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Auch wenn ich im Moment nicht so häufig online...
bigberta - 8. Feb, 18:00
Alles klar...
vielen Dank. Dann muss ich wohl mit einem zweiten Blog,...
help - 16. Nov, 04:59
Applaus!!!
Das hätte ich jetzt nicht besser sagen können!...
bigberta - 4. Aug, 18:51
Ich denke, es handelt...
den Medienhype. Von diesem Ausschnitt kann man sicherlich...
bigberta - 4. Aug, 18:17
Du hast unbedingt recht,
und das ist mittlerweile ein Dauerthema...
bigberta - 31. Jul, 22:38

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Mittwoch, 4. April 2007

Free Them Now! Heute sollen die britischen Seeleute freigelassen werden

PH2007040400337
Das ist der Originalartikel von 9:26 Ortszeit aus der
wpLogo_250x42, der mich eben als Newsletter erreichte:
Iranian Leader Says He Will Free Britons
By Howard Schneider
Washington Post Staff Writer
Wednesday, April 4, 2007; 9:26 AM
Iranian President Mahmoud Ahmadinejad today said he had pardoned 15 British sailors seized by the Iranian military two weeks ago and would free them today to be with their families.
In a Tehran press conference Ahmadinejad first decorated members of the Republican Guards who had taken the 15 British personnel captive -- then announced that the British personnel would be released.
"After our meeting they will go to the airport and be with their families," the Iranian president said, according to a translation of the press conference aired on CNN
(Auf der Seite ist auch der link zum Video der Pressekonferenz).
und hier ist der link zur Tagesschau

The release comes in the midst of intense diplomatic contacts. In addition, in recent days Iraqi authorities released an Iranian diplomat held in Iraq. The Islamic Republic News Agency also reported that Iranian personnel would be allowed to meet with five Iranian men taken by U.S. forces late last year in the northern Iraqi city of Irbil.

Kurz zusammengefasst: die britischen Seeleute sind frei und offensichtlich wurde dafür ein im Irak festgenommener Iraner freigelassen, sowie die Möglichkeit zu konsularischem Kontakt vereinbart für fünf Iraner, die Ende letzten Jahres von den US-Streitkräften im Irak festgenommen worden waren.

Für mich ist das eine Bestätigung, dass es die leisen Töne bringen. Ausserdem: wie war das noch mit "Genfer Konvention"? Wenn schon, denn schon...
************************************************************************************

Dass 15 Marinesoldaten von den Iranern aufgegriffen wurden - um es mal neutral zu formulieren - dürfte sich herumgesprochen haben. Die blogosphäre hat bereits wieder Banner gebastelt, es gibt eine Solidaritätskampagne und die üblichen Verdächtigen zündeln wieder. PI geisselt mutig die "klare Verletzung der Genfer Konvention": die britische Soldatin und ihr Kamerad hätten tatsächlich nicht im Fernsehen gezeigt, zu Stellungnahmen genötigt und ihre Namen öffentlich gemacht werden dürfen. Und man darf auch keine Uniformen verfremden, wie es mit dem Zwangskopftuch von Faye Turney der Fall war.
Es wurde auch eine mindestens dreiköpfige Schwachmatendemo gesichtet, deren Brüder im Geiste sich im Kommentarbereich von PI tummeln. Hier das von Daniel W. aus W., der wieder auf dem Schoß von Herrn H. aus B. sitzt gefundene Foto:
tehran_kill_hostage
Es darf daran erinnert werden, daß beim Karikaturenstreit laut ZDF-Korrespondent Ulrich Tilgner ja auch eine recht übersichtliche Beklopptentruppe durch geschicktes Fotografieren und Filmen doch recht eindrucksvoll zur Massendemo aufgeblasen hatten.

iran-next

Der Kommentarbereich:
Wir denken an Sex:
Das fehlte noch, dass die Soldatin ihre Bewacher mit unbedecktem Haar so reizt, dass die sich zum sofortigen erzwungenen Sex genötigt sehen. Das würde die Krise nur verschärfen und üble Militäraditionen begründen. Man stelle sich nur mal vor, nach jeder Schlacht müssten die Sieger die gefangenen Soldaten vergewaltigen! Wer ginge denn dann noch zur Armee? Und das nur, weil eine britische Marineangehörige kein Kopftuch trug. Ne, so ist schon besser. Sehr nobel, von den Mullahs.
hier auch noch mal:
Man stelle sich nur mal vor, nach jeder Schlacht müssten die Sieger die gefangenen Soldaten vergewaltigen!
Oh, dann würde ich gerne gegen Schweden Krieg führen und gewinnen. (ja, kleiner unpassender Scherz)

Die Militärexperten (Wir an der Ost- bzw. Südfront, oder wie schon Rommel sagte...)
Wir haben weder die nötigen Flugzeugträger, noch die nötigen Truppentransporter, von Panzern, Artillerie und Infanerie ganz zu schweigen. Wenn nichts dahinter steht, dann sollte man das Maul auch nicht aufreissen, da macht man sich nur lächerlich. Die Einzigen Kampftruppen innerhalb der NATO haben die Briten und die Franzosen. Der Rest darf mit aufgemöbelten Stuntcars durch Afghanistan flitzen oder auf Albaner aufpassen.
Merke: Gestern wusste ich nicht, wie man Infan-t-erie schreibt, heute habe ich mich Zinsoldahten gekaufft.
Was das militärische angeht haste da leider recht.
Aber die Europäer sollten ihre Soft-Power einsetzen: Jeglicher Warenverkehr von der EU in den Iran stoppen, und damit mein ich KEINE Waren mehr, sein es Äpfel, Bleistifte, Autos! Einfach gar nix mehr!
Die Militärsanktionen treffen doch nur son paar revolutionäre Garden. Aber wenn plötzlich das ganze Volk nix mehr in den Supermarktregalen stehen hat und am Ende noch Essensmarken ausgeteilt werden müssen, dann könnte es wieder zu einer Revolution wie 1979 kommen. Davor haben die Mullahs verdammt viel angst-das das Iranische Volk sich gegen sie erhebt und sie an Strassenlaternen aufknüpft! So wie Mussolini oder Ceaucescau.

und hier hält man mittels Meinungsforschung die Fahne hoch und die Reihen fest geschlossen:
Poll
Ja ja, Populus Mobilis - das rührige Volk.

