Die Berichterstattung über Saddam Hussein
update 1. Januar:
Da habe ich bei Gregor Keuschnig einen Beitrag gefunden, der in die gleiche Richtung argumentiert. ein Auszug:
Saddam Hussein ist heute hingerichtet worden. Man kann auch sagen, er sei ermordet worden. Menschenrechtsorganisationen versuchten, die Vollstreckung des Todesurteils zu verhindern. Die deutsche Bundesregierung betont, man sei gegen die Todesstrafe. Der Vatikan entblödet sich nicht, dieses Ereignis "tragisch" zu nennen (vermutlich ist man dort des Begriffs der Tragik verlustig gegangen) und ein EU-Mensch nannte es bestialisch (vermutlich vom warmen Kamin aus). Diejenigen, die sich vor 20 oder noch mehr Jahren nicht scheuten, mit dem Diktator vor den Kameras zu posieren, zeigen sich zufrieden. Welch' ein Gefasel. Welche Heuchelei.
Dabei hat Saddam Hussein eigentlich nur einen grossen Fehler begangen und zeigt ein Lehrstück für alle Diktatoren dieser Welt: Sie dürfen in ihrer Bevölkerung ruhig Massaker anrichten; Menschen in Dörfern vergasen; autokratische Systeme errichten; korrupt sein (man verdient ja daran auch so schön) – sie dürfen nur eines nicht: Sich mit der USA (und dem Westen) anlegen! Sie dürfen nicht den Weltmachtanspruch infrage stellen und sich gegen ihn stellen. Als der Irak noch als Bollwerk gegen die iranische Revolution galt, war Saddam unser "Freund" – als er Kuwait angriff (die Umstände, warum er das tat sind immer noch ungeklärt) und nicht weichen wollte, mutierte er zum Satan. Realpolitiker erkannten dennoch, dass er ein fragiles Gebilde genannt Irak zusammenhielt. Irgendwann setzten sich die "Visionäre" an den Tisch – und begannen, an ihren Epitaphe zu denken.
In Wahrheit musste man Saddam dankbar sein: Im Rahmen der sogenannten asymmetrischen Kriege (wieder so ein hohles Wort) war er ein bequemer Feind. Er war geografisch festzumachen; das konventionell-militärische Prozedere verfing (zweifellos übersah man, dass ein militärischer Sieg ungleich leichter als ein politischer Sieg ist). George Bush konnte sich endlich von seinem Vater emanzipieren und zeigen, was für ein toller Führer er doch ist.
Für den ganzen, wie immer hervorragenden Artikel hier lang.
Und hier ist ein weiterer lesenswerter Beitrag zum Thema.
Auszug:
Die Hinrichtung Saddams hat den üblen Geschmack politischen Zweckhandelns.
Bush war zum Dauerkrieg gegen den Terror ausgezogen. Von seinem größten Feind, dem erklärten Urvater allen Terrors, Osama bin Laden, ist überhaupt keine Rede mehr. Saddam, den selbst Bush nie mit den Anschlägen vom 11.9. 2001 in Verbindung brachte, wurde mit Krieg überzogen und nun umgebracht. Das Regime Maliki, das ein Land täglicher Massaker repräsentiert, rächt ein von Saddam zu verantwortendes Massaker. Das ist die Logik einer Blutmühle.
Die Müller meinten, es bringe etwas, einen weiteren Menschen, Saddam, ehemals Prominenten, da hinein zu stopfen.
Und uns allzu friedlichen Zeitgenossen zeigt die Medienmeute, wenn sie nun schon den Blutgeruch nicht direkt übertragen kann, wenigstens den Henkerstrick in Großaufnahme.
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Vorsicht, sehr "graphic"!!!
Auch, wenn Saddam jetzt schon tot und begraben ist, lohnt es sich doch, sich über die ganze Geschichte Gedanken zu machen. Am Abend des 29. Dezember habe ich zufällig mitbekommen, daß die Hinrichtung unmittelbar bevorsteht. Daraufhin habe ich CNN eingeschaltet und bis morgens 6 Uhr - hiesige Ortszeit - vor der Glotze gehangen. Zu faszinierend war das, was da an Heuchlei über den Sender lief.

