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Montag, 26. Februar 2007

Wird die Landkarte des Nahen Ostens jetzt neu gezeichnet?

Im Sommer hatte ich aus dem sehr lesenswerten libanesischen Blog Beirut Live einen Artikel aus der US-Militärzeitung Stars and Stripes übersetzt:

new-20middleeast-11

Zur Erläuterung hatte ich sowohl die Einleitung aus Beirut Live dokumentiert:
Dieser Artikel erschien im Juli diesen Jahres in der amerikanischen Miltärzeitung Armed Forces, die an alle US-Soldaten verteilt wird. Er wurde von einen pensionierten Oberstleutnant verfasst, Ralph Peters, der zeitweise auch zum Büro des stellvertetenden Chefs des Militärgeheimdienstes kommandiert war.
als auch selber geschrieben:
Ralph Peters hat eine große Menge Bücher und Artikel verfasst, so unter Anderem - als Anwort auf die deutsche Kritik am Irakkrieg im Jahr 2003: Ihr Deutschen widert uns an.Hier ist ein Artikel, der sich kritisch mit seinen Thesen auseinandersetzt, hier ist der aktuelle Eintrag aus der englischen Wikipedia.Obwohl Ralph Peters die Armee nicht mal mit einem einzigen Generalsstern verlassen hat, zeigt die Tatsache, daß er nicht nur in wichtigen US-Medien schreibt, sondern auch in einer an alle Soldaten kostenfrei verteilten Miltärzeitschrift, daß man von seinem Artikel wohl einige Rückschlüsse auf die US-Politik ziehen kann. Die Übersetzung hat vier Teile, im vierten Teil wird auch auf die damalige Veröffentlichung von Seymour Hersh Bezug genommen: Ob das Nachlesen 6 Monate später zu neuen Erkenntnissen führt?

Montag, 1. Januar 2007

Die Berichterstattung über Saddam Hussein

update 1. Januar:
Da habe ich bei Gregor Keuschnig einen Beitrag gefunden, der in die gleiche Richtung argumentiert. ein Auszug:

Saddam Hussein ist heute hingerichtet worden. Man kann auch sagen, er sei ermordet worden. Menschenrechtsorganisationen versuchten, die Vollstreckung des Todesurteils zu verhindern. Die deutsche Bundesregierung betont, man sei gegen die Todesstrafe. Der Vatikan entblödet sich nicht, dieses Ereignis "tragisch" zu nennen (vermutlich ist man dort des Begriffs der Tragik verlustig gegangen) und ein EU-Mensch nannte es bestialisch (vermutlich vom warmen Kamin aus). Diejenigen, die sich vor 20 oder noch mehr Jahren nicht scheuten, mit dem Diktator vor den Kameras zu posieren, zeigen sich zufrieden. Welch' ein Gefasel. Welche Heuchelei.
Dabei hat Saddam Hussein eigentlich nur einen grossen Fehler begangen und zeigt ein Lehrstück für alle Diktatoren dieser Welt: Sie dürfen in ihrer Bevölkerung ruhig Massaker anrichten; Menschen in Dörfern vergasen; autokratische Systeme errichten; korrupt sein (man verdient ja daran auch so schön) – sie dürfen nur eines nicht: Sich mit der USA (und dem Westen) anlegen! Sie dürfen nicht den Weltmachtanspruch infrage stellen und sich gegen ihn stellen. Als der Irak noch als Bollwerk gegen die iranische Revolution galt, war Saddam unser "Freund" – als er Kuwait angriff (die Umstände, warum er das tat sind immer noch ungeklärt) und nicht weichen wollte, mutierte er zum Satan. Realpolitiker erkannten dennoch, dass er ein fragiles Gebilde genannt Irak zusammenhielt. Irgendwann setzten sich die "Visionäre" an den Tisch – und begannen, an ihren Epitaphe zu denken.
In Wahrheit musste man Saddam dankbar sein: Im Rahmen der sogenannten asymmetrischen Kriege (wieder so ein hohles Wort) war er ein bequemer Feind. Er war geografisch festzumachen; das konventionell-militärische Prozedere verfing (zweifellos übersah man, dass ein militärischer Sieg ungleich leichter als ein politischer Sieg ist). George Bush konnte sich endlich von seinem Vater emanzipieren und zeigen, was für ein toller Führer er doch ist.

Für den ganzen, wie immer hervorragenden Artikel hier lang.

Und hier ist ein weiterer lesenswerter Beitrag zum Thema.
Auszug:
Die Hinrichtung Saddams hat den üblen Geschmack politischen Zweckhandelns.
Bush war zum Dauerkrieg gegen den Terror ausgezogen. Von seinem größten Feind, dem erklärten Urvater allen Terrors, Osama bin Laden, ist überhaupt keine Rede mehr. Saddam, den selbst Bush nie mit den Anschlägen vom 11.9. 2001 in Verbindung brachte, wurde mit Krieg überzogen und nun umgebracht. Das Regime Maliki, das ein Land täglicher Massaker repräsentiert, rächt ein von Saddam zu verantwortendes Massaker. Das ist die Logik einer Blutmühle.
Die Müller meinten, es bringe etwas, einen weiteren Menschen, Saddam, ehemals Prominenten, da hinein zu stopfen.

Und uns allzu friedlichen Zeitgenossen zeigt die Medienmeute, wenn sie nun schon den Blutgeruch nicht direkt übertragen kann, wenigstens den Henkerstrick in Großaufnahme.


***********************************************************************************************************

Vorsicht, sehr "graphic"!!!



http://www.livevideo.com

Auch, wenn Saddam jetzt schon tot und begraben ist, lohnt es sich doch, sich über die ganze Geschichte Gedanken zu machen. Am Abend des 29. Dezember habe ich zufällig mitbekommen, daß die Hinrichtung unmittelbar bevorsteht. Daraufhin habe ich CNN eingeschaltet und bis morgens 6 Uhr - hiesige Ortszeit - vor der Glotze gehangen. Zu faszinierend war das, was da an Heuchlei über den Sender lief.

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Um es gleich vorweg klarzustellen: Saddam war ein Verbrecher, der sein Land und Millionen Menschen auf barbarische Weise zugrundegerichtet hat. Doch er wurde lange nach der einst auf den Schah von Persien gemünzten Devise behandelt: "...sicher ist er ein Hundesohn. Aber er ist unser Hundesohn..." Zur Erinnerung:
Hier hat jemand die Zusammenstellung der "Gesellschaft für bedrohte Völker" gepostet.