Hier von "den Brüdern im Geiste": Die Abteilung Religious Bullshit.
wiran19

Nachdem ich sonst ja immer die Amerikaner, Niederländer oder Franzosen sichte, habe ich hier mal was Russisches. ich weiss ja nicht, ob bekannt ist, dass Russland seine Techniker aus der Atomanlage Buschehr abzieht. Eine mögliche Begründung dafür wären ausbleibende Zahlungen, was der Iran allerdings bestreitet.
Mittlerweile machen sich die Russen, die ja aktuell im Sicherheitsrat noch de-eskalierend gewirkt haben, auch so ihre Gedanken:
  • Eine Quelle zitiert "close to the General Staffund prophezeiht einen Angriff am Karfreitag, den 6. April um 4 Uhr morgens und führt das noch weiter aus,
  • hier kommt das Ganze noch mal auf Deutsch, immerhin von Novosti,
  • hier kommen Spekulationen über eine superschwere Superbombe,was ich persönlich mir nicht vorstellen kann, da die bisherige Entwicklung bisher ja hin zu
  • Mini Nukes und Bunker Bustern verlief, worüber ich hier und hier schon einiges geschrieben habe.
  • hier kann man bei Malte Olschewski nachlesen,dass beide Seiten - ich sagte: beideSeiten an der Eskalationsschraube drehen.
  • und das schreibt Lysis.
  • ein intelligentes statement aus dem dortigen Kommentarbereich: Der Iran will mit gleichen Mitteln Präsenz und Souveränität geltend machen, wie Israel es selbst seit Jahrzehnten tut. Sie bedient sich israelischer Argumentationsmuster, unter den gegebenen Umständen habe man keine andere Wahl, um das Existenzrecht des eigenen Staates auf Dauer verteidigen zu können. Wenn der Iran seine nationale Sicherheit in gleicher Weise zu “sichern” gedenkt wie Israel, wenn der Iran in gleicher Weise Souveränität beansprucht wie Israel, ist dagegen notfalls jedes Mittel recht sagen USA und die EU.
    Und darin erschöpft sich das ganze auch.
Wenn man das alles liest, scheint es ja geradlinig auf eine weitere Eskalation rauszulaufen, und der Sicherheitsrat ist äusserst vorsichtig, was unsere Armchair-Strategen in ihren KinderStudierzimmern natürlich in keinster Weise nachvollziehen können. Wenn die Soldaten im UN-Auftrag unterwegs waren, unterstanden sie auch nicht mehr Großbritannien, sondern den Vereinten Nationen. Und dann ist auch das Lob von jemandem, der die EU so garnicht mag, eher für die eigene Wellness - oder war es garkeines.
Dann scheint mir dieser Vorschlag Russlands zur Zeit der vernünftigste. Und Banner, die ich im Falle der sächsischen Ingenieure und Susanne Osthoffs noch unterstützt habe, kontraproduktiv.

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Irans Gegenschlagskapazität von Malte Olschewski erörtert die Möglichkeit des Iran zu Gegenschlägen. Diesem Kommentar dazu:
kambiz - 22. Feb, 15:20
Guter Artikel.
Sehr gut recherchiert. Ich schliesse mich denen an, die auch keinen Krieg befürworten. Als einen Anhänger der Demokratie ist Frieden für mich unerlässlich. Wenn auch angesicht der politischen Situation im Iran selbst einige Iraner womöglich eine Invasion der USA befürworten.
Zu den Möglichkeiten, die in dem Artikel angegeben sind, befürchte ich, dass Vergeltungsmassnahmen sich nicht nur auf dem Gebiet im Orient beschränken werden. Wirtschaftlich werden wir sicherlich auch in Europe es zu spüren bekommen, da dieser Konflikt, sollte es militärisch ausgetragen werden, sicherlich eine Weile andauern wird.
Lang lebe Frieden.
ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Da der brilliante Steppenhund es nicht mag, wenn ich "Lesebefehl" sage, sage ich also: zur Lektüre dringend empfohlen!
************************************************************************************************

Das Gleiche gilt für diesen Artikel.
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Iran meldet Abschuss von Rakete ins All
Diese Nachricht gehört zwar nur "um die Ecke" zum Thema, ist aber für den Zusammenhang zumindest nicht uninteressant:
logo_bottom
Auf das logo klicken
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atomaretatsachen_410
die Urananreicherung zu unterlassen, ist abgelaufen.Hier ist der Text der Resolution 1737, und hier der Wikipedia-Eintrag mit weiteren Dokumenten.
Die New York Times heizt die Stimmung weiter an.
Die angesprochenen Sanktionen nach der UN-Charta, Kapitel 7, Artikel 41 schließen militärische Maßnahmen übrigens aus:
Artikel 41
Der Sicherheitsrat kann beschließen, welche Maßnahmen - unter Ausschluß von Waffengewalt - zu ergreifen sind, um seinen Beschlüssen Wirksamkeit zu verleihen; er kann die Mitglieder der Vereinten Nationen auffordern, diese Maßnahmen durchzuführen. Sie können die vollständige oder teilweise Unterbrechung der Wirtschaftsbeziehungen, des Eisenbahn-, See- und Luftverkehrs, der Post-, Telegraphen- und Funkverbindungen sowie sonstiger Verkehrsmöglichkeiten und den Abbruch der diplomatischen Beziehungen einschließen.

Allerdings stellt sich für mich immer die Frage, inwieweit die Unterstützung für die Vereinten Nationen diejenigen überwiegt, deren Anliegen es ist, sie, genau wie die IAEA, niederzumachen:
Coffee_Annan_sm1
Es ging ja zunächst noch ganz freundlich weiter, doch mittlerweile dreht sich die Eskalationsspirale:
Hier ein Artikel aus dem Tagesspiegel von heute, und das steht in der konservativen niederländischen Zeitung "Trouw":

Briten fürchten, dass die USA den Iran angreifen
Die Spannung um das iranische Atomprogramm steigt. UN-Diplomaten veranstalten ein Tauziehen wegen der Sanktionen, doch Britische Regierungsbeamte fürchten, dass die USA die Zeit reif finden , Gewalt auszuüben.
Die britische Zeitung The Times meldete gestern, daß hohe Regierungsbeamte eine US-Militäroperation gegen den Iran fürchten. Mitarbeiter von Regierungschef Tony Blair denken, daß Präsident Bush „das Iran-Problem“ vor der Präsidentenwahl im November 2008 lösen will. Die Internationale Atomenergie-Behörde meldete Donnerstag, daß – trotz einer früheren Resolution – der Iran mit der Urananreicherung weitermacht.
Washington ist in dieser Frage gespalten. Aussenministerin Condoleezza Rice und Verteidigungsminister Robert Gates sehen in einem militärischen Eingreifen gegen den Iran keinen Sinn, doch Vizepräsident Dick Cheney möchte diese Option offenhalten.
Premierminister Tony Blair, engster Verbündeter der Regierung Bush, plädierte Donnerstag öffentlich gegen eine Militär-Operation gegen Iran. Er finde, dieser Konflikt müsse auf diplomatischem Weg gelöst werden.
Am 23. Dezember hatten die UN Iran sechzig Tage Zeit gegeben, die Urananreicherung zu beenden, genauso wie die Schwerwasserprojekte. Beide Methoden ermöglichen die Gewinnung von spaltbarem Material zur Kernwaffenproduktion.
Die Resolution 1737 sah auch Wirtschaftssanktionen vor und drohte mit noch mehr Santionen, sollte der Iran sich nicht fügen. Doch über diese muß verhandelt werden. Im Sicherheitsrat sitzen auch Russland und China.

Dazu hier ein Statement des Chefs der IAEA, Mohammed ElBaradei:
Droht Eskalation durch Sanktionen?
Der Iran sei aber weit entfernt von der Kapazität, Bomben zu bauen, sagte ElBaradei. Er warnte davor, im Atomstreit allein auf Sanktionen zu setzen. "Meine größte Sorge sind nicht Sanktionen an sich, sondern allein Sanktionen." Erfahrung hätten gezeigt, dass das nur zu einer Eskalation führe.
Quelle.

