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Genau!
Auch wenn ich im Moment nicht so häufig online...
bigberta - 8. Feb, 18:00
Alles klar...
vielen Dank. Dann muss ich wohl mit einem zweiten Blog,...
help - 16. Nov, 04:59
Applaus!!!
Das hätte ich jetzt nicht besser sagen können!...
bigberta - 4. Aug, 18:51
Ich denke, es handelt...
den Medienhype. Von diesem Ausschnitt kann man sicherlich...
bigberta - 4. Aug, 18:17
Du hast unbedingt recht,
und das ist mittlerweile ein Dauerthema...
bigberta - 31. Jul, 22:38

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Kritik der "Islamkritik"

Montag, 16. Oktober 2006

aus der TAZ: Gesundes Volksempfinden 2006

tazlogodruck
via lysis

Gesundes Volksempfinden 2006 Hervorhebungen von mir.
Wer knickt ein vor dem Islam? Diese Frage eint Feuilleton, Bürger und Rechtsextreme. Die ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Islamismus bleibt dabei auf der Strecke.
"Warum knicken wir vor dem Islam ein?" Das fragen die Bild-Zeitung, Sabine Christiansen und Poltergeist Henryk M. Broder. Und mit ihnen gemeinsam Hunderttausende im Land, die sich prinzipiell immer das fragen, was Bild, Sabine Christiansen und Henryk M. Broder vorfragen.
Die Beinahe-Absetzung der Mozart-Oper "Idomeneo" hat ein neues Gesellschaftsspiel eröffnet: Wer ist Einknicker und wer leistet Widerstand? Widerstand gegen die islamische Landnahme in Deutschland. Gegen die Macht der Mullahs. Gegen eine muslimisch-patriarchale Männerwelt in Neukölln und anderswo. Einmal mehr wird die Frage ventiliert: Ist der Islam kompatibel mit der Moderne? Vereinbar mit dem westlichen way of life? Darf der bildungsferne, nur mäßig akkulturierte Muslim so einfach in unserer Mitte leben?
Stellvertretend für ein ganzes Milieu formulierte der Chef des Axel Springer Verlags, Mathias Döpfner, bereits im November 2004, wenige Tage nach der Ermordung des holländischen Regisseurs Theo van Gogh, die Schicksalsfrage: "Was muss noch passieren, bis die europäische Öffentlichkeit realisiert: Es herrscht eine Art Kreuzzug, eine besonders perfide, auf Zivilisten konzentrierte, gegen unsere freien, offenen, westlichen Gesellschaften gerichtete System-Attacke fanatisierter Muslime."
Vieles ist seitdem passiert. Die linken Multi-Kulti-Träumer haben die Diskurshoheit verloren, die sie ohnehin nie hatten. Übernommen haben sie Widerständler von Format. Nennen wir zunächst den Welt-Autor und niederländischen Schriftsteller Leon de Winter. Er ist überzeugt, dass islamische Vorstellungen von Respekt, Ehre und Scham mit westlichen Werten nicht harmonieren können. Unermüdlich zieht de Winter mit einer Verve gegen die "falsche Toleranz" der Europäer vom Leder, die mitunter den schmalen Grat, der den Warnruf von der rassistischen Hetze trennt, überschreitet.
Assistiert wird de Winter von Publizisten wie Hans-Peter Raddatz: Für ihn ist der Islam eine Gewaltreligion. "Die Muslime sind zur Anwendung von Gewalt nicht nur berechtigt, sondern umso mehr verpflichtet, je weiter sich die Geltung der Scharia ausbreitet." An anderer Stelle schreibt der Orientalist, die islamischen Kulturkolonien in Europa bildeten ein nahezu ungestörtes Reservoir potenzieller Gewalt. Dies alles sind Argumentationsmuster, die ein wenig abgewandelt modifiziert auch von Diskurstitanen wie Alice Schwarzer und Henryk M. Broder unters Volk gebracht werden. Allen Genannten gemeinsam ist die Überzeugung, dass die Unterscheidung zwischen dem Islam als Religion und dem Islamismus als totalitärer Ideologie eine künstliche - oder zumindest äußerst problematisch - ist. Obgleich sie sich gerne in der Rolle der Aufklärer und einsamen Mahner sehen, artikulieren sie nichts anderes als das "gesunde Volksempfinden" im Jahr 2006. Wer wie Broder heute noch mangelnden Widerstand gegenüber Islam und Islamismus beklagt, hat schlicht die Entwicklungen der letzten Jahre verschlafen.
Denn ihre Stichworte werden längst von rechtsgerichteten Organisationen wie dem in Weikersheim ansässigen "Bundesverband der Bürgerbewegungen zur Bewahrung von Demokratie, Heimat und Menschenrechten e. V." aufgegriffen. Ihr Widerstand gilt vor allem dem Bau neuer Moscheen, ihre größte Sorge der Fruchtbarkeit der Muslime.
Auch die NPD, die lange (vergeblich) hoffte, gemeinsame antisemitische Sache mit Islamisten zu machen, hat ihre Zurückhaltung gegenüber der nach ihrer Auffassung "dem deutschen Wesen fremden" Religion aufgegeben. sic! BB
Seit letztem Herbst organisiert sie in bundesdeutschen Städten Märsche durch "islamische Wohngebiete": den nächsten am 4. November in Bremen-Gröpelingen.
Da entsteht ein bemerkenswertes Amalgam zwischen publizistischen Eliten, Rechtsextremen und gewöhnlichen Bürgern: Bereits im Mai 2006 veröffentlichte das Allensbach Institut eine Untersuchung. Sie ergab: 91 Prozent der Deutschen denken beim Stichwort Islam an die Benachteiligung von Frauen; 74 Prozent meinen, eine Moschee sollte nicht gebaut werden, wenn die Bevölkerung dagegen ist; 40 Prozent sind dafür, dass die Ausübung des islamischen Glaubens in Deutschland stark eingeschränkt werden sollte. Nur 25 Prozent glauben, dass es keinen Kampf der Kulturen gibt.
Ein ganzes Volk ist vereint im antiislamischen Widerstand. Viele LehrerInnen sehen in ihren arabischen und türkischen Schülern inzwischen keine Kinder mehr, sondern die Vorhut des Islamismus. Säkulare Deutsch-Türken werden von ihren Landsleuten zwangsmuslimisiert. Je ähnlicher die türkische und arabische Minderheit der Mehrheitsgesellschaft in Lebensführung, Wünschen und Werten wird, umso offener konstruiert die Mehrheitsgesellschaft anhand der Religion und ihr zugeschriebener Wesensmerkmale eine Grunddifferenz. Die Identität von Menschen wird über ein fehlendes Stück Vorhaut des Vaters definiert.
Die Auseinandersetzung mit dem Islamismus ist auf den Hund gekommen. An Stelle der knallharten Recherche dominiert das kulturalistische Propagandageschwätz. Berichte über Selbstmordattentate in Israel, widerliche antisemitische Propagandafilme aus Syrien und gesteuerte Karikaturen-Proteste aus dem Nahen und Fernen Osten werden "irgendwie" mit der muslimischen Minderheit in Deutschland verknüpft. Übersehen wird dabei geflissentlich, dass die Proteste deutscher Muslime gegen Mohammed-Karikaturen, gegen die Regensburger Rede des Papstes, gegen eine Aufführung von "Idomeneo" mehr als verhalten waren.
Doch der Islamismus in Deutschland ist kein feuilletonistisches Großereignis, kein kulturalistisches Debattenfeld: Er ist konkret. Er besteht aus Organisationen, Akteuren, Treffpunkten, Publikationen und Netzwerken. Dies alles ist mit investigativer Recherche aufzudecken. Die Akteure sind ebenso beim Namen zu nennen wie ihre Kollaborateure aus den christlichen Kirchen, der Politik und Gesellschaft - das ist Widerstand. Nicht der Generalverdacht gegen Muslime und ihre Religion.
Auf dem mühsamen Feld der Recherche haben die Mahner der Nation bislang jedoch nichts vorzuweisen. Schlimmer noch: Keiner von ihnen sprang in den letzten Jahren etwa den Berliner Journalisten Ali Yildirim und Claudia Dantschke bei. Seit über zehn Jahren liefern die beiden mit die wichtigsten Erkenntnisse über die islamistische Szenerie in Deutschland: Ohne ihre Recherchen hätte es kein Verbot der radikalislamistischen Hizb ut Tahrir oder des antisemitischen Hetzblattes Vakit gegeben. Und seit über zehn Jahren sind sie und ihre Informanten Messerattacken, zermürbenden und kostspieligen Rechtsstreitigkeiten, wirtschaftlichen Sanktionen, Einschüchterungsversuchen und gewalttätigen Übergriffen ausgesetzt. Das ist der Öffentlichkeit bekannt, auch den Widerständlern. Nennenswerte finanzielle und damit auch moralische Unterstützung leistete keiner. Nur eine - die Gewerkschaft Ver.di. EBERHARD SEIDEL

taz Nr. 8093 vom 7.10.2006, Seite 12, 241 Kommentar EBERHARD SEIDEL, taz-Debatte

© Contrapress media GmbH
Vervielfältigung nur mit Genehmigung des taz-Verlags

Montag, 18. September 2006

Kaiser Manuel, (S) Phrantzes und sonstige merkwürdige Quellen

Moin, Ihr Lieben, ich habe den gestrigen Abend und den Umstand, daß ich momentan rücken technisch etwas Probleme mit dem Sitzen habe, noch etwas genutzt, mich mal über den Kaiser schlauzumachen. Dazu darf ich erwähnen, daß ich gestern noch "Metropolis" geschaut habe, über die letzten Jahre von Byzanz. Und was ich da gelernt habe, will ich Euch nicht vorenthalten, also:

Manuel regierte als vorletzter der Paläologen, als das byzantinische Reich nur noch eine Ansammlung verstreuter Marktflecken war. Konstantinopel war im fünften Kreuzzug durch die "Lateiner" zerstört und geplündert worden. Sogar die Löwen auf dem Markusplatz sind ein Teil der Kriegsbeute von damals. Die Paläologen agierten hin und her und haben sich sogar an Tamerlan angewanzt, um ihren Thron zu behalten und es gab Thronstreitigkeiten auf beiden Seiten und ein Heidendurcheinander. Sach' ich ma' so flott, um klarzustellen, worum es - wieder mal! - nicht ging: Christentum gegen Islam. Es ging um Allianzen, es ging um Verrat, bloß ging es nicht um: Christentum gegen Islam. Manuel ist sogar durch Europa gereist, um Verbündete zu finden. Hat er aber nicht, sieht man von König Sigismund von Ungarn ab. Dem Papst kann der Schutz Konstantinopels vor den Osmanen so wichtig nicht gewesen sein, denn er knüpfte ihn an die Wiedervereinigung der Kirchen unter dem Primat des Papstes.

Wie nun die Dialoge? Es handelt sich um die "26 Dialoge mit einem Perser", die angeblich stattgefunden hatte, als Manuel sich als "Ehrengeisel" im Feldlager des Sultans befand. In
dieser Quelle auf Seite 8 im 2. Absatz steht zu diesen Dialogen:

Apart from the Emperor's writings there is no independent proof that the conversations ever took place. They must represent a mixture of facts and fictions.

Was übersetzt heißt: Abgesehen von den Schriften des Kaisers gibt es keinen unabhängigen Beweis, daß diese Konversationen je stattgefunden haben. Sie repräsentieren einen Mix aus Fakten und Fiktionen. Womit wir beim Thema "Fakten und Fiktionen" wären, das solches für bare Münze nimmt, und eine letzte Woche verstorbene Schreibse mit solchen Einträgen würdigt.

Wer's lesen will: Sterne rausmachen.

Da seht Ihr dann auch den Haushistoriker von Kaiser Manuel, (S)Phrantzes zitiert. Dazu Wikipedia, steht aber auch in anderen Quellen:

Wie Ihr daraus ersehen könnt, gilt das, was Sphrantzes uns hinterlassen hat, aus dem Grund als fragwürdig, weil man nie sicher sein kann, was in späterer Zeit in politischer Absicht hinzugefügt worden ist.. In der oben zitierten Quelle über den Kaiser Manuel steht, daß es eine traditionell anti-islamische byzantinische Polemik gegeben habe.

In dem oben zitierten Islamhasser-blog wird dann die "Schedel'sche Weltchronik zitiert (als Beweis für das, was Oriana F. schreibt). Dazu: bei allem Gewedel mit Israelflaggen sind sich solche blogs nicht zu schade, auch Quellen heranzuziehen, die ganz klar antisemitische Kapitel enthalten, und eine Lüge zu zitieren:

800px-Schedel_judenfeindlichkeit2
So kann, wie die zitierte Schedelsche Weltkronik schreibt, der letzte Byzantinerkaiser nicht enthauptet worden sein. siehe hier.

Was lernen wir daraus: Zitate und Quellen kritisch würdigen. Es sei denn, man ist "Islamkritiker".

Sonntag, 10. September 2006

Ich surfe durch Klein-Bloggersdorf und was finde ich? Dr. Mounir Herzallah

Who the f*** is Herzallah? Der Mann, der zum Kronzeugen wurde gegen die Schandtaten der Hizbollah mit einem wahrhaft *schnief* erschütternden Brief zuerst an den Berliner Tagesspiegel , dann an den Spiegel kommentierte:

herzallah

Hier die bewährte Technorati-Statistik und man sieht schon, daß es nach reichlich Getöse doch mittlerweile recht ruhig um den Shi'iten aus dem Libanon geworden ist:

Posts that contain Mounir Herzallah per day for the last 30 days.
Technorati Chart
Get your own chart!

Das Weblog Dennis'Internet World 2006 hatte schon Anfang August so seine Zweifel, doch der Spiegel hatte ihm die Autenthizität bestätigt. Ein Kommentierer bietet zum Beleg die Neocon Starblogger Malkin und Eureferendum als Referenz an, schließlich hätten die den Green Helmet Man...
Und nun finde ich heute in Menalog den kurzen und knackigen Bericht darüber, daß, wie schon - mit Ausnahme der "befreundeten Blogs" - vermutet, Herzallah ein Fake war, link zur FR online.
Dazu schreibt Menalog treffend:
Das Ding ist rum und hat seinen Zweck erfüllt. SO fonktioniert Propaganda.
Wohl wahr.

Mittwoch, 6. September 2006

Ist "Eurabien" unvermeidlich?

aus (auf das Logo klicken, um den ganzen Artikel zu lesen):
bg-page-logo

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von Mai Yamani.

Was ist es, dass junge Muslime im Westen anfällig für den Radikalismus macht? Was an der Art und Weise, wie die aufstrebende Generation der Muslime den Westen wahrnimmt, bringt eine kleine Minderheit dazu, Gewalt als Lösung ihrer wirtschaftlichen und politischen Schwierigkeiten zu betrachten und Selbstmord als Belohnung und Erlösung?

Großbritannien, wo sich vor bald einem Jahr die Bombenanschläge von London ereigneten, stellt einen Testfall bei der Suche nach Antworten auf diese Fragen dar. Für junge britische Muslime stellt unsere globalisierte Welt zentrale Glaubenssätze in Frage, destabilisiert dabei ihre Existenz und ermutigt damit zu einer Defensivreaktion. Natürlich garantiert ihnen die britische Staatsbürgerschaft die freie Meinungsäußerung und Minderheitenrechte, und die jungen Muslime nehmen deren Vorteile voll wahr. Doch sie nutzen diese Freiheiten, um familiäre und kulturelle Bindungen zur in sich abgeschotteten Welt ihrer ererbten muslimischen Identität zu vertiefen, insbesondere im Bereich der Politik.

In der Praxis bedeutet dies, dass viele junge Muslime sich vollständig in das Geschehen in der arabischen und muslimischen Welt versenken. Sie sehen, was auch wir sehen: eine Region, deren autokratische Länder korrupt und paralysiert zu sein scheinen. Aber sie sehen darüber hinaus ein nie da gewesenes Maß an Feindseligkeit seitens des Westens – und ein Regime nach dem anderen, das entweder gefährdet scheint oder sich dem Chaos ausgesetzt sieht. Afghanistan, der Irak, Palästina und nun der Iran: Sie alle scheinen Angriffsziele zu sein im „weltweiten Krieg gegen den Terror“. Infolgedessen erscheinen die strategischen Entscheidungen des Westens zahllosen seiner jungen Muslime als per se antiislamisch.

Diese Versenkung in den Nahen Osten macht an Universitäten, in Moscheen und auf Websites in Großbritannien den Kern der politischen Betätigung junger Muslime aus. Obwohl die meisten von ihnen weder Pakistans Pervez Musharaf noch Ägyptens Hosni Mubarak oder die Familie al-Saud unterstützen, betrachten sie die westliche Kritik an diesen Führern als Scheinheiligkeit mit dem Ziel der Manipulation und Marginalisierung – schließlich will der Westen diese Regime nicht wirklich zum Äußersten treiben.

Der Zugriff auf das Internet, Satellitenfernsehen und das Reisen ziehen diese jungen Muslime in eine Gemeinschaft hinein, die ihre Vision und ihren Zorn teilt


Den kompletten Artikel kann lesen, wer auf das logo klickt. Project Syndicate ist eine internationale Presseagentur, für die unter anderem auch unser ehemaliger Aussenminister, aber auch sonst eine Menge intellektuelle Schwergewichte schreiben. Ich denke, es lohnt sich, dort öfter mal vorbeizuschauen.