Hier ist nochmal eine Seite aus einem Buch von Bruno Schirra:

und hier ist ein Artikel von Telepolis über das gelinde gesagt heuchlerische Verhältnis der USA zum Komplex Massenvernichtungswaffen. Dazu passt, dass man zunächst die beiden profilertesten Wissenschaftlerinnen des Irak - immerhin in Großbritannien und den USA ausgebildet, nämlich

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Huda Salih Mahdi Ammash, in den USA ausgebildet,

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und Rihab Rashida Taha, in Großbritannien ausgebildet., einst verteufelt als Dr. Germ, Chemical Sally, Mrs. Anthrax, oder schlicht als "the World's deadliest Women" nebst 8 Kollegen noch nicht mal mehr angeklagt werden. Erinnert mich verdammt an diesen Herrn,

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Shiro Ishii,, den Chef der berüchtigten Einheit 731, der mit seinen Mannen ebenfalls straffrei ausging. War eben auch zum Schluß unser Hundesohn und die Damen sind jetzt halt unsere Hundetöchter.
Ich glaube allerdings, daß es nicht nur deutsches "Gas" war, das hier verkauft wurde. Das "Gas", das hier zum Einsatz kam, war das klassische Senfgas, der Nervenkampfstoff Sarin und Blausäure, schon unrühmlich bekannt als "Zyklon B".
Zu Chemischen Waffen allgemein hier lang.

Ich weiß garnicht mal, wo das Zeug in den Mengen herkam. Ich erinnere mich daran, daß die deutschen Bestände nach dem ersten Weltkrieg von den Franzosen und Spaniern aufgekauft wurden, um sie im Kampf gegen Abd el-Krim einzusetzen. Ob im Iran-Irak-Krieg die Überbestände des 2. Weltkrieges entsorgt wurden?

gas

Aber ich will mich nicht verplaudern. Das Verfahren gegen Saddam lässt an Nürnberg denken. Damals wurden die Größen des Dritten Reiches angeklagt und für ihre Verbrechen zur Rechenschaft gezogen wurden, wurde erst alles aufgearbeitet. Na, gut, auch nicht alles: was die Sowjets hätte inkommodieren können, fiel auch dort unter den Tisch. Ja, und jetzt werde ich das Gefühl nicht los, daß man ein für seine derzeitigen Unterstützer unverfängliches Verfahren als erstes genommen hat: Das Massaker von Dujail. Hier ist das, was Human Rights Wach dazu veröffentlicht.
Wohl gemerkt: es geht nicht um Meschenrechte für einen Massenmörder, weswegen diese Fragestellung hirnrissig ist, sondern es geht darum, daß die wichtigsten Verbrechen jetzt unaufgeklärt und ungesühnt bleiben: wie sich 1945 bei den Entnazifizierungsverfahren alle auf Hitler beriefen und den Befehlsnotstand, so wird jetzt alles auf Saddam geschoben werden: ""Wir hatten ja solche Angst...". Saddam kann ja nicht mehr antworten. Man ist zumindest geneigt, das für praktisch zu halten.
Der Comedian Matthias Deutschmann hat sich am 30. abends schon so seine satirischen Gedanken gemacht: "Geht man so mit einem ehemaligen Mitarbeiter um?"

Was war das doch schon entlarvend, als der Reichsverweser Bremer verkündete "Wie gaddäm". Anwort: "Wäääh...". Das ist auch das Einzige, was bislang dabei rumgekommen ist.
Da hatte der Moderator von CNN doch tatsächlich den Nerv, seinen Gast, den stellvertretenden irakischen UN-Botschafter zu fragen, wieso Saddam so lange hat an der Macht bleiben können. Unfassbar!

Erinnert sich denn niemand mehr daran, daß nach dem Golfkrieg 1990 der damalige Oberbefehlshaber, Stormin' Norman Schwartzkopf , hinschmiss, weil er nicht verstand, daß man Saddam auf seinem Posten ließ? Erinnert sich denn niemand mehr daran, wie der Aufstand, der von den Shi'iten und Kurden angefangen wurde, und schon 14 von 16 Provinzen erfasst hatte, von den Amerikanern verraten wurde?

Nochmal: um Saddam ist es, wie um die ganzen "Mitarbeiter", wie Pinochet, die Taliban etc. bestimmt nicht schade, aber mit dieser Hinrichtung hat man die Aufarbeitung des Geschehenen verhindert.

Jetzt wird er zum Märtyrer und Helden - war es das, was gewollt war?

Donnerstag, 31. August 2006

Ist Israelkritik dasselbe wie Antisemitismus?

das habe ich bei Arne Hoffmann gefunden:
Und das bei Stefan Sasse.
Hätte das Jürgen Möllemann noch erleben dürfen! Erstmals wurden Attacken des Zentralrats der Juden in Deutschland, bestimmte Politiker trügen mit ihrer Israelkritik zu einer „judenfeindlichen Stimmung“ bei, von anderen Politikern in großer Breite zurückgewiesen. Sowohl von der Regierung als auch von Oppositionsparteien erhalten Wieczorek-Zeul und Co. deutliche Rückendeckung. Möglicherweise hat der Libanonkonflikt einige Hirne freigepustet, was den Unterschied zwischen Israelkritik und Antisemitismus angeht. Es würde mich freuen, wenn ich mit meinen Texten wenigstens einen winzigen Teil dazu beigetragen habe, dass sich auch in solchen Fragen hierzulande eine Kultur etabliert, in der jeder frei seine Meinung sagen darf, ohne mit Rücktrittsforderungen, persönlichen Diffamierungen und Hasskampagnen unter Druck gesetzt zu werden.

Wobei ich die Erwähnung von Möllemann hier etwas unglücklich finde: dieses Faltblatt
Moellemann (pdf, 140 KB)
hat damals die Diskussion angeheizt, und Möllemann den Vorwurf eingebracht, auf dem antisemitischen Klavier zu spielen.

Differenziertere Jüdische Stimmen gibt es:
Hier und hier.

Und auch Frau Knobloch hat andere Themen: Hier.

Montag, 21. August 2006

Interessante Korrespondenzen

DSC00244
DSC00239-0

Diese Bilder hat bash von einem gemeinsamen Ausflug mit anderen bloggern veröffentlicht.

Es gibt ein blog, das von einer Israelin und einem Libanesen gemacht wird, das Arab-Israeli-Peace-Blog einer israelischen Bloggerin namens Lilu und eines libanesischen Bloggers namens Bash.

Das Motto:
SPREAD THE WORD!
Bringing Arabs and Israelis closer together to make the world a better place. WARNING: This blog causes your thinking to be rearranged..


Hier wird ganz pragmatisch zu einer Reinigungsaktion am Strand aufgerufen.

Weitere interessant Korrespondenzen findet man auf qantara.de, zum Beispiel diese:
Sind Sharia und Menschenrechte miteinander vereinbar?

Heba Raouf Ezzat - Emran Qureshi
Sind Scharia und Menschrechte miteinander vereinbar?

Emran Qureshi, Journalist und Experte für Islam und Menschenrechte, und Heba Raouf Ezzat, Dozentin für Politologie an der Universität Kairo, debattieren in ihrer Korrespondenz über die Rolle der Scharia in den islamischen Ländern und über die Frage, ob sie mit den Menschenrechten vereinbar ist.