Und das steht in einer interessanten Kompilation bei Telepolis:
"Iran will seinen Einfluss im Nachbarland Irak ausbauen", "Iran steht kurz vor der Urananreicherung im großen Stil": Derartige Meldungen wechseln sich im täglichen Rhythmus ab, einmal geht es um gefährliche, geheime Aktivitäten im Nachbarland und dann wieder um geheime und gefährliche Aktivitäten in der nuklearen Zone. Die gefühlte Bedrohung durch Iran wird ständig genährt, weniger mit handfesten Informationen, immer mehr durch Verzerrungen und Übertreibungen.
Der ehemalige deutsche Außenminister Joschka Fischer ist ganz sicher nicht der Einzige, dem diese "Signale bekannt vorkommen aus der Anlaufphase zum Irakkrieg". Sollte dies alles nur dem "Druckaufbau für Verhandlungen" dienen, so Fischer, würde ihm das keine Sorgen bereiten, "sollte es aber auf die Wiederholung der Regime-Change-Politik im Iran hinauslaufen, werden wir, glaube ich, in einer anderen Welt aufwachen".
Interessant ist diese Bemerkung, die Fischer kürzlich in einem Interview machte, auch deshalb, weil sie von einem Mann stammen, der bislang kein Hehl daraus gemacht hat, dass er dem Nuklearprogramm Irans in Zusammenhang mit den hetzerischen Reden des iranischen Präsidenten größeres Bedrohungspotential attestiert.
Auffallend ist schon, wie zur Zeit in westlichen Medien mit dem Thema Iran umgegangen wird.

Zum Weiterlesen hier lang.

Zu den "Signalen, die einem bekannt vorkommen, passt diese Nachricht aus der heutigen
vklogo2
auf das Bild klicken

Israel möchte Überflugrechte über den Irak für einen Angriff auf den Iran
Israel verhandelt mit den Vereinigten Staaten für den Fall, dass es einen Präventivangriff auf iranische Nuklearanlagen unternehmen will, über die Erlaubnis, den Irak zu überfliegen.
Wie ein hoher Mitarbeiter des israelischen Verteidigungsministeriums mitteilte, sind Gespräche über einen Luftkorridor im Gang, durch den israelische Flugzeuge fliegen dürfen. „Wir bereiten uns auf alles vor, und solche Fragen sind für uns von entscheidender Wichtigkeit,“ so der Beamte, „wenn wir das nicht regeln könnte eine Situation eintreten, in der sich amerikanische und israelische Flugzeuge gegenseitig beschießen.“
Teheran weigert sich vor allem noch, sein umstrittenes Nuklearprogramm zu beenden und sagt, die Urananreicherung würde diene der Gewinnung von Atomstrom. Westliche Großmächte vermuten jedoch eher, dass das Land an der Entwicklung von Kernwaffen arbeitet.

Cheney schließt Angriff auf den Iran nicht aus
.
Der amerikanische Vizepräsident Dick Cheney schloss am Samstag anlässlich eines Besuches in Australien eine Militäraktion gegen den Iran nicht aus. Er sagte zwar, die USA gäben einer diplomatischen Lösung den Vorzug, aber: „Alle Optionen sind offen.“
Die Internationale Atomenegiebehörde, IAEA, meldete Donnerstag, dass Iran mit der Anreicherung von Uran fortgefahren sei und sich nicht in die UN-Resolution gefügt habe, in der die Beendigung der Anreicherung gefordert worden sei. Die fünf stetigen Miglieder des Weltsicherheitsrats und Deutschlands treffen sich deswegen am Montag in London um eine neue Resolution gegen Iran zu besprechen.

So am Rande:
Israel verhandelt mit den Vereinigten Staaten ...über die Erlaubnis, den Irak zu überfliegen
Den Satz muss man sich auf der Zunge zergehen lassen! Sagte hier nicht mal jemand, der Irak sei ein souveräner Staat? Ja, anscheinend hat sich das bis zu den Israelis noch nicht rumgesprochen.

Hier sind links zu entsprechenden Focus-Artikeln: Wie erstaunlich anders ist doch da der aktuelle Umgang mit Nordkorea. Dazu schreibt heute
NRC_Handelsbladauf das Bild klicken:
Gespräch über Atomprogramm – Chef der IAEA in Nordkorea willkommen

Wien, 24.Februar: Der Direktor der Internationalen Atomernergiebehörde (IAEA) wurde durch die Nordkoreanische Regierung zu Gesprächen nach Pyöngyang eingeladen. Auf der Agenda steht die Stillegung des nordkoreanischen Atomprgramms sowie die Wiederaufnahme der IAEA-Inspektionen.
Das sagte IAEA-Direktor Mohammed ElBaradei gestern in einer Pressekonferenz in Wien. Über die schriftliche Einladung, die er gestern bekommen habe, könne er wenig mehr bekannt machen. Seine Mitarbeiter sagten, dass der Besuch sehrwahrscheinlich in der zweiten Märzwoche stattfinden werde.
Im Dezember hatte das stalinistische Regime von Nordkorea die UN-Inspektoren ausgewiesen. Drei Wochen später kündigte Nord-Korea das Non-Proliferationsabkommen. Seitdem ist für die Aussenwelt vieles unklar, was die nuklearen Forstschritte des abgeschotteten Landes betrifft. Vor vier Monaten führte das Land einen unterirdischen Test durch.
Nach der Wiederaufnahme der sechs-Parteien-Gespräche sagte Nord-Korea Anfang diesen Monats zu, die wichtigen Nuklearanlagen von Yongbyon stillzulegen. Auch will das land eine Liste all jener Nuklearprogramme, Installationen und Vorräte vorlegen, die es zu demontieren gedenkt.
Im Gegenzug bekommt das verarmte Land für 300 Millionen Dollar Wirtschaftshilfe in Form von Öl und Nahrungsmitteln. Gleichzeitig werden Washington und Pyöngyang beginnen, über eine Normalisierung ihrer Beziehungen zu sprechen. 2002 hatte Präsident Bush das Land noch der „Achse des Bösen“ zugeteilt.
Wie ElBaradei sagt, macht der Brief den Eindruck, als sei dem Land daran gelegen, die Beziehung zur IAEA zu verbessern. Weiter sagte er, dass die Aufgabe eines ersten Gespräches natürlich sein werde, einen Plan zur Stillegung der Installation von Yongbyon zu erstellen. Wichtiger sei jedoch, Nordkorea klar zu machen, dass es aufs Neue ein vollwertiges Mitglied der IAEA-Gemeinschaft werden solle.
Ein Sprecher der US-Regierung sagte gestern, dass „dies zeigt, dass wir nun mit der Umsetzung der Übereinkunft beginnen.“ Die USA seien gespannt, was ElBaradei nach seiner Rückkehr berichten werde. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon begrüßte den Besuch gestern als einen „guten Anfang“.