Sonntag, 3. September 2006

Der gekeulte Dialog

Weil die Antwort auf Diesen Kommentar von Carla doch wieder länger geworden ist, habe ich einen neuen Beitrag draus gemacht:

Zitat:
Big Berta:
„daß eben immer gleich die "Antisemitismus"-Keule geschwungen wird“

Gregor Keuschnig:
Ich bin der festen Überzeugung, dass die permanente Gesinnungskeule, jedem sofort verinnerlichten Antisemitismus zu unterstellen, kontraproduktiv ist.
Daniel:
Aber dass die Irren von der "Station 13" gerne die Antisemitismus-Keule schwingen, wenn ihnen sonst gerade nichts einfällt, ist ja nicht neu.
Hausaufgabe: wer schwingt wann und wo eine Keule? Ich habe den Verdacht, das es sich hierum eine ausgeprägte Antikeulenkeulenschwingerei handelt.

Antwort:

Warum habe ich von „Keule“ gesprochen? Weil ich das Gefühl habe, dass von so manchen jedwede Äusserung, die das, was Israel gerade macht, nicht 105% ig beklatscht, sofort ein „gewisser Unterton“ bescheinigt wird, und vieles mehr. Und, entsprechend der 18:82-Beobachtung: ist Dir mal aufgefallen, dass man von jenen möglicherweise 18% nie spricht, die in Israel gegen die regierende Politik sind? Warum hört man nichts davon, dass z.B. Daniel Barenboim mit Edward Said befreundet war, mit ihm Ein arabisch-israelisches Jugendorchester, den West-Östlichen-Divan gegründet hat, mit ihm zahlreiche Auszeichnungen bekommen hat.. Wenn Telegehirn im Kommentarbereich zu diesem Beitrag sinngemäß schreibt, wenn Frau Knobloch was gegen allgemeine Ausländerfeindlichkeit sage, werde das unterschlagen, so kann ich das nicht nachvollziehen, auch als Putativnotwehr nicht.

Zitat:
Charlotte Knobloch hat definitiv keine Keule geschwungen (Arne Hoffmann berichtet gar von Attacken), sie berichtet von einer Anti-Stimmung, die sie persönlich erfährt („Das sind die Grundlagen dieser Anti-Stimmung. Die gibt es in allen Bereichen. Wir organisieren zum Beispiel gerade ein Benefizkonzert, und sogar da kommen ablehnende, antisemitische Briefe“).
Big Berta: Die angebliche antijüdische Stimmung kann ich nirgendwo wahrnehmen

Zitat:
Gut, dann ist das natürlich gelöst. Frau Knobloch lügt und diese ablehnende, antisemitischen Briefe sind eine Erfindung.
Antwort:
Wenn ich sage, ich kann das so nicht wahrnehmen, heißt das keineswegs, dass ich ihr vorwerfe, dass sie lügt.

Zitat:
Oder sollten wir doch die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass Frau Knobloch recht haben könnte? Vielleicht könnte sie als Jüdin ein anderes Gefühl für Stimmungen haben wie Du als Muslima. Dafür hast Du ein ausgeprägtes Gefühl für antimuslimische Stimmungen, dass ich Dir auch niemals absprechen will.
Frau Knobloch spricht lediglich bei diesen Briefen, die wir nicht kennen von Antisemitismus, nicht im Zusammenhang mit Frau Wieczorek-Zeul oder Lafontaine, denen sie durch ihre Äußerungen eine Unterstützung dieser Stimmung entgegenhält. Ich halte das für nicht so abwegig.

Antwort:
„Briefe“ sind keine „allgemeine Stimmung“, aber ich will hier keine Haare spalten.

Zitat:
Mich würde einmal ein Beispiel aus den letzten zehn Jahren interessieren, wo das Schwingen dieser angeblichen Keule, obwohl sie unberechtigt war, Wirkung erzielt hat. Ich habe das Gefühl, dass es sich hier eher putative Notwehr handelt ohne überhaupt der Keule angesichtig zu sein und aus dieser Notwehr heraus umso mehr herumschwadroniert wird.
Wenn der Zentralrat der Muslime nach jedem Anschlag vor einem Generalverdacht gegen Muslime warnt, spricht auch niemand von einer Generalsverdachtskeule.(Ich sollte mir „Generalsverdachtskeule“ gleich bei wikipedia patentieren lassen)
Wenn wir schon bei Anschlägen sind: Erinnerst Du Dich noch auf die Reaktionen nach den Anschlägen auf die Synagoge von Düsseldorf?
Mit "tiefer Bestürzung" hat der Vorsitzende der Grünen, Fritz Kuhn, auf den Anschlag reagiert. "Wir dürfen nicht aufhören, massiv - auch mit Mitteln der Repression - gegen die Gewaltbereitschaft von rechts vorzugehen",
. Die PDS will sich vor allem für eine neue Bildungsoffensive einsetzen, denn "gegen Nazis in den Köpfen hilft am besten Bildung". Engagement sei auch in der Jugend- und Sozialarbeit wichtig. Die PDS-Innensprecherin Ulla Jelpke sagte, die Angriffe auf jüdische Einrichtungen seien Anschläge auf die Demokratie.
etc. etc.

Zum Generalverdacht: zugegebenermaßen aus unser aller Lieblingsblog, aber ist das Generalverdacht, oder ist das Generalverdacht?:
Daraufhin erklärte unser Co-Autor Turmfalke Herrn Posener in einem Beitrag, warum PI den Islam an sich für kritikwürdig und nicht mit den Menschenrechten vereinbar hält. Wohlgemerkt: Den Islam an sich, nicht den einzelnen Moslem.
oder:
Ablehnung des Islam (und den damit in Verbindung stehenden Menschenrechtsverletzungen) mit Rassismus in Verbindung zu bringen, entspringt der verbreiteten Haltung, Kritik an Fremdkultur grundsätzlich negativ zu bewerten, ohne diese Fremdkultur auf deren Übereinstimmung zu Grundgesetz und Menschenrechten zu überprüfen. Die mangelhafte Bereitschaft im Westen, islamische Kultur an den Maßstäben der Menschenrechte zu messen, geht einher mit einem von reinen Behauptungen und Vorurteilen geprägten, idealisierten Islambild, wie es medial und politisch verbreitet wird:
"Islam bedeutet Frieden", der Islam sei "nur" eine Religion...


Henryk Broder im Spiegel-Essay: "Wir kapitulieren:
Wir-kapitulieren (pdf, 2,584 KB)
"Die feinsinnige Unterscheidung zwischen Islam und Islamismus"
...die man sich, sieht man Herrn Broder's sonstiges Werk an, sparen kann. Und das sind keinesweges ver(w)irrte Einzelmeinungen.

Zitat:
Von antimuslimischer Stimmung keine Spur,
Antwort:
In dem Düsseldorfer Text nicht, aber das ist für mich kein Beleg dafür, dass es diese antimuslimische Stimmung nicht gibt. Und ich bestreite auch nicht – und haben nie bestritten – dass es in der islamischen Welt Antisemitismus gibt. Leider erfährt man allzu selten, dass es eben kein genuiner Antisemitismus ist, sondern ein langsam gewachsener. Das werde ich noch mal ausführlicher an anderer Stelle abhandeln und zwar mit einem anderen Thema: den „Ostlegionen“. In dem fühle ich mich nämlich wesentlich besser zuhause, weil ich zwei der Teilnehmer noch kennengelernt habe, einen Usbeken und einen Daghestaner, sowie jemand, von dem ich wirklich behaupten kann, dass er Muslim und Nazi war, nämlich einen von Skorzeny’s Männern. Aber dazu noch mal irgendwann später was, sonst komme ich hier wieder ins Plaudern.

Zitat:
sondern lediglich ein befreites Aufatmen, das es keine deutschen Nazis waren, obwohl einer der Täter sehr wohl ein Deutscher war. „Ob nun Neonazis oder schlicht antisemitisch motivierte Faschisten, ob Deutsche oder Araber - faktisch handelt es sich bei den Molli-Werfern auf die Synagoge um gewalttätige Antisemiten, bei denen Hitler-Bilder und faschistisches Propagandamaterial sichergestellt wurden.“ Der Düsseldorfer Oberbürgermeister bekundete : "Diese Nachricht erfüllt uns in Düsseldorf mit Genugtuung. Sie nimmt ein wenig von dem bösen Bild, das auf unsere Stadt gefallen ist."
Und schon ist das vollmundige Engagement eingeschlafen.

Antwort:
Wie leider die ganzen „Gesicht-Zeigen“ Arien. Was allerdings die Hitlerverehrung betrifft: die ist z.B. in Georgien wieder ganz virulent. Habe ich selber erlebt, dass in einer georgisch- nationalistischen Familie die Kids und Mama (Papa tot) mir erzählten, man bedaure lebhaft, dass Hitler den Krieg nicht gewonnen habe, und als Deutscher kann es Dir dann passieren, dass bei irgendwelchen Besäufnissen der Tamada (~Besäufnisvorsitzender) als freundliche Geste einen Toast auf Hitler und Stalin ausbringt und mit dem Wunsch schließt, dass das Highlight der Völkerverständigung, die Zeiten des Hitler-Stalin-Paktes doch wiederkommen mögen... Im christlichen Georgien...

Zitat:
Antisemitismus und „Islamophobie“ haben weitaus weniger etwas mit Religion zu tun als mit Rassismus.