Einleitung von Emran Qureshi:
Die Scharia, wie sie in vielen muslimischen Ländern praktiziert wird, ist nicht mit der Universellen Menschenrechtserklärung vereinbar. Sie stellt eine Quelle der Ungerechtigkeit dar, die den Islam entwürdigt und jene Muslime beschämt, die sich an eine barmherzige Interpretation ihres Glaubens halten.

oder:
Antisemitismus im Nahostkonflikt.

Vorwort:
Brian Klug - Robert Wistrich
Welchen Stellenwert nimmt der Antisemitismus im Nahostkonflikt ein und wann kann politische Opposition gegen Israel als antisemitisch gedeutet werden? Hierüber debattieren der britische Wissenschaftler Brian Klug und Robert Wistrich vom internationalen Zentrum für Antisemitismus-Forschung an der Hebräischen Universität Jerusalem.


Und hier ein Artikel aus den blogs des P.M.Magazins, der ebenfalls einen völlig anderen Blick auf die Realität in den arabischen Ländern hat: Muezzin-Klingeltoene, magische Kueste und Peace-Blogs

manon4

Und dieses Videoprojekt scheint auch ganz interessant zu sein:
Wörterbuch des Krieges. (via P.M.Blogs)

Schlußwort: Lesenswert. Klickenswert. Kuckenswert. Alles.

Samstag, 19. August 2006

Green Helmet Man: Auf Seite 1 das Geschrei,

und nach dem Dementi muß man suchen:

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Vielleicht haben einige von Euch auf den so belieben und sich immer fleissig zitierenden und verlinkenden blogs die Story von Green Helmet gelesen, der so nicht zuletzt so genannt wurde, weil dies der Titel eines Gedichts des Irischen Literatur-Nobelpreiträgers William Butler Yeats ist, in dem solche Zeilen stehen:

And after running at the brim
Cried out upon that thing beneath
—It had such dignity of limb—
By the sweet name of Death.

Crying amid the glittering sea,
Naming it with ecstatic breath,
Because it had such dignity,
By the sweet name of Death.


Jaaah, da hammer's doch schon wieder: "Wir lieben den Tod"...

Worum geht es? Es geht um einen Mann namens Salman Daher, der angeblich nicht, wie auf sehr vielen Bildern zu sehen, als Katastrophenschutzhelfer in der zweimal getroffnen libanesischen Stadt Qana arbeitet, sondern einzig und allein zu dem Zweck in den Trümmern herumläuft, tote Kinder aus den Trümmern zu ziehen und sie anklagend in die Kameras westlicher Journalisten zu halten. So, wie hier:

Hizbollywood eben. Da werden Argumente gebracht, die einen - gelinde gesagt - doch sehr staunen lassen: die Verschütteten waren sehr eingestaubt, die nicht verschütteten Helfer weniger; der Katastrophenhelfer "Green Helmet" taucht bei zwei Katastrophen doch tatsächlich zweimal auf, die Tragen mit den Toten werden Photographengerecht aufgestellt (hat noch niemand gesehen, wie sich Politiker zum Händedruck mehrfach neu justieren), und ein Gebäude bricht erst Stunden nach dem Angriff zusammen (die Frauenkirche in Dresden hat nach der Alptraumnacht noch einen ganzen Tag bis zum Einsturz gebraucht), er sei mit immer demselben Kind zu verschiedenen Zeiten an den Fotografen vorbeigelaufen (die Bilder waren, wie der Stern herausfand, zwar zu verschiedenen Zeiten gemacht, aber zu unterschiedlichen Zeiten an die Agenturen übermittelt worden).
Ja, und überhaupt: waren nicht sehr viele der Bilder von Adnan Hajj, der sowieso alles irgendwie gefälscht hat, über 900 Bilder und so? Hat er zwar nicht, sondern Reuters hat ihn gefeuert, weil man ihm zwei Bilder nachweisen konnte, die er "nachbearbeitet" hat und Reuters begreiflicherweise keine Lust hatte, die gesamte Produktion eines damit ganz klar desavouierten Fotografen zu hinterfragen.

Als Ausgangsquelle machte der Stern das blog EU-Referendum des Briten Richard North aus, eines ehemaligen Luftwaffenoffiziers, über den der Stern in obigem Artikel (dessen eingescannte Version ich aus copyright-Gründen hier nicht einstelle) schreibt:

Aber woher stammt die Verschwörungsidee?

Über Green Helmet. BB

eureferendum.blogspot.com ist eine der aktivsten Seiten zum Thema. Autor ist der Brite Richard North...Er leugnet nicht seine Sympathie für die israelische Seite. Schon als junger Mann hab er mehrere Monate in einem Kibbuz gelebt. 'Die Medien behaupten immer, sie würden unabhängig berichten' sagt North, 'ich denke, dass das nicht möglich ist. Ich zumindest gebe offen zu, dass ich nicht unabhängig bin.'

Mit einer weiteren Seite zum Zitieren und Verlinken macht er es denen, die seiner Meinung sind, leicht: Die Korruption der Medien. Welches da seine Definition ist, ist natürlich klar:

Korrupt = Nicht auf der Seite Israels.

Und selbst, wenn er - nachdem er dieses geköpfte Baby gefunden hat, parteiisch gewesen wäre - wenn die Blogosphäre und und so mancher Publizist, der wir alle im sicheren Europa sicher an unseren sicheren Computern sitzen, parteiisch sind, hätte Green Helmet nicht jedes Recht dazu?
Aber laut Stern ist der Mann noch nicht mal Mitglied der Hezbollah

Jetzt haben auch andere Blogger, z.B. der einflussreiche Spreeblick sich der Sache an und verlinkt seinerseits wieder, zunächst auf einen Artikel der Berliner Zeitung oder hier den Google Blog search mit über 15.000 Postings zu "Green Helmet Man".

Eine Satire im Stile der legendären "Baghdad Bob"- Seiten gibt es auch.

Telepolis widmet der ganzen Geschichte mehrere Artikel, davon einen grundsätzlichen.
Die TAZ vom 10.08.06

Es geht nicht um für oder gegen Israel, es geht nicht um für oder gegen den Libanon, die Hezbollah, es geht um verantwortlichen Umgang mit Macht. Mit Medienmacht, mit der Macht der Blogger. Und das ist hier aus meiner Sicht nicht beachtet worden.