Es scheint so, daß Ausgewogenheit zur Zeit nicht mehr gefragt ist. Hier schreibt die Iraneri Nasrin Alawi über Geschichte und Konsequenzen. Alawi hat im Westen studiert und arbeitet jetzt im Iran für eine iranische NGO. Daß sie beileibe keine Speichelleckerin des Regimes ist, zeigt sich z.B. an ihrem Buch
3462036513-03-_AA240_SCLZZZZZZZ_ Hier ist die Kurzbeschreibung des Buches, das ich rechts im Bücher-sidebar schon einmal recht lange aufgeführt hatte:
Kurzbeschreibung
Nasreen Alavi fängt die unglaublich lebendige Untergrund-Szene der iranischen Blogger ein und schildert ein junges, modernes Land, das kurz davor zu stehen scheint, die Mullah-Herrschaft abzuschütteln – sofern kein militärischer Angriff von außen erfolgt. Wo gibt es auf der Welt eine moderne islamische Gesellschaft, fragen im Westen viele – dabei wissen wir nur nicht, was im Iran unter der Decke des fundamentalistischen Regimes vor sich geht. Der Bildungsstand und die Vertrautheit mit modernen Medien sind im Iran höher als in manchen europäischen Ländern; 70 Prozent der Bevölkerung sind jünger als 30 Jahre. Und das Internet ist zu dem Medium des Protestes gegen die Herrschaft der Mullahs geworden: Es gibt mehr als 75.000 persische Weblogs, Internet-Tagebücher – mehr als in deutscher, italienischer oder spanischer Sprache. Mit den Blogs – der einzigen Möglichkeit, sich frei zu äußern – unterläuft eine junge Subkulturdie Zensur. Nasreen Alavi hat diese lebendige Szene in ihrem Buch eingefangen. Die jungen Web-Autoren sprechen mit viel Witz, Phantasie und Zorn über ihre Konflikte mit dem Gesetz, die Situation der Frauen, diskutieren über Repression und Widerstand, Religion und Medien, über Musik und Partys, erzählen von der Liebe und der Trauer über verschwundene Helden. Frappierend, wie vertraut den Bloggern der westliche, ja, der amerikanische Lebensstil ist. Das Regime reagiert mit Repression: Blogger werden regelmäßig verhaftet, gefoltert und zu hohen Haftstrafen verurteilt. Doch die Netz-Community scheint nicht mehr zu stoppen zu sein. Ein militärischer Angriff durch die USA allerdings würde all dies wieder zerstören, da sind sich die Blogger einig.

Und von Shirin Ebadi, die einigen doch so am Herzen lag, hört man auch nichts mehr...
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Samstag, 31. März 2007

Ruhigere Töne zwischen Iran und London - mit TV-Tipp

Das berichtet n-tv:

Ruhigere Töne in Iran-Krise
London und Teheran entspannt

In der Krise um die Gefangennahme von 15 britischen Soldaten durch iranische Revolutionsgarden haben London und Teheran ruhigere Töne angeschlagen. "Ich denke, jeder bedauert, dass es zu dieser Situation gekommen ist", sagte die britische Außenministerin Margaret Beckett. Zugleich betonte sie den Wunsch Londons nach einer friedlichen Lösung.

Für mehr hier lang.
Guckst Du Video.

Vielleicht wird bei diesem Artikel eines britischen Historikers mal klar, wie sensibel das Thema ist:

ARGWOHN GEGEN ALBION
Antibritische Ressentiments sind in Iran seit langem heimisch

-205340
Die Gefangennahme von fünfzehn Angehörigen der britischen Marine durch iranische Soldaten hat zu ernsteren politisch- diplomatischen Scharmützeln geführt. Die Teheraner Machthaber können sich im eigenen Land auf antibritische Ressentiments und Verschwörungstheorien stützen, die eine eigene Geschichte haben. Glaubt man weiten Teilen der iranischen Öffentlichkeit, so beeinflusst eine dunkle Hand, die im Hintergrund geschickt die Fäden zieht, das Schicksal ihres Gottesstaates. Diese Macht, so argwöhnen viele Iraner, stecke hinter allen Übeln im Land; hinter Bombenanschlägen und separatistischen Bewegungen in den Provinzen ebenso wie hinter dem Sieg der innenpolitischen Kontrahenten und selbst hinter alltäglichen Missständen wie dem Anstieg der Lebensmittelpreise. Imperialismus im 19. Jahrhundertmehr...

und jetzt noch ein TV-Tipp:
Heute um 19:00 auf Arte: Anwältin Shadi Sadr Kämpft gegen Steinigungen.

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Samstag, 3. März 2007

Rageh inside Iran

heisst ein sehr sehenswertes Video, das bei Google mehrfach eingestellt wurde und dort nicht nur - zur Recht - die höchste Wertung sondern auch immens viele hits hat.



Enjoy!


via Chinaski.

Samstag, 9. September 2006

"Wir sollten eine Atombombe auf den Iran werfen"

Ja, mein ehemals erster Liebling, Kewil, findet, daß das eine gute Idee ist:
Iranatom

und der Kommentarbereich ist auch schon außer Rand und Band, marschiert und wirft gleich mit:

Alex (5.9.06 18:45)
Wo liegt das Problem? Wieso nicht diese Waffe einsetzen?
Im Gegensatz zu feigen Selbstmordattentätern, die sich ohne Vorwarnung in die Luft sprengen und Zivilisten als Ziel auserkoren haben, könnte man so vorgehen:
1. Allerletztes politisches Ultimatum setzen, daß der Iran auf Atomwaffen und Urananreicherung verzichtet.
2. Wenn nicht eingelenkt wird: Ultimatum setzen, daß in sieben Tagen die Stadt Theran dem nuklearen Untergang ausgesetzt und vollständig zerstört werden wird.
3. Massive Propaganda mittels TV, Radio, Internet, Flugzetteln etc., in der die Bevölkerung aufgefordert wird die Hauptstadt zu verlassen, und um die Zerstörung abtzuwehren, ihren Führer und die Mullahs, zu entmachten hat.
4. Massive Vorkehrungen gegen terroristische Gegenschläge einleiten.
5. Die Mittel zur Unterstützung eines Aufstands der iranischen Zivilgesellschaft bereitstellen.
6. Politischer Schulterschuß des Westens, Europa und USA, auch gegen Rußland und China.
7. Beten
Wenn diese Maßnahme hilft, ist uns geholfen. Wenn der Konfikt sich ausweitet, so ist es ein vorgezogener Weltkrieg, der uns wenn wir nicht handeln, eher früher als später sowieso bevorsteht. Dann doch lieber den Gegener beim Aufrichten in die Eier treten...

oder:
Tuotrams (5.9.06 20:13)
@Gudrun
"Krieg gegen den Iran" würde sich auf Bombenabwerfen und wenige Kommandoeinsätze beschränken.
Der Iran droht im Kriegsfall mit internationalem Terror.
Allerdings gibt es im Iran sehr viele Ziele, wenn nötig kann man hier monatelang, in verschiedenen Eskalationsstufen, Infrastruktur für hunderte Milliarden $ zerstören. (Diese Strategie war schon gegen Serbien sehr erfolgreich).
Auch die Mullahs wollen sicher nicht das Iran im Zeitraffer zum rückständigsten Land in der Region gebombt wird.
@Frankfurter
Man kennt sowas aus vielen Schwellenländern, berechtigter Stolz auf das erreichte verwandelt sich in Grössenwahn. Man darf nicht den Fehler machen sich von den Sprüchen einschüchtern zu lassen. Oft reicht ein einziger Treffer und alles bricht zusammen!

oder:
Der Beobachter (5.9.06 21:43)
Ein paar Daisys könnten für den Anfang ja auch reichen. Der Iran würde dann einknicken. Wichtig bleibt, daß die Region rund um den Iran destabilisiert wird, ohne daß die Erdölversorgung darunter leidet. Daraus folgend könnten demokratische und prowestliche Kräfte den Bevölkerungen der Region verlockender erscheinen, als ihr Djihad gegen Christen und Juden, oder ihr Djihad gegeneinander. Manche Lektionen lernt man halt nur unter Schmerzen.

oder:
Deswegen ist das Ausloeschen von Millionen Menschen nicht per se schlecht, es kommt darauf an wen und warum.
Wenn es sich um Millionen "wir wollen alle Maertyrer sein" bruellende Islamisten handelt, die an einem Ort sind wo sich sonst fast niemand rumtreibt, ist rechtlich und moralisch nichts gegen eine Atombombe einzuwenden. Es handelt sich naemlich dann um eine grosse Ansammlung von Soldaten mit wenig Zivilisten, also um ein militaerisches Ziel.