Antwort:
Mit einer erstens gesellschaftlichen Stabilisierungfunktion (These nicht nur von Schiffer und anderen, sondern auch von Andorra) und einer individuellen Bedürftigkeit. Funktioniert allerdings auch andersrum, wie da Beispiel von "Tiziana" zeigt, und ich denke, bei vielen, die sich da so hervortun, hat das auch was mit Neu-Schreiben von Biographie zu tun: Ich bin wichtig, denn ich bin Muslim/Antisemit/Islamophob/Blogger. Bei den evangelikalen Christen heißt das dann: ich bin wiedergeboren. Weil individuell immer dazu gehört: mir wurden die Augen geöffnet über die Trinität/die Juden/die Musels/die Welt.
Erinnerst Du Dich noch an meinen seinerzeitigen Einstieg bei 13, wo ich – leider vergeblich – versucht habe, genau das zu erklären, nämlich, dass ich für mich in Anspruch nehme, so eben nicht „zum Islam gekommen zu sein“, nämlich mit der immergleichen Geschichte mit den Schwierigkeiten mit der Trinität.

Zitat:
Vermutlich hast Du die Aneinanderreihung der aus dem Kontext gerissenen „Gewaltsuren“ genauso satt wie ich.

Antwort:
Ich habe die Aneinanderreihung jedweder aus dem Kontext gerissener Sure satt. Weil fast die ganze Koranexegese in Europa unter aller Sau ist. Deutsche Koranübersetzungen – mit Ausnahme des Reimfragments von Rückert lese ich aus Prinzip mittlerweile nicht mehr, weder die muslimischen „Die ungefähre Bedeutung...“, noch die deutsch-orientalistischen. Die Sura Ya Sin habe ich nicht deswegen begriffen, weil mir irgendein dressierter Bescheidwisser – oder eine Bescheidwisserin mit irgendeine Platt-Exegese vorgekaut hat, sondern weil ich im Ramadan 1996 im Morgengrauen in Tamerlan’s Totenstadt, Shah-e-Zinda am Grab von Kussam -e-Abbas saß, und ein Gläubiger hat die speziell für mich gelesen: Morgengrauen, Schneetreiben in Samarkand. Und weil ich wenigstens ab und zu zu der Zeit, wie ich in HH war, in der – jetzt von Halima Krausen weitergeführten Koranstunde von Imam Mehdi Razvi aufgelaufen bin. Und wenn ich dem dann so manches Erlebnis eines angeblichen „Dialoges“ gegenüberstelle: da war ich mit Kollegen in der Milli Görus-Moschee in der Böckmannstraße eingeladen. Halima Krausen auch. Es kam auf Vers 4:34, Du weißt ja, „schlagt sie...“. Halima erklärt: es geht um schweren Ungehorsam und nur gegen Gott (hast Du noch das Shakespeare’sche „Turmoil in Nature aus Macbeth auf dem Schirm?) und selbst da ist Schlagen das Äusserste. Erscheint mit Verspätung ein ziemlich frisch aus der Türkei eingeflogener Imam, mit den Feinheiten des Dialoges noch nicht so vertraut. Auf die erneute Frage meiner Kollegen, wem die Frau Gehorsam schulde: na, in erster Linie ihrem Mann. Ja, und das Schlagen? Jedenfalls nicht ins Gesicht (worauf einer meiner Kollegen sich nicht verkneifen konnte, zu bemerken: na klar, der Rest ist ja auch zugehängt. Ja, was wäre denn so ein Beispiel für Ungehorsam? Wenn der Mann abends pünktlich das Essen will, und das ist nicht pünktlich auf dem Tisch. Alles klar, danke fürs Gespräch! Halima hatte Tränen in den Augen und ich habe auch hyperventiliert. Siehst Du, deswegen bin ich so fixiert von Muhammad Asad, dem Rabbinersohn aus Lemberg. Hier der Link zu seiner Koranübersetzung.. Zu ihm an dieser Stelle zwei Geschichten, nicht, weil ich mich wieder verplaudere, sondern weil das zur Frage des Suren-als-Wurfgeschosse (denn um das geht es ja hier) noch was Erhellendes beiträgt: Irgendwann geriet er in Medina mit irgendwelchen Religionsgelehrten in Streit, worauf einer ihm an den Kopf warf (sinngemäß), trotz Konversion sei er doch immer noch der gleiche verdammte rabbinische Jude wie wohl damals in Lemberg. Darauf er: na klar, aber jetzt verriete er ihm was über rabbinische Juden: die hätten alle denken gelernt, und somit fasse er das jetzt als Kompliment auf. Nur unwesentlich später hielt er es dann wohl für klüger, Saudi-Arabien zu verlassen. Das zweite: ich habe mich mal mit Khadija (you know ;-) ) darüber unterhalten, und die meinte, dass auch er das arabische Verb ‚daraba’ mit ‚schlagen’ übersetze, obwohl es nach dem Standardlexikon „Wehr“ 20 mögliche andere Übersetzungen gibt. Was sagt und das denn? Daß es offensichtlich auch in einem Rabbinerhaushalt um 1900 nicht unmittelbar anstößig war, wenn der Hausherr der Hausfrau mal ab und zu eine gescheuert hat, und somit auch Muhammad Asad kein Problem damit hatte, das so zu übersetzen.
Zusammengefasst: wie der Koran übersetzt wird, sagt in erster Linie was über den Übersetzer.

Zitat:
Einer Türkin nützt es nichts sich taufen zu lassen, sie wird weiterhin Objekt rassistischer Betrachtung zu sein, ein Jude kann hundertmal betonen, dass er Atheist und Kommunist ist, es rettet ihn nicht vor dem Verdacht an der Weltverschwörung beteiligt zu sein.

Antwort:
Ganz genau. Und sollten besagte Türkin und besagter Jude (man kann hier auch „Neger“ setzen) es zwar fast bis in die Rassistengesellschaft geschafft haben – in dem Moment, wo sie sich einbilden, sich so komplett so benehmen zu können, wie die „Herrenmenschen“, fällt das Beil. Das eindrucksvollste Beispiel ist für mich jener ostafrikanische ex-kolonialdeutsche Soldat mit dem Vornamen „Mohammed“, der noch unter den Nazis unbehelligt als „Schauspieler“ bei Bedarf den „Neger“ gab, wo ein „Neger“ gebraucht wurde. So zum Beispiel in dem Film "Ohm Krüger".
Eines Tages wurde er so übermütig, sich eine deutsche Freundin zuzulegen. Da verstanden die Herrenmenschen keinen Spaß, er landete im KZ und hat das dann nicht überlebt.

Zitat:
Die theologische und historische Auseinandersetzung findet so gut wie nicht statt.

Antwort:
Doch, tut sie. Sie fand im Großen statt und führte zu den Auffassungen des II. Vaticanum , genau Wie diese Jesuitische Stellungnahme . sie fand statt beim Besuch von Johannes Paul II bei Scheich Ahmed Kuftaro in Damaskus (wo das Bild, auf dem er den Koran küsst, aus meiner Sicht grob missverstanden wurde), und ich habe es in Samarkand erlebt, wo ich in der katholischen Mission gewohnt habe (weil ich von einem hilfreichen Menschen aufgelesen wurde) und beobachten konnte, dass einer der Imame seine Tochter zum Orgelspielen für die Messe vorbeischickte – so was glaubt einem hier kein Mensch – damit die Messe so schön wird, wie es sich für eine katholische Messe ziemt. Und ich habe das in Buchara erlebt, wo eine fromme russisch-orthodoxe Dolmetscherin wegen mir ihre eigene Geburtstagsfeier verließ, weil ich beim lokalen Scheich eingeladen war und wir uns hinterher ausführlich über das qalbi-Dhikr (qalb=Herz) und das orthodoxe Herzensgebet ausgetauscht haben. Dass Religionen miteinander klarkommen, ist nach meiner Erfahrung nämlich die Regel – wenn nicht die Politik dazwischen kommt und den Gläubigen einredet, die Religion schlechthin werde angegriffen – was sie nämlich vor dem 20.Jh, vor Bolschewismus und Nationalsozialismus nicht war, sieht man von der Französischen Revolution ab.

Zitat:

Wenn sie stattfinden würde, wäre ein Dialog nicht notwendig, sondern man könnte sich sehr schnell einig werden, zumindest was die Monotheisten angeht. Aber man sieht ja schon dann den Problemen der römisch-katholischen Kirche bei der Werbung um die sogenannten Ostkirchen, dass das dann doch nicht so einfach ist.