Freitag, 18. August 2006

Condi's Krieg, oder when the Shit hits the fan

Hoofdcommentaar_shit


n-tv schreibt am 16. August dazu:

Mittwoch, 16. August 2006
"Dies ist Condis Krieg"
Über den Kurs der USA

US-Außenministerin Condoleezza Rice ist in Not. Der "Rockstar" der US-Regierung ("New York Times") wird nach sechs Jahren als eine Säule der Regierung von George W. Bush erstmals persönlich heftig kritisiert. Noch bevor sich der Pulverdampf in Nahost verzogen hat, scheinen die USA nach gut vier Wochen Krieg und Krisendiplomatie als einer der Verlierer dazustehen. "Dies ist Condis Krieg – und bisher, so scheint es, gewinnt sie ihn nicht", schrieb der Politologe James Mann in der "Washington Post". Und allseits wird ein neuerlicher Ansehensverlust der USA beklagt. "Die USA haben einen schweren Imageschaden als neutrale Vermittler erlitten", meint das Massenblatt "USA Today".

Für mehr hier lang.

Das niederländische Wochenmagazin De Groene Amsterdammer schreibt am 4. August in einem immer noch aktuellen Leitartikel in seiner Nummer 31 dazu:


Scheiße am Hacken oder: da ist was los...

Karl Marx hat in amerikanischen Regierungskreisen Schule gemacht. „Geburtswehen eines neuen Nahen Ostens“ nannte Außenministerin Rice den Libanon-Krieg. Diese Metapher ist beinahe identisch mit einem entsprechenden Marx’schen Ausspruch. Im Kapital charakterisierte er die Gewalt als „die Geburtshelferin jeder alten Gesellschaft in Kindsnöten.“

Präsident Bush hat, in Erwartung eines neuen Lebens nach dem „Scheiß“ die Drähte zu den Schurkenstaaten deswegen gekappt, weil man mit dieser Sorte Staaten nicht spricht, sondern nur kämpft. Das ist die klassische Gesinnungsethik, die der Soziologe Max Weber vor etwa einhundert Jahren so beschrieb: wenn die Absichten gut sind, gibt es keinen Grund für Kritik, und dann ist das Wort nur noch an Gott zu richten.

Collateral damage? Widerlich. Aber die Libanesen müssen jetzt tapfer sein und sich durchbeißen, denn die Liquidation der Hezbollah und ihrer Stützen kommen schlussendlich auch ihnen zu Gute. Der Waffenstillstand, um den Libanon ersucht hat, ist also kontraproduktiv für die neue Weltordnung.

Ambitionen und Anmaßung sind immens, so immens, dass Bush darüber vor der Kamera ins Stottern geriet. Für weniger als eine bleibende Lösung verlässt Bush nicht mal das Bett. Sei es die Spitzenkonferenz der G8 vor zwei Wochen in St. Petersburg, sei es die Eilberatung in Rom in der vergangenen Woche, seien es die Konsultationen im Sicherheitsrat in New York: stets klingen die Worte: „sustainable“ und „lasting peace“.

Und dann kam der Sonntag, der 30. Juli: die Bombardierung von Qana. Die amerikanische Taktik, die Zeit für sich arbeiten zu lassen, stand auf einen Schlag im grellen Scheinwerferlicht. Das verantwortungsethische Argument Israels, dass die Bürger von Qana, wie betrauernswert auch immer, eigentlich Opfer der Hezbollah seien, klang vor allem jesuitisch. Schlimmer jedoch ist, dass die fortdauernde Untätigkeit der USA seit jenem Sonntag unglaubwürdig geworden ist. Politisch unglaubwürdig. Die Vereinigten Staaten spiegeln de Arabischen Welt nun eine nachhaltige Art und Weise vor, die Dinge anzugehen. Doch wer glaubt Bush? Oder: welcher Arabische Führer kann sich erlauben, ihm zu glauben?

Die 48-stündige Einstellung der Bombenangriffe, die Israel jetzt (am 4. August) angekündigt hat, hilft dabei keinesfalls. Die Bodenoffensive ging – in Erwartung der Wiederaufnahme der Luftangriffe - doppelt und dreifach weiter. Und noch vor Ablauf dieser 48 Stunden riet der israelische Verteidigungsminister Peretz den Bürgern Süd-Libanons, nicht mehr nach Norden zu flüchten. Und der Waffenstillstand, den Rice diese Woche vorspiegelte, zeichnete sich bei Redaktionsschluß dieser Ausgabe (31.KW.BB) nicht ab. Die Bremse ist, dank Bush, gelöst. Ode mit seinen eigenen Worten: the shit hits the fan. Scheiße am Hacken.

Es fragt sich nun, wer im nahen Osten die Strippen zieht. Tut Amerika so, als ob der jetzige Krieg ein gutes Ende nimmt, um dann großmütig zu intervenieren? Oder hat Israel die Vereinigten Staaten vor vollendete Tatsachen gestellt? Ende der 70er Jahre prägte der Historiker Maarten Brands, emeritierter Professor für Geschichte an der Universität Amsterdam, im kleinen Kreis den Begriff „Diktatur des kleinen Bundesgenossen“. Das bezog er damals auf den Schah von Persien, der so wichtig für die USA war, dass er mehr Einfluß auf die Iran-Politik Washingtons hatte als umgekehrt. Als der Schah kundtat, er komme schon alleine klar, ging Washington ruhig schlafen. Das Ergebnis ist bekannt.

Das Ergebnis jetzt ist noch nicht bekannt. Doch die Zeichen stehen nicht auf Sonnenschein. Bush’s großes Projekt wird fünf Jahre nach dem 11. September an drei realen Fronten zugleich ausgefochten. In Afghanistan hat sich die Operation „Enduring Freedom“ als Scheinerfolg herausgestellt. Der Irak hat alle Kennzeichen eines Sumpfes. Im Libanon wird Rice noch nicht einmal mehr empfangen. Und nun droht eine vierte Front: Israel selbst. Es geht nicht mehr nur um sichere Grenzen für Israel, das selbstverständlich vor den Raketenangriffen der Hezbollah geschützt werden muss. Es geht um mehr. So, wie die Hezbollah einen druch Iran bevollmächtigten Krieg führt, so kann Israel zur „Stellvertreterfront“ werden.

Die amerikanische Haltung soll Unterstützung für Israel sein, doch sie kann eines Tages für Israel auch zur Gefahr werden. Durch die Nichteinmischungspolitik der USA ist Israel noch mehr zum Frontstaat geworden als ohnehin schon. Schlimmer noch, es läuft Gefahr, durch Bush zur internationalen Kreuzfahrerburg gemacht zu werden. Und das darf nicht sein. Denn Israel mag zwar stärker sein als jeder einzelne seiner Feind oder verschiedene Feinde zusammen – schlussendlich aber ist es zu schwach für alle zusammen. 1973 war es nicht so sicher, wie der Yom Kippur-Krieg ablaufen würde. Dank klarer geopolitischer Verhältnisse, ging er für Israel gut aus.