Hier übertrifft nur noch die Dummheit die gezeigte Menschenverachtung.

Was raten die denn da?

Daisy Cutter: alles, was man über diese Monsterbombe wissen muß, ist, daß sie im Umkreis von 500m alles Leben auslöscht:

blu-82-1
Was man der site Federation of American Scientists entnehmen kann, ist, daß sie im Vietnamkrieg, bei Desert Storm und in Afghanistan eingesetzt wurde, eine davon meines Wissens auch gegen Tora Bora, um OBL zu fangen. Ich sach' ma': ich lasse die Ergebnisse sprechen. Und was ist mit den so gepriesenen Atomsprengkörpern?

hier die Situation kurz nach einem Angriff:

/>

Wie man sieht, sieht man nix, aber von jetzt auf gleich funktioniert, schon alleine durch die elektromagnetische Strahlung nichts mehr. "The Day After kam 1985 raus, als man endlich zu dem Schluss kam, daß der, der als erster wirft, als zweiter stirbt, und kurz darauf bekann man mit der Abrüstung. Die Sowjets kamen damals übrigens zu einem ähnlichen Schluß, es erschien ein Film mit fast gleicher Aussage zur fast gleichen Zeit auch in der UdSSR.

Um nun jetzt von dem Irrtum runterzukommen, daß es sich bei "taktischen Nukearwaffen, wovon im o.a. blog auch einige schwätzen, um etwas harmloseres handelt, hier mal einige Facts and figures:

schon eine winzige Menge (hier hatte jemand sich was in die Hosentasche gesteckt) führt zu solchen Wirkungen:

Argentinier
(c) IAEA
In diesem Zustand hat das Opfer noch drei Jahre überlebt.

Die Auswirkungen eines Atomsprenkörpers teilen sich in
50% der Wirkung ist Druckwirkung, was dann so aussieht:

/>

35% der Wirkung ist dann Verbrennungswirkung, nahe am Ground Zero meistens 3. oder 4. Grades, was dann so aussieht (auf das Bild klicken führt zu weiteren Bildern:
120px-Verbrennung_3grad01

Wie die Umgebung von Tschernobyl heute noch aussieht, kann man auf dieser hervorragenden site aus der Ukraine studieren (auf das Bild klicken):

imag1-2
(Erinnert sich noch jemand an den Radioaktiven Fallout über ganz Europa?)

Ach ja, ich hatte ja etwas zum Thema "taktische Nuklearwaffen" versprochen - hier erstmal eine vergleichende Betrachtung:

Komponenten

Vor 1985 ging der Trend hin zu immer größeren Bomben; je größer die Bombe, desto kleiner jedoch der relative Anteil der radioaktiven Strahlung. Im bis 5 kt Bereich, also im Bereich der Mini-Nukes. Mini-Nukes oder taktische Atomwaffen dienen nach meinem Verständnis dazu, ein Gebiet leichter und besser verseuchen zu können. Man bildet sich ein, die Schäden besser begrenzen zu können, was ein Trugschluss ist. Ich denke nicht- daß sich im Falle Iran - Russland damit abfinden wird, wenn evtl. Fallout auf russischem Territorium niedergeht.

Zum Vergleich: die Hiroshima-Bombe Little Boy hatte eine Sprengkraft von 13 kt (TNT-Äquivalent).

Hier übrigens zur Abrundung noch eine Liste von Unfällen in kerntechnischen Anlagen.

Wollte ich ja nur mal bemerkt haben...

Freitag, 8. September 2006

Islamische Modenschau in Teheran: ein Versuch, sich zu arrangieren - bloß: wer mit wem?

Ein Ergebnis dieses Journalismus-Kurses ist die Reportage von Noushin Tarighi, offenbar auch eine Kursteilnehmerin, über eine Modenschau islamischer Frauenmode, die ich ebenfalls aus dem Niederländischen übersetzt habe. und die Schluß-Bestandteil dieses Berichts war:
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Eine Reportage von Noushin Tarighi

Zweihundert iranische Parlamentsmitglieder haben für den Antrag gestimmt, die islamische Mode zu fördern. Nach einem Jahr Prüfung und Diskussion hat das islamische Parlament des Iran gestern einstimmig den Antrag zur Förderung islamischer Mode und Bekleidung angenommen. Hintergrund ist die Besorgnis über das Eindringen westlicher Mode in den Iran. Ein paar Tage zuvor hatte die Stadt Teheran in Zusammenarbeit mit der Polizei eine islamische Modenschau organisiert – die erste seit Bestehen der islamischen Republik. Dort waren ausschließlich Frauen zugelassen; mit Ausnahme einiger Regierungsfotografen war kein Mann zu erkennen.

Frau Ghandforoush, die Organisatorin der Modenschau, erklärte, dass von 700 Einsendungen für die Show gerade mal 130 passend waren. „Sie passen zu unseren religiösen Normen und Werten, sind weit genug und sehen auch noch hübsch aus.“
Die Kleidung wurde von Studentinnen gezeigt, die nicht allein über die Standardmaße verfügen mussten. „Es hat nichts gebracht, die Modelle nur danach auszusuchen, denn die meisten Mädchen sahen in einem weiten Tschador nicht gut aus,“ erklärte sie.
Die Zuschauer saßen im Dunklen entlang des beleuchteten Catwalks. Die laute Popmusik wurde mehrfach durch die Mitteilung unterbrochen: “Es ist verboten, zu filmen oder zu fotografieren. Die Mannequins schritten in künstlichem Nebel.

Die eine trug einen schwarzen Tschador mit einer noch schwärzeren Maske, wodurch ihre stark geschminkten Augen noch stärker auffielen. Eine Andere trug einen dunkelbraunen, weiten Mantel bis zum Knie und darunter einen hellbraunen Plissée-Rock.
Die Modenschau sorgte für viele Diskussionen. Eine Anzahl Gönner gab an, über die islamische Kleidung recht erfreut zu sein. „Muslimische Frauen haben jetzt mehr Wahlmöglichkeiten.“ sagten sie.
Der Ratgeber des Bürgermeisters von Teheran sieht die islamische Modenschau als neuen Schritt zur Förderung der Frauenbedeckung und hofft, mit ihr viele Frauen zum Nachdenken zu bringen.

Doch Shadi Sadr, Juristin und Frauenaktivistin sieht einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Modenschau und dem Parlamentsbeschluss, islamische Kleidung zu fördern. Sie sagt mit Nachdruck: „Hierdurch werden die Frauen immer mehr gezwungen, den Vorschriften der Regierung zu folgen. Selbst, wenn Frauen diese Vorschriften ignorieren, so gibt es genügend andere, die diese Bekleidung tragen werden um ihre Karriere nicht zu gefährden. Hiermit drängt sich die Regierung in das Privatleben der Menschen.“

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Bilder zum Durchklicken hat der Stern.