Antwort:

Nein, weil auch das historisch überfrachtet ist vom bis 1964 bestehenden religiösen Alleinvertretungsanspruch der katholischen Kirche, der enttäuschten Hoffnungen während der Kreuzzüge, als der Basileus in Byzanz die „Weströmer“ zur Hilfe rief, seine Macht zu verteidigen, und die weniger als das taten (Es ist nämlich absolut nicht so, dass „die“ Christen gegen „die“ Muslime kämpften, sondern sehr oft die einen Christen zusammen mit den einen Muslimen gegen die anderen Christen und die anderen Muslime. Oder, wenn die „einen“ kämpften, saßen die „anderen“ sozusagen mit Chips und Bier in der ersten Reihe anstatt zur Hilfe zu kommen. Und als Letzes und meiner Meinung nach Wichtigstes: “Katholische Kirche“ ist in Russland assoziiert mit „Polen“. Und was wenige hier im Westen wissen: vielen Russen gilt Polen heute noch als „Erbfeind“. Es gab nämlich Zeiten, im Grunde genommen fast bis zur Ersten Polnischen Teilung unter Katharina II, da bedrohte ein Polnisch-Litauisches Großreich, das von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer reichte (weswegen es seit 600 Jahren Muslime in Polen gibt und heute eine anerkannte muslimische Interessenvertretung, die von den Gotteskriegern genauso genervt ist, wie die Katholiken). Hier mal die spätere "multikulturelle" Doppel-Republik mit Karte. und Hier eine Zusammenfassung "Islam in Polen". Ich will mich nicht zu der Vermutung versteigen, dass es nur zu dieser Ersten Teilung kam, um dieses Großreich zu zerschlagen, aber möglich wäre es. Ja, und das letzte Mal kriegten die Russen von den Polen 1920 eins auf die Mütze.. Und all das schwingt mit, wenn ein Russe sich den Katholizismus denkt.

Zitat:

Ähnliches haben die Sunniten und Schiiten zu vermelden, von den Aleviten ganz zu schweigen.

Antwort:

Auf das Glatteis „Aleviten“ begebe ich mich nicht, dazu weiß ich darüber zu wenig, aber ich denke, dass sie nicht zuletzt deswegen in der Türkei Schwierigkeiten haben, weil die Schnittmenge zu "Kurden" groß ist (den
Wikipedia-Artikel halte ich für fehlerhaft, denn zumindest zählt er einige zu den Aleviten, die in übereinstimmenden, auch westlichen Quellen zu den Muslimen gezählt werden.
Beim ersten Überfliegen habe ich hier allerdings auch eine "politische" Begründung für den türkisch-alevitischen Gegensatz gefunden.

Das Verhältnis von Sunniten und Schiiten wird aus meiner Sicht zu 98% von Politik bestimmt, nicht zuletzt im Irak.

Zitat:
Was ist nun das Problem mit dem genialen Neologismus „Islamophobie:“, wenn wir den gemeinen Rassismus ausklammern? Es hat sich zu dem Islam der Gläubigen weltweit, der auch auf Ungläubige eine Faszination ausüben kann (die 82%) ein Bündel von Fantasieislamen gesellt, die den Koran als Krabbelkiste zur Zusammenstellung ihrer Projektionen (unter Zumischung einiger unappetitlicher Beilagen) benutzen und die Kriterien erfüllen, als wären sie den Fantasien von Islamophoben entsprungen, die damit wenn sie diese Kriterien im klassischen Zirkelschluss aufzeigen und kritisieren und damit unter den Islamophobieverdacht fallen.

Antwort:
Was die Fantasieislame à la Terziana betrifft: diese entspringen m.E. dem gleichen psychologischen Mechanismus, mit dem jemand sich einen Phantasienamen á la Bragadino, Verteidiger Wiens oder Karl Martell anhängt (wobei man zumindest auf dem Martell-blog bei myblog dann auch noch phobische Sexualisierung bzw sexualisierte Phobie wie aus dem Lehrbuch der Psychopathologie bewundern kann). Man „ist wer“. Der Verteidiger von Irgendwas oder eine Mutter der Gläubigen. Früher war das die Vorhut der Revolution – „Tupamaros Westberlin“ zum Beispiel. Und ich bin nicht geneigt, die „islamische Variante“ für weniger dämlich zu halten, als die anderen. Da gab es Ende der 90er mal einen Artikel im Spiegel, der sich mit Recht darüber lustig machte, wie konvertierte Schwiegertöchter die Familie ihres Ehemannes dann darüber belehrten, wie Islam „richtig“ ist...
Die spirituell eigentlich sinnvolle Übung des Namenswechsels, die in allen Religionen ursprünglich eine Zielfestlegung war, wird so zur Karl-May-Posse. (Mein „islamischer Name“ ist einfach mein zweiter Vornamen, Maria/Maryam, und ich habe mir damals goarnix Großartiges dabei gedacht, ich hatte bloß keine Lust, die 1000ste Aisha oder Fatima zu werden. Heute würde ich mich allerdings schlicht weigern, mich noch mal dergestalt islamisieren zu lassen, und ich war auch eine der ersten, die ihren „ursprünglichen“ Namen immer mitgenannt hat: Maryam Dagmar). Nicht zuletzt führt eine derartige Putzigkeit wie das Überhängen einer nicht zugehörigen Identität dann dazu, dass, wie in meinem Freundeskreis geschehen, jemand in einer türkischen Moschee zur „Emine“ wird, dann einen ägyptischen Gatten ehelicht, der fortan hyperventiliert, wenn die Holde nicht „Amina“ genannt wird.
Aber jetzt zu „Krabbelkisten“, Projektionen und Unappetitlichkeiten: ich denke, dass das ein Kennzeichen von Sekten ist. Man bist bei einem Verein, der immer Recht hat und das ist klasse. Nimm Dir mal eine Sektenhandreichung der evangelischen Kirche zur Hand, und Du verstehst, was ich meine. Nicht zufällig waren einige der zugehängtesten Muslimas früher mal beim Bhagwan und nicht zufällig ist der nächste Schritt dann „Faithfreedom“ oder was ähnliches, wenn der Gatte, der Niqab und der Islam dann auch nicht zur allumfassenden Glückseligkeit verhelfen konnten. Es wäre aus meiner Sicht übrigens noch hinzuzufügen, daß sich so mancher der eifrigen Israelschwenker aus meiner Sicht auch nicht Israel meint, sondern auch ein von ihm selber fantasiertes "Israel", nicht die USA, sondern die Fantasie-"USA", nicht Condi, sondern "Condi", etc, etc.

Zitat:
Die absurde Welt des Muslim-Markt kann sich nur jemand ausgedacht haben, der den Islam und die Muslime abgrundtief hassen muss.
Ist eigentlich jemand überrascht, warum dieser Fantasieislam gerade in Deutschland auf fruchtbaren Boden fällt? Nein, nicht wirklich.

Antwort:
Wie ich ja bereits mehrfach erwähnt habe, habe ich mich schon lange aus dieser ganzen „Szene“ zurückgezogen, weil ich den Eindruck habe, dass „Islam“ heute nur noch dem Übertünchen kaputter Biographien dient (diente er der Heilung, wäre das ja in Ordnung), wenngleich ich weiß, dass auch solche Leute wie der in
diesem Artikel geschmähte Muhammad Siddiq sich schon ehrlich bemühen, für ihre Schäfchen das Gleiche zu leisten, wie ein christlicher Pfarrer für die Seinen, was er auch sehr oft musste. Auch, wenn seine Auffassung von Islam sich schon lange mit der Meinen nicht mehr deckt, lasse ich menschlich auf ihn nichts kommen und auf seine Frau schon gar nichts. Daß Muhammad Siddiq übrigens dem wahhabitischen Islam in die Arme lief, ist für mich aus seiner Biographie verständlich: aus der DDR über die Mauer in die Moschee...
Aber es ist nach meiner Erfahrung nicht nur Deutschland, wo der Fantasieislam blüht, sondern ganz allgemein überall dort, wo sich zu viele Konvertiten auf einem Haufen tummeln. Kenne ich auch aus den Niederlanden und Großbritannien, wobei zu sagen ist, dass es da ja auch genügend Querverbindungen gibt. Und ich behaupte mal, dass auch dieser unsägliche Muslim-Markt eher konvertitisch als schi’itisch geprägt ist. Es gibt im Übrigen laut DeLaHoya von Politikcity ein türkisches Sprichwort:
Vertraue nie einem Konvertiten den Gebetsruf an, er verdirbt ihn mit seinem Gekreische...

Zitat:

Lösungsansatz: So lange nicht alles auf dem Tisch liegt und offen ausgesprochen wird, wobei auch sämtliche Empfindlichkeiten zurückgestellt werden müssen, ist keine Lösung absehbar. Es ist für Atheisten und Polytheisten mindestens genauso schwer in die Wunderwelt des Monotheismus einzutauchen wie umgekehrt.

Antwort:

Neben dem, was gemeinhin - zu Recht oder zu Unrecht - "Dialüg" genannt wird, gibt es längst solche institutionalisierten Gemeinsamkeiten wie iher in Hamburg und hier das Programm von 2004 von der Website von Halima Krausen. Und hier noch ein Beispiel für eine solche Veranstaltung in HH. Das nur mal mit Hamburg als Beispiel. Oder hier: Bendorf. Von meinen Erfahrungen in der ehemaligen Sowjetunion, wo man sich interreligiös zusammenschließt um gemeinsam anstehende Probleme zu lösen, zur Zeit meines ersten Besuches in Samarkand die Abwehr von Scientology und weiteren amerikanischen Sekten. Weißt Du, ich will weißgott hier niemanden schmähen, der sich um unterdrückte Frauen, Terrorismus u.ä. sorgt, aber auf sehr viele „Islamkritiker“ scheint mir ein böses Bonmot aus der Krebs-Forschung zu passen (wurde mittlerweile auch schon auf AIDS aktualisiert), das man bloß entsprechend umschreiben müsste: Von Krebs leben heute schon mehr als an Krebs sterben.