Damals hielt die klassische Idee „teile und herrsche“ den Nahen Osten noch unter Kontrolle. Die arabischen Staaten entschieden sich für ihre eigenen nationalen Interessen. Für die Palästinenser hatte man im wesentlichen nur Lippenbekenntnisse übrig. Das illustriert der heimliche Krieg in Gaza, über den in diesen Wochen nur wenig Worte verloren werden.

Und vor allem. Jedes Körnchen Vertrauen muss man im nahen Osten mit der Lupe suchen. Doch dank der amerikanischen Dominanz mussten die streitenden Parteien manchmal doch so tun, als ob sie in eine bescheidene Zukunft friedlicher Koexistenz Vertrauen hätten. Nun müssen sie hoffen, dass eine Geburt ihnen mit einem Schlag ein völlig neues Leben schenkt. Durch den Krieg im Libanon hängt nun alles mit allem zusammen. Selbst das hinter den Kulissen gezeichnete Grand Design muss Steinchen-auf-Steinchen aufgebaut werden. Und alles andere wird dann ein Domino-Day-Rekordversuch in einer Halle, in der ein einziger Vogel frei herumfliegt. Und „Qana“ kann durchaus eine Voliere aufreißen.

Bush hat nun auf seinem Zettel, was er in St. Petersburg noch wegschieben konnte: ein Problem.
(c) HUBERT SMEETS, de Groene Amsterdammer

Dienstag, 15. August 2006

Ist das der neue Nahe Osten? - Teil 4 und Schluß

update 16.08.06, 21:50

Beirutlive und,

via
Politischinkompetent reloaded:

n-tv, Telepolis, Der Spindoktor, und The New Yorker.

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update 15.08.14:00

Und das steht heute im Spiegel:

Bushs Blaupause für Angriff auf Iran

Von Yassin Musharbash

US-Starjournalist Seymour Hersh hat Indizien dafür zusammengetragen, dass Israel den Bombenkrieg gegen die Hisbollah von langer Hand plante - und die US-Regierung Bescheid wusste. Die Offensive gelte in Washington als Testlauf für einen Iran-Krieg, zitiert er Experten.

Berlin - Es wäre bei weitem nicht das erste Mal, dass Seymour Hersh, Vorzeige-Journalist des Magazins "New Yorker", einen Skandal aufdeckt. Die Folterungen irakischer Gefangener durch US-Soldaten im Knast von Abu Ghuraib etwa hätten ohne den 1937 geborenen Enthüllungsexperten nie die Öffentlichkeit gefunden, die ihnen zukommt. Nun hat Hersh erneut zugeschlagen: In der aktuellen Ausgabe des "New Yorker" behauptet er, der Libanon-Feldzug Israels sei von langer Hand vorbereitet und die USA seien eingeweiht gewesen.
für den ganzen Artikel hier lang.

****************************************************************************************


Damit man nicht hin- und herscrollen muß, habe ich die Karte auch hier nochmal eingefügt:

new-20middleeast-1

In jedem Fall würde das hypothetische Neu-Zeichnen von Grenzen die ethnischen Verwandtschaften und das religiöse Zusammengehörigkeitsgefühl wiederspiegeln. Sicher, könnten wir einen Zauberstab schwingen und unter fortlaufender Diskussion die Grenzen ändern, würden wir vorziehen, dies selektiv zu tun. Studieren wir dann die so revidierte, die heutigen Grenzen zeigende Landkarte, so zeigt das schon, die Sinnhaftigkeit des Schlimmen, das die Franzosen und Engländer im 20. Jahrhundert einer Region angetan hatten, die sich von den Demütigungen und Niederlagen des 19. Jahrhunderts erholen wollte.

Grenzen im Sinne des Volkes zu verändern, mag unmöglich sein – bis jetzt. Doch zu gegebener Zeit – und unter dem begleitenden Blutvergießen – wird es zu neuen und natürlichen Grenzen kommen. Babylon ist mehr als einmal gefallen.

In der Zwischenzeit werden unsere Männer und Frauen in Uniform den Kampf für die Sicherheit vor dem Terrorismus fortsetzen – für die Zukunftserwartung auf Demokratie und den Zugang zum Öl in einer Region die dazu bestimmt ist, sich selber zu bekämpfen. Die gegenwärtigen menschlichen Teilungen und erzwungenen Zusammenschlüsse zwischen Ankara und Karatschi, zusammen mit dem selbst-zugefügten Leid, bilden einen perfekteren Nährboden für religiösen Extremismus, eine Kultur von Scham und Schande und die Rekrutierung von Terroristen, ale irgendjemand das erfinden könnte. Dort, wo Männer und Frauen reumütig auf ihre Grenzen schauen, schauen sie begeistert auf unsere Feinde.

Die Überversorgung der Welt mit Terroristen, der Energiemangel und die gegenwärtige Deformierung des Nahen Ostens verheißen eine Situation, die sich verschlimmert, nicht verbessert. Dies ist eine Region, in der nur die schlimmsten Nationalismen Fuß fassten und in der die deklassiertesten Elemente von „Religion“ drohen, einen enttäuschten Glauben zu dominieren. Somit können die USA, ihre Alliierten und ihre Streitkräfte sich auf endlose Krisen einrichten. Während der Irak ein Gegenbeispiel der Hoffnung bieten mag – sollten wir ihn nicht frühzeitig verlassen, werden sich in der übrigen Region die Probleme an fast jeder Front verschlimmern.

Wenn wir die Grenzen des Nahen und Mittleren Ostens nicht so ändern können, dass sie den natürlichen Grenzen von Blut und Glauben entsprechen, dürfen wir es als Glaubensgrundsatz betrachten, dass ein Teil des in der Region vergossenen Blutes unser eigenes sein wird.


Gewinner und Verlierer:

- Gewinner: Afghanistan, Arabischer Schiitenstaat, Armenien, Aserbaidschan, Freies Belutschistan, Freies Kurdistan, Iran, Islamischer Heiliger Staat, Jordanien, Libanon, Jemen.

- Verlierer:
Afghanistan, Iran, Irak, Israel, Kuwait, Pakistan, Qatar, Saudi-Arabien, Syrien, Türkei, Vereinigte Arabische Emirate, West Bank.

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Hier erstmal das, was user "Komiker" in Politikcity dazu geschrieben hat, hier der Beitrag von Boris Kalnoky,.


Es fällt in der Tat auf, daß bei diesem Planspiel die Länder der "Achse des Bösen" am Meisten profitieren, was mir weiterhin auffällt, ist, die Forderung danach, den al-Saud die Aufsicht über die heiligen Stätten wegzunehmen und sie unter die Kontrolle aller islamischen Länder zu stellen. Dies ist nämlich eine in der Wolle gefärbte iranische Forderung, und ich erinnere mich daran, daß es während einer Hadsch genau deswegen mal eine Auseinandersetzung gegeben hat.

Ganz offensichtlich scheint es ja auch so zu sein, daß die USA die al-Saud fallen lassen?