Das erinnert mich daran, wie 1980 die Ehefrauen meiner iranischen Kollegen aus dem ersten "verschleierten" Urlaub im Iran zurückkamen und behaupteten, der Tschador sei eigentlich ganz angenehm: "Man muß sich dann nicht mehr so stylen, wenn man das Haus verlässt..."

Zu Schah-Zeiten, konnte man Iranerinnen nämlich daran erkennen, daß die niemals einen Styling-Fehler begingen: niemals braun oder schwarz mit blau, immer Nagellack und Lippenstift in einer Farbe, immer Schuhe und Handtasche passend. Wenn da eine Orientalin mit einem stylingtechnischen No-No kam, war das niemals eine Iranerin.

Kurs für Journalismus im Iran oder: die Selbstzensur ist *unser* Stockholmsyndrom

aus (auf das Logo klicken):
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Zwei niederländische Journalisten konnten als erste westliche Ausländer einen Journalismus-Kurs im Iran geben, wo die Pressefreiheit schwer unter Druck ist. Nahost-Redakteurin Judit Neurink berichtet.

Bereits seit sechs Jahren hat Isa Saharkhiz immer eine Tasche gepackt mit allem, was er im Gefängnis benötigt. „Wir müssen tapfer sein und uns nicht einschüchtern lassen . Außerdem muss ich dringend etwas abspecken.“
Isa Saharkhiz, Journalist, lächelt und spielt etwas mit dem Salat auf seinem Tellerchen. Obwohl das Restaurant voll mit Essern ist, dämpft er seine Stimme nicht. Am Tag zuvor ist dem bekannten iranischen Journalisten eröffnet worden, dass er für vier Jahre ins Gefängnis muss. Der Richter hatte auf folgendes Delikt erkannt: Beleidigung des „heiligen Systems“ der islamischen Republik. Damit meint er: die „Herrschaft des Rechtsgelehrten“, velayat-e-faqih, die Ayatollah Khomeini 1979 gegründet hat.
Doch Saharkhiz lässt sich nicht den Mund verbieten. Am Vortag hatte er noch Öl ins Feuer gegossen und in einem BBC-Interview gesagt, der gegenwärtige geistliche Führer, Ayatollah Khamenei persönlich stünde hinter seiner Verurteilung. „Er steht hinter allem im Iran“, wiederholt er unerschrocken. „Präsident Ahmadinedjat erscheint in den Nachrichten, doch Khamenei zieht die Strippen.“
Diesen Morgen hat ein schockierter Hormuz mir in der Vereinigung der jungen Journalisten eine Zeitung in die Hand gedrückt. Er zeigt auf ein kleines Artikelchen mit der Überschrift: „Herr Saharkhiz muss ins Gefängnis“. Hormuz sorgt als Teil der täglichen Routine für Tee und Kaffee im Journalismus-Kurs, den meine Kollegin Froukje Santing und ich für „Press Now“ in Teheran geben. Eine Premiere: noch nie zuvor hat man westlichen Journalisten erlaubt, ihr Wissen auf diese Weise mit jungen iranischen Kollegen zu teilen.
So etwas fiel auf in einer Zeit, in der sich die Iranische Regierung gegenüber dem Westen immer paranoider äussert und benimmt. Und nun bekommt Isa Saharkhiz, unser Organisator vor Ort, ohne den dieser Kurs nicht zustande gekommen wäre, so einen Schuss vor den Bug.

Im Iran ist nichts wie es scheint. Man kann nie genau wissen, wie die Regierung reagiert, und diese Willkür schlägt sich auch auf die Presse nieder.. Vielen Journalisten wurde die Schere im Kopf zur zweiten Natur. Wir sehen das an den kryptischen Andeutungen, mit denen die Wahrheit verpackt wird und dem Verschwinden-Lassen von umstrittenen Fakten eines Berichts auf die Metaebene. In den vergangenen Jahren sind eine Anzahl reformorientierter Zeitungen geschlossen worden. Die Mehrzahl unserer Kursteilnehmer – im Durchschnitt nicht älter als 25 – haben so etwas schon mehrmals als Betroffene erlebt. Viele Journalisten waren auch bereits wegen unerwünschter Veröffentlichungen im Gefängnis und mussten auch schon schon die Verkündung eines Urteils wie jenes gegen Saharkhiz gegen sie selbst mit anhören. Der Gang ins Gefängnis schwebt wie in Damoklesschwert über ihren Köpfen, um sie davon abzuhalten, sich erneut zu weit aus dem Fenster zu lehnen.

Doch bei Saharkiz funktioniert das nicht. Der ruft zu Mut und öffentlichem Protest auf. „Das habe ich auch zu den Politikern gesagt. Sie müssen ihre Haltung verändern und deutlich machen, dass wir nicht frei sind, dass wir nicht einverstanden sind mit dem, was geschieht und dass wir es leid sind,“ sagt er. Seiner Meinung nach hat sich die Situation durch den Weggang des reformorientierten Präsidenten Khatami die Lage grundlegend verändert. „Die Machthaber arbeiten nur für ihre eigenen Interessen und bringen den Iran in Gefahr.“
Er plädiere dafür, dass das ängstliche Schweigen durchbrochen werden müsse. Dann zieht er einen Vergleich mir der jungen Österreicherin, Natascha Kampusch, deren Entführer – nachdem sie ihm entkam – Selbstmord beging. Iran werde in Geiselhaft gehalten durch eine Gruppe Hardliner, die höchstens 10 Prozent der Bevölkerung hinter sich hätten, sagt Saharkiz. „Auch wir leiden unter dem Stockholmsyndrom. Wir fühlen mit unseren Geiselnehmern.“
Doch Saharkiz illustriert mir seinen Worten auch das Dilemma der iranischen Machthaber. „irgendwann ist unsere Geduld zu Ende, nämlich dann, wann das Maß voll ist,“ sagt er. „Und unsere Aufgabe ist es, das Maß zum Überlaufen zu bringen. Der Journalist Saharkhiz ist nicht zu trennen vom politischen Aktivisten Saharkhiz, und das gilt für viele unserer Kursteilnehmer. Politische Teilhabe ist begrenzt, parlamentarische Funktionen sind Männern – und einigen wenigen Frauen – vorbehalten, die durch ein strenges, religiöses Komitee dafür ausgewählt wurden. Unter Khatami entstanden neue Zeitungen mit neuen Meinungen, die reißenden Absatz fanden, und schnell verboten wurden. Auch die neuen Zeitungen beschäftigten sich vor allem mit Propaganda.

„Ich bin reichlich konfus“, sagte einer der Kursteilnehmer dann auch bei Kursende. Wir haben sie nämlich gelehrt, dass in Nachrichten, Reportagen und Analysen ihre Meinung nicht durchklingen darf. Wir haben sie gelehrt, anschaulich zu schreiben und mit Worten ein Bildchen zu malen, und vor allem auch nach der Meinung des einfachen Bürgers zu fragen. Das Blättchen, das wir am Ende des Kurses gemacht haben, ist voll mir hübschen Reportagen – ganz aktuell: wie junge Leute ihre Partner auf Dating-Seiten im Internet finden, die durch die Regierung entwickelte Frauenmode oder die Gefahr von Energy-Drinks.