Um es gleich vorweg klarzustellen: Saddam war ein Verbrecher, der sein Land und Millionen Menschen auf barbarische Weise zugrundegerichtet hat. Doch er wurde lange nach der einst auf den Schah von Persien gemünzten Devise behandelt: "...sicher ist er ein Hundesohn. Aber er ist unser Hundesohn..." Zur Erinnerung:
Hier hat jemand die Zusammenstellung der "Gesellschaft für bedrohte Völker" gepostet.
Hier ist nochmal eine Seite aus einem Buch von Bruno Schirra:
und hier ist ein Artikel von Telepolis über das gelinde gesagt heuchlerische Verhältnis der USA zum Komplex Massenvernichtungswaffen. Dazu passt, dass man zunächst die beiden profilertesten Wissenschaftlerinnen des Irak - immerhin in Großbritannien und den USA ausgebildet, nämlich

Huda Salih Mahdi Ammash, in den USA ausgebildet,

und Rihab Rashida Taha, in Großbritannien ausgebildet., einst verteufelt als Dr. Germ, Chemical Sally, Mrs. Anthrax, oder schlicht als "the World's deadliest Women" nebst 8 Kollegen noch nicht mal mehr angeklagt werden. Erinnert mich verdammt an diesen Herrn,

Shiro Ishii,, den Chef der berüchtigten Einheit 731, der mit seinen Mannen ebenfalls straffrei ausging. War eben auch zum Schluß unser Hundesohn und die Damen sind jetzt halt unsere Hundetöchter.
Ich glaube allerdings, daß es nicht nur deutsches "Gas" war, das hier verkauft wurde. Das "Gas", das hier zum Einsatz kam, war das klassische Senfgas, der Nervenkampfstoff Sarin und Blausäure, schon unrühmlich bekannt als "Zyklon B".
Zu Chemischen Waffen allgemein hier lang.
Ich weiß garnicht mal, wo das Zeug in den Mengen herkam. Ich erinnere mich daran, daß die deutschen Bestände nach dem ersten Weltkrieg von den Franzosen und Spaniern aufgekauft wurden, um sie im Kampf gegen Abd el-Krim einzusetzen. Ob im Iran-Irak-Krieg die Überbestände des 2. Weltkrieges entsorgt wurden?