Zitat:

Dann noch eine Anmerkung zu Zuckermann: es lohnt sich das ganze Gespräch zu lesen, es ist einer der intelligenteren Beiträge zur Israeldebatte, weil er nicht polarisiert, sondern sehr viele Aspekte miteinbezieht.
Damit kann ich auch die überfällige Antwort geben, zur Unterscheidung von Islamofaschismus und islamischen Faschisten.

Antwort mit Zuckerman:
Einige Publizisten sprechen von einem "Islamofaschismus". Auch George W. Bush hat jüngst wieder verkündet, der Westen befände sich im Krieg mit "Islamic fascists".

Moshe Zuckermann: Das ist ein hanebüchener Ausdruck. Der islamistische Fundamentalismus hat mit Faschismus, betrachtet man die Analysen des Faschismus, die in den 60er Jahren geleistet wurden, gar nichts zu tun. Wenn wir unter Faschismus verstehen, was sich in einer bestimmten Epoche in Italien, Ungarn, Spanien, später dann als Nationalsozialismus in Deutschland in einer radikalisierten Sonderform formierte, so stellt dies etwas ganz anderes dar als die Bewegungen des radikalisierten Islam. Der Islam ist von ganz anderen Momenten angetrieben und hat ganz andere Zielsetzungen. Das hat nichts miteinander zu tun. Man muss schon den Begriff des Faschismus inhaltlich entleeren, um oberflächliche Ähnlichkeiten ausmachen zu können. Will man mit "Islamofaschismus" nur ausdrücken, dass es sich um den Kult einer monolithischen Ideologie handelt? Dann muss man sich aber dennoch mit der Tatsache auseinandersetzen, islamische Fundamentalismus theokratisch ist, während der Faschismus tendenziell nicht- oder auch antireligiös war. Ich halte diesen Begriff für inhaltsleeres Gerede. Natürlich greifen auch einige europäische Linke das gerne auf, denn was wäre gerade für Linke attraktiver, einen Kampf gegen den "Faschismus" führen zu können. Der Primat des Staates, wie er im historischen Faschismus eine Rolle spielte, spielt beispielsweise im islamischen Fundamentalismus eher eine untergeordnete Rolle. Oder die Figur des monolithischen "Volksgenossen" im Nationalsozialismus ist im Islam nicht anzutreffen. Auch die Vorstellung von "Gemeinschaft" ist im Islam ganz anders als das, was im Begriff der "Volksgemeinschaft" anklingt. So kann beispielsweise die Ummah auch im Sinne der Diaspora verstanden werden. Von daher glaube ich, dass dieser Begriff eher polemisch als analytisch gebraucht wird. Die Tatsache, dass ihn Bush verwendet, ist im übrigen Grund genug, ihn nicht zu verwenden. Es drängt sich ja eine andere Frage auf, nämlich ob die zu weiten Teilen freiwillig erfolgte Gleichschaltung der USA im Kampf gegen den Fundamental-Islam nach dem 11. September, was die Presse und ähnliches betrifft, nicht als eine Faschisierung der Gesellschaft zu bezeichnen wäre.


Zitat:
Ich habe schon letztens geschrieben, das ein Glaube nichts zur Politik beitragen kann, allerdings Gläubige Politik machen können und so wie Christen Nationalsozialisten werden konnten könne Muslime auch Faschisten werden. Auch der Koran ist nicht davor gefeit in so weit pervertiert zu werden, das er in ein faschistisches Weltbild passt.

Antwort:

Einverstanden.

Zitat:

Interessant wäre hierbei, dass zum Beispiel die Salafis (Achtung *.pdf) sich entschieden gegen die Qutbisten wenden, die Vertreter dessen was ich oben als Fantasieislam bezeichne, der sehr wohl faschistische Elemente beinhalten kann.

Antwort:
Ich habe wirklich viermal ansetzen müssen, um mir dieses Zeug reinzuziehen. Man könnte es abtun als Unterhaltung: Judäische Volksfront vs Volksfront von Judäa oder das Revierabpinkeln unkastrierter Kater, wenn nicht auf solcherart verkommenen Diskurses. Und hier das neueste Beispiel des geradewegs in die Sprengmuselei führenden theologischen Unfugs.

Zitat:
Das was Zuckermann vermisst im fundamentalistischen Islam zu recht vermisst, haben einige Gruppierungen in ihrem Programm, z.b. Hizb-ut-Tahrir.

Antwort:
Hier einiges aus dem Buch von Ahmad Rashid:
Hizb_ut_Tahrir (pdf, 267 KB)
Wenn man die gängige Faschismusdefinition zugrunde legt, die ein modern(istisch)es Element legt, trifft das auf Hizb-ut-Tahrir nicht zu.

Zitat:
Auch der Brief von Ahmadinejad, selbst wenn er mit religiöser Garnierung daherkommt, ist weitaus näher an nationalsozialistische Ideologie als im Islam zu verorten.
Das hat nichts mit einer Dämonisierung zu tun, sondern mit einer textkritischen Bewertung.

Antwort:
s.o.
und jetzt noch mal ein Keulchen (aus noch einem Lieblingsblog):
Coffee_Annan_sm

Zu Deinem zweiten Beitrag:
"Nicht nur Ausmaß, sondern auch Qualität der den Juden zugeschriebenen Macht unterscheidet den Antisemitismus von anderen Formen des Rassismus." (Moishe Postone, "Nationalsozialismus und Antisemitismus", in: Merkur, H. 1/1982 (der Link verweist nicht darauf...)

Welche Macht hat jemand, dem man "vorauseilenden Gehorsam schuldet?

Sodele, that's it.
Schönen Sonntag noch und liebe Grüße
BB

Dienstag, 29. August 2006

Meine Antwort für Carla -oder: Islam in den Medien, die zweite

So, wie versprochen, jetzt hier meine Antwort, den ersten Text habe ich irgendwie versenkt, deswegen jetzt auch als Beitrag -
also:
Zunächst die von Dir beanstandete „Rassismus“-Aussage finde ich in Ordnung. Es geht um die Begriffe „Rassismus“ und „Projektion“, ach ja, und um „Wegweisen als Entlastung“.
Fangen wir mit dem „Wegweisen“ an: warum bringst Du denn zum vierten Mal das Khamenei-Zitat? Der Zusammenhang zu einer Analyse der deutschen Medien ist mir nicht klar. Vielleicht hilft Frau Schiffer hier weiter? Liest man sich die recht lange Rede durch, findet man zum Schluss:
Der blinde grausame Terrorismus, welcher ein Vorwand für die Besatzer des Irak ist, um den Islam und die Muslime anzugreifen, und eine Rechtfertigung zur Aufrechterhaltung der militärischen Besetzung dieses islamischen Landes, ist zurückzuweisen und wird verurteilt gemäß den islamischen Lehren.
Man hätte also, wenn man denn gewollt hätte, auch etwas anderes aus dem gleichen Text zitieren können.
Womit wir beim Problem der Auswahl wären. Aber das wollte ich jetzt nicht weiter vertiefen. JedeR wählt das aus, was ihm/ihr gefällt und das ist das gute Recht, wenn man es denn nicht übertreibt.
Wie gesagt, was der - hier zum vierten Mal gepostete - Text von Khamenei im Zusammenhang der Frage "Islam in den Medien" zu suchen hat, ist mir nicht ganz ersichtlich.

Und wieso ist der Text aus Mekka "Islamophobie"?

Aber lesen wir, was Frau Schiffer dazu - Unter der Überschrift : " Verallgemeinerung ausgewählter Faktoren aus der islamischen Welt" schreibt (S. 45)
Die Betonung liegt hier auf dem Lexem ,Auswahl', denn es läßt sich feststellen, dass für jedes Negativbeispiel aus den sogenannten islamischen Ländern auch mindestens ein Gegenbeispiel zu finden ist...
Und sie bringt zwei Beispiele:
In Ägypten dagegen liegt der Anteil weiblicher Universitätsprofessoren bei 30%, in Deutschland betrug er 1998 9,5%...
und:
Wie stark unser Blick auf etwaige Defizite und Mißstände ausgerichtet ist, wird auch deutlich, wenn vom Namensrecht nicht die Rede iost. Das erst kürzlich in europäischen Ländern erstrittene Recht der Frau, ihren Geburtsnamen beizubehalten, ist in der sogenannten islamischen Welt von jeher Usus.

Ich könnte noch so einige weitere hinzufügen: Das Recht auf eigenes Vermögen - dern Frauen zu Zeiten des Propheten zugesichert - ist in den siebziger Jahren erst in Deutschland gesetzlich verankert. - Jetzt google Du mal und zwar §1356 BGB in seinen älteren Fassungen...