Hier noch mal ein nettes Bild.
Und das wo die jahrelang, zunächst von den Briten, und dann von den Amerikanern immer politisch unterstützt worden sind, und das Haus Haschem vom Posten der Scherifen von Mekka und Medina zugunsten von al-Saud runtergeschubst wurden, worauf die Söhne des letzten Scherifen mit Syrien (Faisal) und Jordanien (Abdallah) abgefunden wurden. Faisal (in Lawrence von Arabien verkörpert durch Omar Sharif) wurde, nachdem er sich in Syrien nicht halten konnte zum ersten König des Irak und hat den Briten geholfen, die arabischen Stämme zum Aufstand gegen die Osmanen aufzuwiegeln. Das alles beeinflusst den Nahen und mittleren Osten noch heute.
Und: kennt jemand das Faisal-Weitzmann-Agreement?
zeigt diese Geschichte für mich - "Zionismus" war für die Araber jener Tage eine berechtigte politische Bewegung und ich behaupte mal, daß Araber und Juden aus wohlverstandenem Interesse gegeneinander gehetzt wurden.

Das gehört für mich auch in eine Erörterung dieses Text mit hinein. Der Text lässt sich aus meiner Sicht zusammenfassen unter:
  • Die Befestigung des Anspruches, daß "wir" die Genzen verschieben und neue Staaten schaffen können, wie es "uns" gefällt - eine Haltung, die seit dem 19. Jahrhundert den ganzen Nahen und Mittleren Osten durcheinanderbringt und immer mit einer Frontstellung gegen den aktuellen "Feind" einherging und damit gerechtfertigt wurde: die Osmanen - die Deutsche - die Sowjetunion - der Terrorismus
  • Das Haus Saud geschwächt.
  • Iran und Syrien gestärkt. Welcher Iran, welches Syrien?

Sonntag, 13. August 2006

Newsticker

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Hier ist die UN-Resolution 1701.

Samstag, 12. August 2006

Update: Jostein Gaarder oder die Entgrenzung der Debatte

update: bei Beirut Live hat ein israelischer User gebeten, diesen link weiterzuverbreiten:
Haaretz: Nach dem Krieg um fünf. Ich halte das für einen Beitrag, der hier hin passt, auch wenn er JG nicht direkt thematisiert, zumal die dort verlinkten Artikel auch ganz vielversprechend zu sein scheinen.

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Daß es jetzt wieder "Norwegen" ist, ist reiner Zufall. Nehmt den Ländernamen metaphorisch, wie das "Andorra" des Max Frisch. Aber das neueste zum Thema "Antisemitismus" kommt jetzt wieder aus Norwegen: Jostein Gaarder entzieht Israel seine Anerkennung. Aus dem hier verlinkten blog entnehme ich die Kurzfassung, schlage aber vor, das komplette Posting dort zu lesen:

Zunächst: Natürlich verneigt sich Gaarder vor den Opfern der Verbrechen des Holocaust und der Judenverfolgung, und trotz seiner Radikalität durchsetzt Gaarder seinen Text mit den selbstverständlichen Verurteilungen von Terrorangriffen auf Zivilisten (durch Hisbollah), aber - fügt im gleichen Satz israelischen Staats-Terror hinzu. Er verurteilt die Entführung von Soldaten durch Hisbollah und Hamas, aber - er stellt ihr sofort die Entführung palästinensischer Abgeordneter und Minister gegenüber.
Vor allem jedoch: Er anerkennt das völkerrechtlich bestätigte Israel von 1948, aber - nicht das, was seitdem (aus seiner Sicht) daraus geworden ist, das Israel der Annexionen, das Israel, das der UN-Resolutionen und der Beschlüsse des Internationalen Gerichtshofs spottet, und das deshalb auch nicht hinter UN-Resolutionen Schutz zu suchen hätte. Er identifiziert den Staat Israel mit jenem radikalen religiös oder rassistisch fundierten Zionismus, der als rechter Mainstream die Regierung stellt, den Ausbau von Siedlungen vorantreibt und erbarmungslos Krieg führt. Diese Identifikation ist vermutlich die problematischste im Text. Ist es legitim, die radikalen religiösen und rassistischen Bevölkerungsteile Israels mit Israel zu identifizieren? Ist es illegitim, wenn doch diese Bevölkerungsteile die Politik des Staates Israel wesentlich zu bestimmen scheinen? Oder legitimieren gerade die jüdische und israelische Geschichte einen militanten Zionismus, der zur ethnischen und politischen Neuordnung des Nahen Ostens um der Existenz des jüdischen Staates willen gezwungen ist?


Über solche Texte kann man nichts schreiben, und sich dabei selber außen vor lassen. Wie "stehe ich also zu Israel?" Nun, eigene Erfahrungen fangen in der Familie an. Was habe ich vorzuweisen, kann ich zu meiner Entlastung vorbringen, hat sich doch so manche/R in Kleinbloggersdorf schon darauf festgelegt, ich sei eine Antisemitin, schon quasi per muslimischem Bekenntnis, qua Forderung, die libanesische Hezbollah differenziert zu sehen.
Es ermangelt mir am notorischen "Friends-of-Israel-Button, es ermangelt mir an der Bereitschaft, das Titelbild des Stern von letzter Woche

stern_israel_bashing

ohne Betrachtung sämtlicher zum Thema gehörigen Artikel als antisemitisch zu brandmarken.

Und jetzt der Text von Jostein Gaarder...

Dazu muß ich zunächst bemerken, daß mein Verhältnis zu Israel aus wenigen schlichten Punkten speist:
  1. Meine Familie stand fast ausnahmslos dem katholischen Zentrum nahe, der Partei Konrad Adenauers. Was das bedeutete, kann man in der Biographie Adenauers, jene Jahre betreffend, nachlesen.
  2. Meine Verwandten in den Niederlanden engagierten sich gegen die Judenverfolgung - vor dem 8. Mai 1945.
  3. Mein Vater wandte sich aus Liebe zu einem "slawischen Untermenschen" gegen den Rassenwahn. Als Oberfeldwebel der Wehrmacht, ebenfalls vor dem 8. Mai 1945.
Was mich persönlich betrifft: mein Israel-Bild wurde geprägt von
  1. Den jüdischen Freunden meiner Familie,
  2. von jüdischen Klassenkameradinnen und Kommilitonen,
  3. von dem Wort von Henryk Broder, daß für Juden der Staat Israel ein Ort sei, an den sie vor Verfolgung flüchten könnten, wenn sie denn wollten - ob jeder einzelne von ihnen wolle, sei dem gegenüber zweitrangig,
  4. von der Bemerkung des Sohnes zweier Schindler-Juden, Dr. jur Michel Friedman auf die Frage, warum er vor dem Jura-Studium zunächst Medizin studiert habe: auf Wunsch seines Vaters, denn "die Ärzte bringen sie als letzte um..." Der Plauderton, in dem Friedman das im Interview kundtat, ließ nur erahnen, wieviel Leid dahintersteckt/e, zu so einer Erkenntnis zu kommen. und wieviel Leid auch Michel Friedman wohl noch tragen musste.
Ich fühlte mich und fühle mich noch verbunden den Beiträgen von Juden nicht nur zu Deutschlands Kultur und Geistesgeschichte, ich habe mich beeindrucken lassen durch Maimonides und die Bibelübersetzung von Buber und Rosenzweig (link zu amazon hinter dem Bild):
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Mich hat das neue Zentrum Judaicum bewegt und die Stimme von Oberkantor Estrongo Nachama (auf das Bild klicken).
nachama

