek-Zeul anbelangt, nicht ihre Forderung, einen Untersuchungsausschuss gegen die Streubomben einzurichten, ist verwerflich, überhaupt nicht, das ist vollkommen legitim.

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/538364/

Das klingt etwas anders als die Antisemitismuskeule wegen Streubomben, Herr Hoffmann ? Es wäre allerdings so vermessen zu erwarten, dass Herr hoffmann das richig stellt, wie es vermessen von mir zu erwarten, das Daniel seine falschen vorwürfe mir gegenüber richtig stellt, dann würde das Keulenspielchen ja nicht mehr funktionieren.

Wir haben es als nicht mit der Antisemitismuskeule zu tun, sondern mit einer Anti-ZdJ Keule, dem man etwas unterschiebt, was er weder sagt noch schreibt und sich darüber ereifert.

Warum das bei Juden besser funktioniert als bei anderen, haben Adorno/Horkheimer und Postone recht gut herausgearbeitet.
Karl (anonym) - 3. Sep, 00:48

Der Begriff "Islamofaschismus" ist zwar nicht unbedingt historisch korrekt, aber ich denke er ist auch mehr als Weckaufruf gedacht. Unsere Gesellschaft hängt doch geistig immer noch zwischen 2. Weltkrieg und Kaltem Krieg fest und hat sich noch nicht wirklich auf die neue Weltlage eingestellt. Zudem kennen die meisten Menschen doch nichtmal den Unterschied zwischen Islam und Islamismus, so dass es kaum Wirkung hätte, würde er einfach von der Gefahr des Islamismus sprechen. Bei "Faschismus" dagegen sind alle gleich wach. Ich denke aber nicht, dass sich der Begriff dauerhaft durchsetzen wird.

Und wenn ich solche Meldungen lese, dann fallen schon Paralellen zum Faschismus auf, Kritiker bedrohen, einschüchtern, mundtot machen, das hatten wir doch alles schon einmal:
http://www.tagesspiegel.de/berlin/archiv/03.09.2006/2753333.asp

bigberta - 3. Sep, 18:07

Was Seyran Ates passiert,

ist durch nichts zu entschuldigen und dazu gibt es keine zwei Meinungen. Nur ist es so, daß Seyran Ates nirgendwo "den Islam" kritisiert, sondern maximal die Verhältnisse in der türkischen Community, wie sie sie erfahren hat. Und leider ist es so, daß sie meisten Leute sich um den Unterschied zwischen Islam und Islamismus keine Gedanken machen, weil sie überzeut sind, daß es den nicht gibt. Und bezug auf "Faschismus" bin ich da leider nicht so optimistisch. Für mich muß sich da nichts mehr "durchsetzen". Die Gleichung "steht", für manche jedenfalls. Leider.
bigberta - 3. Sep, 13:53

@ Keulen 2

Antwort auf Deine erste Antwort ist in Arbeit...

Carlawenigeristmehr - 3. Sep, 18:31

Link zu Postone

http://www.anis-online.de/1/essays/14/2-5.htm

ganz unten.

Vielen dank für diese ausführliche Antwort, allerdings benötige ich einige Zeit, bis ich die angeführten Quellen gelesen habe. Eine Anmerkung zu Seyran Ates von Sabine Schiffer:

Ihre Beobachtungen sind auch sicherlich relevant, um gesellschaftliche Missstände anzuprangern, nur sollte dies im angemessenen Zusammenhang erfolgen.



Sabine Schiffer: Musliminnen in Deutschland. Von Kronzeugen und Halbwahrheiten

Was wäre jetzt eine angemessenen Reaktion im Sinne von Frau Schiffer ? Eine kalschnikowschwingende Privatmiliz oder Klärung durch Familienangehörige?

Anscheinend ist der Staat nicht gewillt oder in der Lage Frau Ates die Berufsausübung zu sichern und eine Frau Schiffer schon dreimal nicht, die ihr Geld mit dem Mobben von Kelek und Ates verdient. Schiffer kann sich ja an der von Sybile Klotz angeregten Unterstützungskampagne beteiligen.

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