Ich könnte hier noch Sabiha Gökcen anführen, Adoptivtochter Atatürks und erste Kampfpilotin der Welt und Namenspatronin des zweiten Istanbuler Flughafens,
gokcen_3_250

über die der deutsche Wikipedia-Beitrag schreibt:
Im Jahre 1951 nahm sie auch am Korea-Krieg teil. Sie war Mitglied des 1. Luftwaffenregiments in Eskişehir. Für besondere Tapferkeit vor dem Feinde, die sie bei ihren zahlreichen Einsätzen immer wieder unter Beweis stellte, wurde ihr der höchste Fliegerorden verliehen und sie wurde in den Rang eines Majors befördert.
Sabiha Gökçen hatte die Leitung der Kampfpilotenausbildung der türkischen Luftwaffe inne. Sie war noch bis 1955 im aktiven Militärdienst tätig.


Ja, und dann kommt Frau Schiffer zum Schluß:
Dies ist ein Beispiel, das verdeutlicht, wie durch das sprachliche Zeigen auf ,die Mißstände dort' von hiesigen Umständen abgelenkt wird. Wegverweisung dient immer der Stabilisierung der eigenen Ordnung.

Nasr Hamid Abu Zaid? nix für ungut, aber hast Du auch sein bekanntestes Buch
gelesen? (S.171):
Wir bekämpfen auf nationaler und arabischer Ebene den rassistischen Zionismus, der die Menschen nach ihrer Religionszugehörigkeit klassifiziert, lehnen den zionistischen als konfessionellen Staat ab und fordern einen Staat für alle Glaubensrichtungen.
Hama? Also, was das jetzt mit den deutschen Medien zu tun hat, verstehe ich auch nicht. Muß ich übrigens nicht googeln, ich kenne bzw. kannte Leute, die damals dabei waren. Oder mit dem Islam? Ein laizistisches Regime massakriert Religiöse (die Muslimbrüder). Doch nicht: dem Islamkritiker ist alles Islam?

Dazu schreibt Schiffer (S. 15), eine andere Arbeit zitierend:
Diese ,monolithische Gegenwahrnehmung' - verbunden mit einem ,subjektiven Bedrohungsgefühl' führt zu einer Überschätzung der Zentralität und Geschlossenheit des Gegners' und bildet ein typisches Wahrnehmungsmuster im Bild vom Feind.
nämlich:
  1. Eine starke Homogenisierung der genannten Gruppen.
  2. Ein Worst-Case-Denken.
  3. Ein duales Schwarz-Weiß-Denken.
  4. Das Anlegen eines doppelten Maßstabs bei der Beurteilung der ;in-' bzw. ,outgroup'.
  5. Projektionen bestimmter eigener Merkmale auf ,die anderen'.
  6. Sich-selbst-erfüllende-Prophezeihungen.

Eshkevari? Bittesehr. Aber was hat das mit den deutschen Medien zu tun?
Ich sach' ma': Weniger als das hier.

Ruud (25.8.06 14:52)...
Wenn Du nach Lösungsvorschlägen fragst:
Es müsste Schluss sein mit Unterscheidungen wie "Islamist" und "Moslem". Solche hohlen Kunstbegriffe sollen nur das Märchen vom friedlichen Islam weitertragen.
Der gesamte Islam braucht nicht unter "Generalverdacht" gestellt werden, der Beweis für seine Grausamkeit ist doch längst erbracht. Braucht man nur den Koran aufzuschlagen und nachzulesen.
...
Damit wäre schon viel erreicht, so eine Botschaft würde das Leben für diese Parasiten hier unangenehm machen und sie würden weiterziehen.
Viele Moslams wären sicherlich dankbar dass die Scharfmacher weg wären und wir könnten friedlicher als bisher zusammenleben.


Parasiten! Du erinnerst Dich?
ich meine daran, wie maitreBragadiddl mir argumentativ belegen wollte, daß das Belegen von Menschen mit diesem Begriff so seine Richtigkeit hat?

Und sogar für die oben beschriebene Kunstfigur:
Argumentationsfiguren auf, die einem aus der Islamfeindschaft der Gegenwart bekannt vorkommen: Die Juden, so hieß es, vermehrten sich gefährlich stark, gefährdeten mit ihrem Terrorismus unsere Werteordnung („Hatten nicht mehrheitlich jüdische Attentäter 181 Zar Alexander ermordet? War der Mörder des US-Präsidenten McKinley 1898 nicht ein jüdischer Anarchist?“), auch der Rauschgifthandel war angeblich „in jüdischer Hand“. Schiffer: „Die Juden konnten es den Nichtjuden nicht recht machen. Entweder sie bewahrten ihre Kultur (auch äußerlich), dann wurden sie als integrationsverweigernd und antideutsch eingestuft, oder sie assimilierten sich, dann wurde ihnen Verstellung und Parasitentum unterstellt.“
gibt es - nicht nur in meinem Lieblingsblog - mittlerweile ein Äquivalent. Dem Anti-Musel ist eben alles Musel:

Dem_Antimusel_ist_alles_Musel

Und, wie du siehst, das Fallaci'sche Ratten und Parasitenbild findet sich schon wesentlich früher wie Du ja weißt:
intro_rattenbio_ratten

Zitat aus dem Film "der ewige Jude":
Die grafisch dargestellte Wanderung der Juden aus Osteuropa wird mit der Wanderung von Ratten verglichen:
O-Ton: „Wo Ratten auch auftauchen, tragen sie Vernichtung ins Land, zerstören sie menschliche Güter und Nahrungsmittel. Sie sind hinterlistig, feige und grausam und treten meist in großen Scharen auf. Sie stellen unter den Tieren das Element der heimtückischen, unterirdischen Zerstörung dar – nicht anders als die Juden unter den Menschen.“

Oriana Fallaci in "die Kraft der Vernunft, S. 57: ein Satz (brutal, das gebe ich zu, aber treffend, mit dem ich mich ins Französische übersetzt hatte: "Ils se multiplient comme les rats" - "Sie vermehren sich wie die Ratten". Maus: frz: souris.

Und "Rassismus"? Also, die Definition, das es sich lediglich um einheitliche körperliche Merkmale handeln müsse, benutzt heute eigentlich niemand mehr.
Auch die deutsche Wikipedia sagt, daß Rassismus sich gegen Gruppen richtet/richten kann, die lediglich durch ihre Mentalität verbunden sind:
Rassismus ist die Bezeichnung für jede Theorie und Praxis, die Menschen auf Grund realer körperlicher Merkmale (wie z. B. Hautfarbe, Gesichtszüge) mit Werturteilen versehene Eigenschaften (z. B. eine bestimmte Mentalität) und einen unterschiedlichen Status zuteilt.
Sonst würde ja auch die nationalsozialistische Judenverfolgung dem nicht mehr entsprechen, hat man doch unter dem Begriff jüdische "Rasse" blonde Nord- Mittel und Osteuropäer, schwarzhaarige Süd- Mittel- und Osteuropäer, ethnische Türken (klick mal oben auf den Link "Khazaria"), kaukasische Taten (Bergjuden), Karäer von der Krim (lehnen den Talmud ab) und Bewohner Bucharas subsummiert.
Die drei letzteren hatte man übrigens zunächst ausgenommen, weil sie ihre Wohnstätten schon nach der Zerstörung des ersten Tempels bezogen hatten: im Kaukasus, auf der Krim, in Zentralasien:

Buchara01
Buchareser Jüdinnen.

Buchara02
Buchareser Juden.

Bergjuden
Georgische Taten ("Bergjuden").

Während man jene, die doch wesentlich "arischer" rüberkamen, sofort verfolgt hat:
gitta
Gitta Alpar, schon Mitte der 30er unter Druck und von Gatten Heinz Rühmann fallengelassen.

Fechten-5
Helene Meyer, die "blonde Hé", (s.Kreuz), die es für klüger hielt, direkt nach den Olympischen Spielen in die USA zu emigrieren.

Jene bekamen einen Marschallstab:
milch
Erhard Milch, "Halbjude", stand unter dem persönlichen Schutz Görings.

mans
Erich von Lewinski, genannt von Manstein. "Beweislage" dünner, aber die Forderung nach der "harten Sühne am Judentum" dürfte als Gegenbeweis nicht ausreichen. Soll wegen seiner jüdischen Herkunft besonders ungeneigt gewesen sein, sich am 20.Juli zu beteiligen.