Der Staat Israel und die Soldarität zu ihm waren für mich immer genauso selbstverständlich, gehört doch die besondere Verantwortung gegenüber Israel zu den Gründungsgewissheiten unserer Demokratie. Und was Herr Schoeps hier behauptet, ist aus meiner Sicht schlicht nicht wahr. Mit zweierlei Maß wird aus meiner Sicht zu Ungunsten der Palästinenser und Libanesen gemessen. Und zweierlei Maß empfinde ich als Muslimin immer dann, wenn zwar klar ist, wie auch einer der Kommentatoren auf dem "Kulturtechnik-"Blog anführt, daß man die Juden als Religionsgemeinschaft und auch jeden einzelnen Juden nicht für die Politik Israels zur Rechenschaft ziehen kann, es aber als selbstverständlich gilt, daß sich Muslime gleich zu rechtfertigen haben für alle Mißstände der islamischen Welt.

Jetzt fängt es für mich allerdings an schwierig zu werden: seit einiger Zeit wabert, zusammen mit Anti-islamischen Tendenzen eine schmierige Israel-Huberei durchs Netz, vor der mich graust. Die wehenden Israel-Flaggen, die Friends-of-Israel-Buttons, die Behauptung, Israel sei jetzt aktuell besonders gefährdet, was jeden gleich schon wieder als Antisemiten denunziert, der hier dazu mahnt, sich das Gebrüll eines Ahmadinedjad mal aus der Nähe und in Ruhe anzusehen. Gibt es doch in Teheran 17 Synagogen, und - ich habe es schon mal hier gepostet - auch der Warschauer Pakt wollte zum letzten Mal den Westen im Jahr 1987 überrennen - die Reste der Vorbereitungen sind noch heute im Militärhistorischen Museum in Dresden zu besichtigen. Auch dies wurde bereits als Antisemitismus denunziert. - Die Frage erhebt sich, warum, und da hinein platzt Gaarders Text. Das, was auf Kulturtechnik dazu gesagt wurde, umfasst schon das Wesentliche, doch aus meiner Sicht bleibt noch eine Frag übrig: warum werden solche Texte diskutiert, und nicht die Texte der israelische Friedensbewegung?

Warum phantasiert die eine und die andere Seite denn monolithische Blöcke? Wer braucht das? Wer braucht das für das eigene Ego? Sprechen wir hier überhaupt über das reale Israel?

Daß Israel viel differenzierter ist, sieht man auch hier:
israel_at_odds_with_itself (pdf, 700 KB)

In diesem Bericht beschreibt der US-Nachrichtendienst "Stratfor", daß es mittlerweile in der israelischen Regierung zwei Richtungen bezüglich der Annahme der aktuellen UN-Resolution, insbesondere in Hinblick auf die Einsatzbefehle der Armee, zwei Richtungen gibt, die sich sogar in der Öffentlichkeit befehden: die eine sage, man könne die Hisbollah nicht besiegen, ohne hohe Verluste zu riskieren und einen Partisanenkampf heraufzubeschwören, die andere sage, einen Waffenstillstand zu akzeptieren, ohne die Hezbollah zu entwaffnen, hieße ein noch höheres Risiko einzugehen.

Das sind die unterschiedlichen Richtungen der israelischen Regierung, aber was im Himmelswillen treibt die Armchair-Strategen hier im sicheren Europa dazu, den Kampf bis zum letzten Israeli aufzunehmen? Wie war auch auf meinen Seiten zu lesen? So sinngemäß: die IDF macht das schon, die kann das sowieso am Besten?

Warum diskutiert niemand einen der Texte von Uri Avnery? (auf das
Bild klicken)
image_1033467379

Warum diskutiert niemand zum Beispiel diesen Text:

Wenn dieser Wahnsinn endlich zu Ende ist,
werden wir gemeinsam kämpfen – Israelis und Palästinenser, Syrer und Libanesen, jüdische und arabische Bürger Israels,
um gemeinsam ein normales Leben zu führen,
jeder in seinem freien Staat, Seite an Seite in FRIEDEN !



Rede von Uri Avnery, Demonstration 5.8.06 in Tel Aviv

Die schwarze Flagge der Illegalität weht über diesem Krieg.
Die schwarze Fahne der Trauer schwebt über uns allen.

Man sagt, wir wären eine Randgruppe, Außenseiter,
Und ich sage: ja wir sind Außenseiter, wie sind die Wenigen, die der kriegsdurstigen Mehrheit gegenüber stehen. Aber im nächsten Monat oder nächstes Jahr
wird jeder von uns stolz erklären: ich war hier.
Ich rief mit dazu auf, diesen verfluchten Krieg zu beenden.

Und Tausende, die uns jetzt verfluchen, werden im nächsten Monat oder nächstes Jahr dann behaupten, sie seien auch hier gewesen,
auch sie seien gegen diesen wahnsinnigen Krieg gewesen.

Hier stehe ich und im Namen der Demonstranten sage ich zu Ehud Olmert (Ministerpräsident des Staates Israel): Höre mit diesem Wahnsinn auf!
Der Krieg ist dir zu Kopf gestiegen! Du bist berauscht und vergiftet davon!
Ein Kriegs-Junky! Ein Krieg, aus dem nichts Gutes entstehen kann,
Hör mit ihm auf, bevor es zu spät ist!

Im Namen der Demonstranten sage ich zu Amir Peretz
(Verteidigungsminister des Staates Israel):
Viele, die hier stehen, haben dich gewählt.
Du hast sie belogen! Du hast sie betrogen!
Du gabst vor, ein Sozialreformer zu sein; du hast versprochen,
mehr Geld für Bildung und Wohlfahrt anstelle für die Armee auszugeben.
Jetzt bist du zuständig für Tod und Zerstörung.
Du bist zum Monster geworden. Hör auf, bevor es zu spät ist!

Im Namen der Demonstranten stehe ich hier und sage zu Hassan Nasrallah
(Chef der Hisbollah im Libanon):
Du hast eine gefährliche Provokation durchgeführt,
den Kriegstreibern hast du einen Vorwand geliefert;
du hast ihr Spiel gespielt. Lass uns jetzt aufhören!
Lass uns anfangen, zu verhandeln – Israel, Libanon und Syrien –
Gefangene austauschen,
Lasst uns aufhören, Bomben und Raketen abzufeuern.