Wir lassen unsere Kursteilnehmer zurück in dem Bewusstsein, dass sie zu wählen haben: sind sie Journalist oder Aktivist? Wollen sie beides sein, brennen sie schnell aus. Wir haben keine Journalisten in eurem Alter, lässt uns einer der Kursteilnehmer wissen. In den Redaktionen kommen uns vor allem junge Menschen entgegen, so mancher Chefredakteur ist unter dreissig. Aus den Erzählungen unserer Kursteilnehmer können wir schließen, wieso.
Eine von ihnen erschien eines Morgens nicht, weil sie mit ihrem Chef ins Informationsministerium gerufen worden war. Ihre Frauenzeitschrift hatte Bilder gezeigt, auf denen zu sehen war, wie die Polizei mit Frauen umsprang, die für mehr Rechte demonstrierten. Das sei schlecht fürs Image, bekamen sie zu hören, und das dürften sie nie wieder tun, bekamen sie zu hören.

Einer Journalistin der Zeitschrift Etamad Melli wurde der Zugang zum Parlament untersagt. Sie hatte enthüllt, wie die viel Parlamentarier verdienen, die von sich sagen, sie seien doch so viel sparsamer als die Reformer vor ihnen: anscheinend 5.000 € im Monat – ein enormer Betrag in einem Land, in dem 300 € schon ein hübsches Gehalt ist.
Eine andere Kursteilnehmerin darf in der wöchentlichen Pressekonferenz von Präsident Ahmadinedjat keine Fragen mehr stellen – hatte sie ihn doch nach einer Erklärung für das Licht gefragt, das er gesehen haben wollte, als er Ende vorigen Jahres vor der UN-Vollversammlung sprach.

„Wir haben jetzt gelernt, dass wir trotz der Einschränkungen viel professioneller schreiben können, sagt eine Kursteilnehmerin am letzten Kurstag über den Kurs. „Wir benutzen die Einschränkungen als Ausrede für Selbstzensur.“

Die Reaktionen auf den Kurs sind überwiegend positiv. Selbst Hadi Khamenei, der Bruder von Irans geistlichem Führer würdigt ihn am letzten Tag. Chefredakteure stellen angenehm überrascht fest, dass ihre Journalisten gelernt haben, kurz und bündig zu schreiben, was ihre Zeitungen für die junge iranische Bevölkerung anziehender macht. Doch ein Gewerkschaftsmann äusserte, dass dies sich nicht mit der iranischen Kultur vertrage.

Wir sind offen für eine Veränderung, ist die Botschaft, wenn sie positiv ist. Und wenn Ihr aus dem Westen uns nichts aufdrückt und uns zu nichts verpflichtet, dann werden wir aufmerksam zuhören um dann selbst zu entscheiden, was wir davon gebrauchen können.

Montag, 7. August 2006

Wo Carla recht hat, hat sie recht: Iran verbietet Ebadi-Zentrum

ist eine Nachricht, auf die man wirklich sein Augenmerk richten muß:

hier per Paste and Copy das, was n-tv dazu schreibt:

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Die 2002 gegründete Menschenrechtsorganisation der iranischen Friedensnobelpreis-Trägerin Shirin Ebadi ist von den Behörden verboten worden. Ebadi protestierte gegen das Verbot ihres "Zentrums für Menschenrechtsverteidiger" (CHRD), wie die Teheraner Zeitung "Sharq" am Samstag berichtete.

Das CHRD hatte nach Ebadis Angaben eine provisorische Genehmigung erhalten und die geforderten Veränderungen bei den Statuten vorgenommen, ohne aber eine Antwort vom Innenministerium zu erhalten. Jetzt verwies das Ministerium darauf, dass das CHRD keine Arbeitserlaubnis habe und daher illegal sei. Den Mitarbeiter wurde mit Strafen gedroht.

Ebadi berief sich auf die iranische Verfassung, wonach Vereinigungen, die Recht und Ordnung respektieren, keine Arbeitserlaubnis brauchen. Das CHRD war von Ebadi und anderen bedeutenden Juristen Irans vor vier Jahren gegründet worden, um für die Einhaltung der Menschenrechte zu kämpfen und inhaftierten Dissidenten Rechtsbeistand zu gewähren. 2003 erhielt Ebadi als erste muslimische Frau den Friedensnobelpreis.

Sonntag, 16. Juli 2006

Meine iranischen Erinnerungen Teil 3

chemical_warfare03_01
Ich komme aus gegebenem Anlass noch mal auf den Iran-Irak-Krieg zurück: Ich erinnere mich noch zu gut an die damalige Zeit und daran, daß man damals - sinngemäß - Saddam Hussein deswegen für einen Guten hielt bzw. das zumindest vorgab, weil er westliche Werte im Irak implementiere. Oder vielleicht war es ja doch nur die Denke Vom "unserem Hundesohn". In diesem Krieg hat man den iran mit Embargo überzogen und bei einem Hilfsersuchen zur Behandlung der Opfer des Gaskrieges nicht eben Schlange gestanden. Hier ist eine Broschüre von damals, die ich wegen der Dateigröße in drei Teile geteilt habe:

chemical_warfare01 (pdf, 3,821 KB)
chemical_warfare02 (pdf, 3,840 KB)
chemical_warfare03 (pdf, 6,669 KB)

Versteht mich recht - ich sage damit nicht, daß jemand, dem solches widerfahren ist, Geradezu zwingend 15-jährige Teenager aufhängen muss, wie auch hier bei Telepolis berichtet, aber was mich dabei stört, ist erstens, daß ich damals nirgendwo gelesen habe, daß jemand sich über diesen Gaskrieg (Gas ist schließlich seit 1925 international geächtet) besondere Gedanken gemacht hätte.

Das relativiert nichts. Bloß: jetzt nehme ich mir mal die Freiheit, darüber nachzudenken, was wäre, hätte man damals Saddam zurückgepfiffen, hätte man die iraner nicht - von Ausnahmen abgesehen - mit der medizinischen Behandlung der Opfer alleine gelassen, hätte die interationale Staatengemeinschaft entschieden(er) eingegriffen...

Sonntag, 18. Juni 2006

Meine iranischen Erinnerungen - Teil 2

Genz offensichtlich war das auch im Iran der Fall. So schreibt Shirin Ebadi ja in ihrer Autobiographie sinngemäß, daß sie sich zunächst für die Revolution eingesetzt hatte, und garnicht verstanden hatte, warum ihr ein Richterkollege dann sagte (sinngemäß): "Sie setzen sich für diejenigen ein, die Sie aus dem Richteramt entfernen werden...". Im Mai 1980 habe ich nach bestandenem Examen angefangen zu arbeiten. In dem Krankenhaus gab es einige iranische Fachärzte. Mein Oberarzt war ein iranischer Azerbaidschaner (wie Farah Diba auch), also Azeri-Türke, weswegen wir in der Gynäkologie und Geburtshilfe auch nach meiner Erinnerung 80% türkische Patientinnen hatten. Ein - iranischer - Landsmann war Oberarzt in der Chirurgie, in die ich später gewechselt bin. Im Sommer 1980 fuhren beide mit ihren Familien das erste Mal nach der Revolution in den Iran. Als sie zurückkamen, war für uns deutlich spürbar, wie besonders die Ehefrauen versuchten, sich die veränderte Situation schönzureden. "Wenn du dir einen Tschador überziehst, kannst Du auch mal das Haus verlassen, ohne daß du dich vorher stylen musst..." Die Odyssee der ehemaligen Kaiserfamilie betrachteten wir als gerechte Strafe.