Aber ich will mich nicht verplaudern. Das Verfahren gegen Saddam lässt an Nürnberg denken. Damals wurden die Größen des Dritten Reiches angeklagt und für ihre Verbrechen zur Rechenschaft gezogen wurden, wurde erst alles aufgearbeitet. Na, gut, auch nicht alles: was die Sowjets hätte inkommodieren können, fiel auch dort unter den Tisch. Ja, und jetzt werde ich das Gefühl nicht los, daß man ein für seine derzeitigen Unterstützer unverfängliches Verfahren als erstes genommen hat: Das Massaker von Dujail. Hier ist das, was Human Rights Wach dazu veröffentlicht.
Wohl gemerkt: es geht nicht um Meschenrechte für einen Massenmörder, weswegen diese Fragestellung hirnrissig ist, sondern es geht darum, daß die wichtigsten Verbrechen jetzt unaufgeklärt und ungesühnt bleiben: wie sich 1945 bei den Entnazifizierungsverfahren alle auf Hitler beriefen und den Befehlsnotstand, so wird jetzt alles auf Saddam geschoben werden: ""Wir hatten ja solche Angst...". Saddam kann ja nicht mehr antworten. Man ist zumindest geneigt, das für praktisch zu halten.
Der Comedian Matthias Deutschmann hat sich am 30. abends schon so seine satirischen Gedanken gemacht: "Geht man so mit einem ehemaligen Mitarbeiter um?"
Was war das doch schon entlarvend, als der Reichsverweser Bremer verkündete "Wie gaddäm". Anwort: "Wäääh...". Das ist auch das Einzige, was bislang dabei rumgekommen ist.
Da hatte der Moderator von CNN doch tatsächlich den Nerv, seinen Gast, den stellvertretenden irakischen UN-Botschafter zu fragen, wieso Saddam so lange hat an der Macht bleiben können. Unfassbar!
Erinnert sich denn niemand mehr daran, daß nach dem Golfkrieg 1990 der damalige Oberbefehlshaber, Stormin' Norman Schwartzkopf , hinschmiss, weil er nicht verstand, daß man Saddam auf seinem Posten ließ? Erinnert sich denn niemand mehr daran, wie der Aufstand, der von den Shi'iten und Kurden angefangen wurde, und schon 14 von 16 Provinzen erfasst hatte, von den Amerikanern verraten wurde?
Nochmal: um Saddam ist es, wie um die ganzen "Mitarbeiter", wie Pinochet, die Taliban etc. bestimmt nicht schade, aber mit dieser Hinrichtung hat man die Aufarbeitung des Geschehenen verhindert.
Jetzt wird er zum Märtyrer und Helden - war es das, was gewollt war?
Da habe ich bei Gregor Keuschnig einen Beitrag gefunden, der in die gleiche Richtung argumentiert. ein Auszug:
Saddam Hussein ist heute hingerichtet worden. Man kann auch sagen, er sei ermordet worden. Menschenrechtsorganisationen versuchten, die Vollstreckung des Todesurteils zu verhindern. Die deutsche Bundesregierung betont, man sei gegen die Todesstrafe. Der Vatikan entblödet sich nicht, dieses Ereignis "tragisch" zu nennen (vermutlich ist man dort des Begriffs der Tragik verlustig gegangen) und ein EU-Mensch nannte es bestialisch (vermutlich vom warmen Kamin aus). Diejenigen, die sich vor 20 oder noch mehr Jahren nicht scheuten, mit dem Diktator vor den Kameras zu posieren, zeigen sich zufrieden. Welch' ein Gefasel. Welche Heuchelei.
Dabei hat Saddam Hussein eigentlich nur einen grossen Fehler begangen und zeigt ein Lehrstück für alle Diktatoren dieser Welt: Sie dürfen in ihrer Bevölkerung ruhig Massaker anrichten; Menschen in Dörfern vergasen; autokratische Systeme errichten; korrupt sein (man verdient ja daran auch so schön) – sie dürfen nur eines nicht: Sich mit der USA (und dem Westen) anlegen! Sie dürfen nicht den Weltmachtanspruch infrage stellen und sich gegen ihn stellen. Als der Irak noch als Bollwerk gegen die iranische Revolution galt, war Saddam unser "Freund" – als er Kuwait angriff (die Umstände, warum er das tat sind immer noch ungeklärt) und nicht weichen wollte, mutierte er zum Satan. Realpolitiker erkannten dennoch, dass er ein fragiles Gebilde genannt Irak zusammenhielt. Irgendwann setzten sich die "Visionäre" an den Tisch – und begannen, an ihren Epitaphe zu denken.
In Wahrheit musste man Saddam dankbar sein: Im Rahmen der sogenannten asymmetrischen Kriege (wieder so ein hohles Wort) war er ein bequemer Feind. Er war geografisch festzumachen; das konventionell-militärische Prozedere verfing (zweifellos übersah man, dass ein militärischer Sieg ungleich leichter als ein politischer Sieg ist). George Bush konnte sich endlich von seinem Vater emanzipieren und zeigen, was für ein toller Führer er doch ist.
Für den ganzen, wie immer hervorragenden Artikel hier lang.
Und hier ist ein weiterer lesenswerter Beitrag zum Thema.
Auszug:
Die Hinrichtung Saddams hat den üblen Geschmack politischen Zweckhandelns.
Bush war zum Dauerkrieg gegen den Terror ausgezogen. Von seinem größten Feind, dem erklärten Urvater allen Terrors, Osama bin Laden, ist überhaupt keine Rede mehr. Saddam, den selbst Bush nie mit den Anschlägen vom 11.9. 2001 in Verbindung brachte, wurde mit Krieg überzogen und nun umgebracht. Das Regime Maliki, das ein Land täglicher Massaker repräsentiert, rächt ein von Saddam zu verantwortendes Massaker. Das ist die Logik einer Blutmühle.
Die Müller meinten, es bringe etwas, einen weiteren Menschen, Saddam, ehemals Prominenten, da hinein zu stopfen.
Und uns allzu friedlichen Zeitgenossen zeigt die Medienmeute, wenn sie nun schon den Blutgeruch nicht direkt übertragen kann, wenigstens den Henkerstrick in Großaufnahme.
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Auch, wenn Saddam jetzt schon tot und begraben ist, lohnt es sich doch, sich über die ganze Geschichte Gedanken zu machen. Am Abend des 29. Dezember habe ich zufällig mitbekommen, daß die Hinrichtung unmittelbar bevorsteht. Daraufhin habe ich CNN eingeschaltet und bis morgens 6 Uhr - hiesige Ortszeit - vor der Glotze gehangen. Zu faszinierend war das, was da an Heuchlei über den Sender lief.