Im Namen der Demonstranten stehe ich hier
und sage zu unseren palästinensischen Partnern:
Wir haben Euch nicht vergessen!!!
Wir wissen von den Abscheulichkeiten,
die jeden Tag in Gaza geschehen und in den anderen besetzten Gebieten.
Wir müssen zusammenarbeiten, um diesen Krieg zu beenden,
Gefangene auszutauschen, um Frieden zwischen unseren beiden Völkern zu stiften.

Im Namen der Demonstranten stehe ich hier und sage dem libanesischen Volk:
Als Israeli schäme ich mich zutiefst, für all das, was wir Euch antun,
für all die Verwüstung, die wir Euch antun, schäme ich mich abgrundtief.
Wenn dieser Wahnsinn endlich zu Ende ist,
werden wir gemeinsam kämpfen – Israelis und Palästinenser, Syrer und Libanesen, jüdische und arabische Bürger Israels,
um gemeinsam ein normales Leben zu führen,
jeder in seinem freien Staat, Seite an Seite in FRIEDEN !


oder diesen: 80 Thesen für ein neues Friedenslager.

Kann es sein, daß solche Texte wie der von Jostein Gaarder mehr mit uns als mit der realen Situation zu tun hat? Das Existenrecht Israels muß Israel sich genauso wenig verdienen, wie ein Einzelner sein Lebensrecht. Beides ist nicht und von niemand verhandelbar, es ist Axiom. Wer versucht, es zu verhandeln, überschreitet eine Grenze, die nicht überschritten werden sollte.
Und das tut Jostein Gardner, das tun die hysterischen "Friends of Israel" gleichermaßen, denn sie machen dieses Existenzrecht zur Projektionsfläche ihrer eigenen Bedürftigkeiten.
Daß Ralph Giordano da Angst und Bange wird, kann ich verstehen. Allerdings führt für mich ein gerader Wege von den Mohammed-Karikaturen hierhin: anything goes - oder doch nicht?

Ist das der neue Nahe Osten? - Teil 3

Damit man nicht hin- und herscrollen muß, habe ich die Karte nochmal eingefügt:

new-20middleeast-1
via Beirut Live aus der US-Amerikanischen Militärzeitung Armed Forces vom Juli diesen Jahres. Zum Vergrößern auf das Bild klicken.

Eine gerechte Anordnung in der Region würde die drei sunnitischen Provinzen des Irak als verkürzten Staat übriglassen, der sich möglicherweise mit Syrien vereinigt, das seine Strandzone an ein Mittelmeerorientiertes Groß-Libanon verliert.
Der schiitische Süden des alten Irak würde die Basis eines arabisch-schiitischen Staates bilden, der den größten Teil des Persischen Golfs umschlösse. Jordanien würde sein Territorium behalten und sich auf Kosten Saudi-Arabiens nach Süden ausdehnen. Der unnatürliche Staat Saudi-Arabien würde eine größere Demontage erfahren als Pakistan.

Ein Grundübel der weitverbreiteten Stagnation der islamischen Welt ist die Tatsache, dass die saudische Königsfamilie Mekka und Medina als ihr Lehen betrachtet.

Mit den heiligsten Schreinen des Islam unter der polizeistaatlichen Kontrolle eines der bigottesten und unterdrückerischsten Regimes der Welt – das große, unverdiente Ströme von Öl beherrscht - , waren die Saudis in der Lage, ihre Wahhabitische Vision eines formalistischen, intoleranten Glaubens weit über ihre Grenzen hinaus zu tragen. Der Aufstieg der Saudis zu Reichtum und – als Konsequenz davon – Einfluss, ist das Schlimmste, das der islamischen Welt als Ganzes seit den Zeiten des Propheten, und das Schlimmste, das der arabischen Welt seit den Osmanen (wenn nicht gar Mongolen) passiert ist.

Nicht-Muslime könnten keinen Wechsel in der Kontrolle der heiligsten Stätten bewerkstelligen, doch man stelle sich vor, um wie vieles gesünder die muslimische Welt wäre, wenn Mekka und Medina von einem rotierenden Rat von Repräsentanten der wichtigsten islamischen Schulen und Bewegungen eines Heiligen Islamstaates regiert würde– eine Art muslimischem Supervatikan – in dem die Zukunft eines großen Glaubens mehr diskutiert als dekretiert würde. Wirkliche Gerechtigkeit – die wir nicht mögen würden – würde auch Saudi-Arabiens küstennahe Ölfelder den Schiitischen Arabern geben, die in dieser Subregion leben, während ein südöstlicher Quadrant an den Jemen fiele. Beschränkt auf ein Rumpf-Territorium würde das Haus al-Saud wesentlich weniger Unheil über den Islam und die Welt bringen können.

Iran, ein Staat mit wirren Grenzen, würde einen großen Teil seines Territoriums an ein Vereinigtes Aserbaidschan, ein Freies Kurdistan und ein Freies Belutschistan verlieren, aber die Provinzen um Herat im heutigen Afghanistan dazugewinnen – eine Region mit historischer und sprachlicher Affinität zu Persien.

Iran würde im Endergebnis wieder zu einem ethnisch reinen Persischen Staat, und die schwierigste Frage wäre, ob es den Hafen Bandar Abbas behalten oder ihn dem Arabisch-Schiitischen Staat überlassen sollte.

Das, was Afghanistan im Westen an Persien verlieren würde, würde es im Osten gewinnen, da die Stämme des Nord-West-Territoriums sich mit ihren afghanischen Brüdern vereinigen würden (die Übung ist hier nicht, Landekarten zu zeichnen, wie sie uns gefallen würden, sondern so, wie die einheimische Bevölkerung sie bevorzugen würde. Pakistan, ein anderer unnatürlicher Staat, würde seine Belutschengebiete an ein Freies Belutschistan verlieren. Das verbleibende „natürliche“ Pakistan würde vollständig östlich des Indus liegen, abgesehen von einem kleinen Sporn in der Nähe von Karatschi.

Die Stadtstaaten der Vereinigten Arabischen Emirate hätten ein gemischtes Schicksal – genau wie in der Wirklichkeit. Einige würden im Arabisch-Schiitischen Staat aufgehen, der den Persischen Golf umschließt (ein Staat, der wahrscheinlich eher ein Gegengewicht als ein Alliierter des persischen Iran wäre). Und da alle puritanischen Kulturen heuchlerisch sind, würde Dubai notwendigerweise seinen Status als Spielwiese für reiche Lüstlinge behalten. Kuwait würde genau wie Oman in seinen gegenwärtigen Grenzen bleiben.
Fortsetzung und Schluss folgen.

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