Dann kam der Krieg Iran-Irak und da der Iran unter Embargo stand, während die ganze "freie Welt" den Irak unterstützte, standen wir natürlich auf der Seite des Iran und kolportierten das Khomeini-Wort, daß die USA eines Tages noch merken würden, welchen Frankenstein sie da unterstützten.
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Im nächsten Krankenhaus hatte ich dann wieder einen iranischen Oberarzt, frisch aus dem Iran zurückgekommen. Er hatte nach der Facharztausbildung auf eine weitere Universitätskarriere verzichtet und sich zunächst - 1978 - mit deutscher Ehefrau und drei Kindern wieder im Iran niedergelassen und sein ganzes in Deutschland gespartes Geld in den Aufbau einer Gemeinschaftspraxis gesteckt.
(damals gab es sehr viele iranische Chirurgen in Deutschland, die alle den Ruf hatten, exzellente Operateure zu sein, ich weiß nicht, ob das heute auch noch so ist)
Im Iran habe die medizinische Versorgung mit einem Belegarztsystem wie in den USA. Nach der Revolution hätten er und seine Familie dann die ersten Schwierigkeiten bekommen: eines Morgens sei ein Bulldozer durch die Gartenmauer gebrochen und dann habe man seinen Swimmingpool durch Reinkippen von Beton unbrauchbar gemacht. Zunächst habe man Ehefrau und Kinder, die naoch deutsche Staatsbürger gewesen seien, in Ruhe gelassen. Dann hätten sich die Schikanen gehäuft, und eines Tages hatte seine Frau die Nase voll: sie war auf dem Basar gewesen, dort sei sie von weiblichen Revolutionswächtern gestellt worden; ihre - echt blonden - Haare hätten unter dem Tuch hervorgelugt, nachdem man ihr lautstark habe klar gemacht hatte, daß sie mit ihrem "Aufzug" die Märtyrer von Krieg und Revolution beleidige, war sie verprügelt worden. Danach ist sie dann mit ihren Kindern nach Deutschland zurückgekehrt. Ihr Mann war zunächst dageblieben, nicht zuletzt, weil er das Land nicht verlassen durfte, denn es war ja Krieg. Wenig später wurde er dann als Chirurg an die Front eingezogen. Er hat uns später erzählt, seine Erfahrungen dort hätten für ihn den endgültigen Bruch mit dem Regime bedeutet: als er Kinder habe zusammenflicken müssen, die man in die feindlichen Minenfelder geschickt habe, den berühmten Schlüssel um den Hals. Das einzige, was er noch habe tun können, sei, zerfetzte Gliedmaßen amputieren. Er ist dann über die Türkei geflohen.

In meinem vorherigen Krankenhaus war mittlerweile ein Professor Nosrat Firusian Chefarzt geworden, der sich in seinem Vertrag die Möglichkeit ausbedungen hatte, in einem ehemaligen Infektionstrakt des Krankenhauses gasverwundete Soldaten des Iakisch-Iranischen Krieges zu behandeln. Meines Wissens gab es seinerzeit nur noch ein weiteres Krankenhaus: die Universitätsklinik Wien.

Teil 3 folgt.

Samstag, 17. Juni 2006

Reloaded: Meine iranischen Erinnerungen oder: beinahe war ich Schah Rezas vierte Kaiserin

Jetzt werde ich mich mal daran setzen, diesen Beitrag weiter zu schreiben, deswegen wird er hier noch mal reloaded:

Schah_Reza_deutscher_Kaiser

Also, ich muß es ja endlich mal gestehen: beinahe wäre ich Reza Pahlevi's vierte Frau geworden - wenn ich nur gewollt hätte!

In den fünfziger Jahren war uns "der Pfauenthron" so nahe, wie unsere eigene Regierung nicht. Der Schah war von "der Deutschen auf dem Pfauenthron, Soraya, geschieden, Soraya lebte mit Mutter und Bruder in Köln, meiner Heimatstadt, und der Schah suchte eine neue Frau:

Soraya

So beschloss ich, Kaiserin von Persien zu werden. Nun gut, 1959 heiratete er dann Farah Diba, aber ich war zunächst noch optimistisch: schließlich hatte es mit Fawzia (deutsch: Faffzia..)
225px-Fawzia
und Soraya auch nicht geklappt. Jetzt hieß es für mich, die Nerven zu behalten und zunächst gelassen abzuwarten - mal sehen, ob Farah das schaffte, das mit dem Kronprinzen.
Ein Jahr später mußte ich dann meine Ambitionen auf den Pfauenthron begraben: der Kronprinz war da! Persien wurde zunächst einmal ad acta gelegt.

1967 kam das Thema wieder auf mich zu: Der Schah und Farah Diba besuchten Berlin es wurde demonstriert, der Student Benno Ohnesorg erschossen und Klein-Berta, mittlerweile Gymnasium 8. Klasse hatte ein Referat über Persien an der Backe. Die Kaiserinnenträume vergessen, das Referat mit Vaters Hilfe geschrieben, und siehe da-die Zensur schlug zu: hatte ich doch glatt behauptet, der Vater des Schah,Rezah Schah, sei vom Thron geschubst worden, weil er, um sich aus der Umklammerung von Sowjets und Briten zu befreien, zu sehr an Nazi-Deutschland angenähert habe.
Schah_und_Kronprinz
Ich hatte mich auf Bahman Nirumand berufen und mußte mich, "ex cathedra" belehren lassen, das sei keine akzeptable Quelle. Nun, die Tatsache als solche , hier nachzulesen unter der Jahreszahl 1941 stimmt, aber 1967 war diese Information ganz offensichtlich politisch unkorrekt. Der Schah wurde mir zunehmend unsympathisch. Endlich in der Linken jener Jahre angekommen, waren wir natürlich alle auf Seiten der Opposition. Der Schah galt uns allen als brutaler Tyrann. Wir lasen den "Clan der Kannibalen," und irgendwie fand es jeder degoutant, daß der Iran bzw. in persona der Schah sich beteiligen wollte an - ich glaube es war - Krupp, schließlich einem deutschen Traditionsunternehmen. Nach meiner Erinnerung hat das damals sogar Alfred Tetzlaff thematisiert.
1979, mein letztes Studienjahr war nicht nur für den Mann von Betty Mahmoody, sondern für viele ein Jahr, in dem sie sich gefragt haben, was denn eigentlich ihre Wurzeln sind. Wir waren gemeinsam fassungslos über den Sturm auf die Große Moschee von Mekka und der Umstand, daß französische Fallschirmjäger gerufen worden waren, die Aufständischen aus der Moschee herauszutreiben, sorgte unter den muslimischen Studenten für helle Empörung und beschleunigte bei vielen die Re-Islami- sierung, zunächst noch als eine Form von Life-Style, ohne von Alkohol und Frauen die Finger zu lassen. Heiß diskutiert - besonders von uns Frauen - wurde auch die Ermordung der saudischen Prinzessin Mishaal, angeblich wegen Ehebruch, in Wahrheit - genauso angeblich - sei die ganze Geschichte inszeniert gewesen, um ihren zur Zeit des Geschehens abwesenden Ehemann, ein führendes Mitglied der Opposition in der eigenen Familie als "Gehörnten" lächerlich zu machen.

Der Schah wurde vertrieben und wir alle wünschten jenen, die ihn vom Thron gestürzt hatten Glück. Alles, was fortschrittlich war, schien sich jetzt um Khomeini zu sammeln.

Teil 2 folgt.

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