Um es gleich vorweg klarzustellen: Saddam war ein Verbrecher, der sein Land und Millionen Menschen auf barbarische Weise zugrundegerichtet hat. Doch er wurde lange nach der einst auf den Schah von Persien gemünzten Devise behandelt: "...sicher ist er ein Hundesohn. Aber er ist unser Hundesohn..." Zur Erinnerung:
Hier hat jemand die Zusammenstellung der "Gesellschaft für bedrohte Völker" gepostet.
Hier ist nochmal eine Seite aus einem Buch von Bruno Schirra:
und hier ist ein Artikel von Telepolis über das gelinde gesagt heuchlerische Verhältnis der USA zum Komplex Massenvernichtungswaffen. Dazu passt, dass man zunächst die beiden profilertesten Wissenschaftlerinnen des Irak - immerhin in Großbritannien und den USA ausgebildet, nämlich

Huda Salih Mahdi Ammash, in den USA ausgebildet,

und Rihab Rashida Taha, in Großbritannien ausgebildet., einst verteufelt als Dr. Germ, Chemical Sally, Mrs. Anthrax, oder schlicht als "the World's deadliest Women" nebst 8 Kollegen noch nicht mal mehr angeklagt werden. Erinnert mich verdammt an diesen Herrn,

Shiro Ishii,, den Chef der berüchtigten Einheit 731, der mit seinen Mannen ebenfalls straffrei ausging. War eben auch zum Schluß unser Hundesohn und die Damen sind jetzt halt unsere Hundetöchter.
Ich glaube allerdings, daß es nicht nur deutsches "Gas" war, das hier verkauft wurde. Das "Gas", das hier zum Einsatz kam, war das klassische Senfgas, der Nervenkampfstoff Sarin und Blausäure, schon unrühmlich bekannt als "Zyklon B".
Zu Chemischen Waffen allgemein hier lang.
Ich weiß garnicht mal, wo das Zeug in den Mengen herkam. Ich erinnere mich daran, daß die deutschen Bestände nach dem ersten Weltkrieg von den Franzosen und Spaniern aufgekauft wurden, um sie im Kampf gegen Abd el-Krim einzusetzen. Ob im Iran-Irak-Krieg die Überbestände des 2. Weltkrieges entsorgt wurden?

Aber ich will mich nicht verplaudern. Das Verfahren gegen Saddam lässt an Nürnberg denken. Damals wurden die Größen des Dritten Reiches angeklagt und für ihre Verbrechen zur Rechenschaft gezogen wurden, wurde erst alles aufgearbeitet. Na, gut, auch nicht alles: was die Sowjets hätte inkommodieren können, fiel auch dort unter den Tisch. Ja, und jetzt werde ich das Gefühl nicht los, daß man ein für seine derzeitigen Unterstützer unverfängliches Verfahren als erstes genommen hat: Das Massaker von Dujail. Hier ist das, was Human Rights Wach dazu veröffentlicht.
Wohl gemerkt: es geht nicht um Meschenrechte für einen Massenmörder, weswegen diese Fragestellung hirnrissig ist, sondern es geht darum, daß die wichtigsten Verbrechen jetzt unaufgeklärt und ungesühnt bleiben: wie sich 1945 bei den Entnazifizierungsverfahren alle auf Hitler beriefen und den Befehlsnotstand, so wird jetzt alles auf Saddam geschoben werden: ""Wir hatten ja solche Angst...". Saddam kann ja nicht mehr antworten. Man ist zumindest geneigt, das für praktisch zu halten.
Der Comedian Matthias Deutschmann hat sich am 30. abends schon so seine satirischen Gedanken gemacht: "Geht man so mit einem ehemaligen Mitarbeiter um?"
Was war das doch schon entlarvend, als der Reichsverweser Bremer verkündete "Wie gaddäm". Anwort: "Wäääh...". Das ist auch das Einzige, was bislang dabei rumgekommen ist.
Da hatte der Moderator von CNN doch tatsächlich den Nerv, seinen Gast, den stellvertretenden irakischen UN-Botschafter zu fragen, wieso Saddam so lange hat an der Macht bleiben können. Unfassbar!
Erinnert sich denn niemand mehr daran, daß nach dem Golfkrieg 1990 der damalige Oberbefehlshaber, Stormin' Norman Schwartzkopf , hinschmiss, weil er nicht verstand, daß man Saddam auf seinem Posten ließ? Erinnert sich denn niemand mehr daran, wie der Aufstand, der von den Shi'iten und Kurden angefangen wurde, und schon 14 von 16 Provinzen erfasst hatte, von den Amerikanern verraten wurde?
Nochmal: um Saddam ist es, wie um die ganzen "Mitarbeiter", wie Pinochet, die Taliban etc. bestimmt nicht schade, aber mit dieser Hinrichtung hat man die Aufarbeitung des Geschehenen verhindert.
Jetzt wird er zum Märtyrer und Helden - war es das, was gewollt war?
bigberta - 1. Jan, 22:00



























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