Ja, warum jetzt diese lange Schleife? Weil sie, so verschieden ihre Lebensumstände, ihre "körperlichen Merkmale" waren, alle - früher oder später - unter den Begriff "Juden" fielen, genau wie heute 1,2 Milliarden Menschen unter dem Begriff "Muslime" fallen - im verächtenden Sinn, um zu zeigen, daß es, um Zielscheibe von Rassismus, bzw. Neorassismus zu sein, keiner körperlichen Merkmale bedarf. Eine einheitliche Mentalität (oder Religion) reicht auch:

Frau Tierarzt: (im Beitrag: Hoffnungsvolles Zeichen)
Und dieser Schatten legt sich berechtigt auf alle braven Moschee-Besucher, ob unsere Dhimmi-Politiker das nun wahrhaben wollen oder nicht. Der Islam wird nämlich nicht dadurch ungefährlich, dass wir ihm eine Friedlichkeit bescheinigen, die er nicht hat. Er wird auch nicht dadurch ungefährlich, dass wir alle Moslems pauschal vor jeder berechtigten Kritik in Schutz nehmen und ihnen versichern, dass wir sie liebhaben, weil wir ja wissen, wie friedlich sie sind - auch wenn sie gerade Bomben basteln!


Ja, und was eigentlich nie fehlen darf: unser Kinderschänder! Qua Religionszugehörigkeit, wird Murat Kurnaz diese Neigung gleich zuerkannt:
Ruud (26.8.06 13:17)
Ja so sinds unsere linken Gutmenschen.
Sorgen sich rührend darum wenn ein Taliban gefesselt wird, mein Gott wie furchtbar.
Dass diese Taliban mordend und vergewaltigend durchs Land zogen, tausende unschuldige Kinder und Frauen misshandelten und diese türkische Missgeburt sich diesem Treiben freiwillig anschloss spielt dann plötzlich keine Rolle mehr..
Nein, bei Alla wie furchtbar, man hat den Kinderschänder gefesselt

(Daß schon längst niemand mehr behauptet, daß Kurnaz bei den Taliban war, lassen wir auch mal locker beiseite...)

Und auch "Emma" möchte auf den Topos nicht verzichten:
Schwarzer_9_2006_Imke (pdf, 561 KB)

Wie sagte doch S. Freud: Projektion ist das Verfolgen eigener Wünsche bei anderen. zur Erinnerung:

Lolita001
und
Lolita031
und:
JonBennet1

Ich muß doch mal meine Dresdner Freunde bitten, für mich mal auf der E55 in Tschechien die Autos der deutschen Freier zu fotografieren - Du musst dann bloß noch sagen, ob Du auch Bilder von Autos ohne Römersitz auf dem Rücksitz akzeptierst.

und zum Schluß:
Gudrun / Website (25.8.06 22:26)
Die Frau auf dem Foto ist Reem al-Reyashi, die erste Suizidbomberin der Hamas. Sie wurde im Januar 2004 in den Tod gehetzt, damit sie sich "reinwaschen" könnte vom Ehebruch. Sie hinterließ zwei Kleinkinder von 3 Jahren und 18 Monaten.
Die Palästinenser sind mehrheitlich Verbrecher. Entweder sie stiften dazu an, sie führen es durch, oder sie dulden und heißen es zu 80 Prozent und mehr gut. Im Fall von Reem al-Reyashi hat ihr Lover sie eigens verführt, um sie dann als Suizidbomberin mißbrauchen zu können.


Das muß man sich auf der Zunge zergehen lassen:
Die Palästinenser sind mehrheitlich Verbrecher. Entweder sie stiften dazu an, sie führen es durch, oder sie dulden und heißen es zu 80 Prozent und mehr gut.

Ist das Rassismus, oder ist das Rassismus?
Kristallnaach (mp3, 2,826 KB)

Übrigens - wenn es denn stimmt, denn La Eussner bringt nur israelische Quellen - ist auch das nichts, was man im Islam verorten kann: gezwungen, "ihre Schuld mit Blut abzuwaschen" wurden auch die deutschen und sowjetischen Soldaten im zweiten Weltkrieg, oft genug, weil sie lediglich im falsche Moment Angst gehabt und Angst gezeigt haben.

Du fragst nach den 82%: ja, damit beschäftigt sich doch das Buch! Frau Schiffer schreibt:
Schlussätze wie der folgende sollten nicht die Ausnahme bleiben:,Die große Mehrheit ist ruhig und fällt nicht auf und kam deshalb in dieser Sendung nicht vor'

Aber vielleicht liest Du das Buch ja doch ...

Sonntag, 27. August 2006

Rezension zu Sabine Schiffers „Die Darstellung des Islams in der Presse“ (Ergon 2005) - von Arne Hoffmann

Manchmal findet man in Netz was, da lehnt man sich zurück und sagt nur noch: "Ja!" hättest Du das geschrieben, hättest Du es genau so geschrieben. Und so fand ich im blog des Autors Arne Hoffmann eine ganze Reihe hervorragender Artikel, zum Beispiel diesen hier über Politische Comics, und hier eine lesenswerte Lesermail und hier ein exzellenter Artikel über den Libanonkrieg, auf den sich die Lesermail bezieht. Mittlerweile lese ich Hinter meinem Schreibtisch fast täglich. Ausserdem ist es seit einiger Zeit ja bei mir dauerverlinkt. Vom Hervorragenden das Beste ist die

Rezension zu Sabine Schiffers „Die Darstellung des Islams in der Presse“ (Ergon 2005),

die ich mit freundlicher Erlaubnis von Arne Hoffmann hier 1:1 übernehme:

„Wie ist es möglich“ fragt sich die Erlanger Kommunikationswissenschaftlerin Dr. Sabine Schiffer (Leiterin des Instituts für Medienverantwortung) in der Einleitung ihres Buches, „dass 1,2 Milliarden Menschen, die in verschiedenen Erdteilen und Ländern dieser Welt mit unterschiedlichsten politischen Systemen leben, die mal regierungspolitisch beteiligt sind, mal einer Minderheit angehören, deren soziokulturelle Umfelder heterogen sind, die auf dem Land leben oder in der Stadt, die reich oder arm sind, die modern ausgerichtet sind oder eher konservativen Werten anhängen, die ihre Religion – den Islam – im Alltag praktizieren oder nicht, deren Bildungsgrad sehr unterschiedlich ist usw., zunehmend als homogene Masse – als aggressiv, frauenfeindlich, rückschrittlich und bedrohlich – wahrgenommen werden?“ Das ist die zentrale Frage, die Schiffer sich anschickt, mit ihrer medienkritischen Analyse zu beantworten. Dabei zieht sie von der Diskursanalyse über die klassische Sprachwissenschaft bis zur Orientalistik und Politologie die unterschiedlichsten Disziplinen als Instrumente hinzu.

Recht schnell kristallisiert sich bereits im (immerhin 55 Seiten umfassenden) Einleitungsteil heraus, dass die von Schiffer eingangs erwähnte Mehrzahl der Muslime beim Bild des Islam, das deutsche Medien präsentieren, keine Rolle spielen. Stattdessen stehen fast ausschließlich außenpolitische Negativereignisse im Fokus der Berichterstattung. Dementsprechend sind in Sendungen über Muslime Schlusssätze nicht ungewöhnlich wie „Die große Mehrheit ist ruhig und fällt nicht auf und kam deshalb in dieser Sendung nicht vor.“ Ein solches Herangehen ist nicht einzigartig für die Berichterstattung über den Islam, wie Schiffer richtig ausführt: Medienrealitäten fokussieren grundsätzlich Normverletzungen und blenden den unspektakulären Alltag aus. Wenn jedoch, so Schiffer, „gegenteilige Informationen über muslimisches Leben ausgeblendet bleiben, ebenso wie Gewalt, Terror und andere Negativa in anderen Teilen der Welt, entsteht bereits der Eindruck eines kausalen Zusammenhangs zwischen den geschilderten Erscheinungen und dem Islam“. Wir hören und lesen also nur über jenen im Promillebereich liegenden Anteil an Fanatikern unter den Muslimen und halten diese daraufhin für typisch und stellvertretend für den Islam insgesamt.

Der Prozess des selektiven Zeigens und Ausblendens führt, wie Schiffer erklärt, zu einer hochgradig verzerrten Wahrnehmung beim Rezipienten. Dies lasse sich bei den unterschiedlichsten Feldern feststellen. Etwa beim Thema Innenpolitik und Kriminalität: Von spektakulären Razzien in Moscheen werde gerne auf den Titelseiten der Zeitungen berichtet, dass diese Razzien in den allermeisten Fällen ergebnislos bleiben, landet entweder nur im Innenteil oder bleibt gänzlich unerwähnt. Oder beim Thema Frauenrechte: In Saudi-Arabien etwa sei es Frauen tatsächlich untersagt, Auto zu fahren. In Kuwait hingegen können sie als Geschäftsführerinnen tätig sein (und Anfang 2006 wurde ein kuwaitischer Abgeordneter wegen einer „Hetzrede“ gegen Frauen in der Politik zu einer Geldstrafe von umgerechnet 14.000 Euro verurteilt, wie man hinzufügen könnte), im Iran gibt es Parlamentarierinnen, in Pakistan und Bangladesh hatten Frauen gar die Regentschaft inne. In Ägypten liegt der Anteil weiblicher Universitätsprofessoren bei 30% (in Deutschland hingegen 1998 bei 9,5%). Dennoch reiche es heutzutage aus, eine verschleierte Muslima zu zeigen, um arbeitsökonomisch hocheffizient beim Betrachter das gewohnte Klischee „Frauenunterdrückung im Islam“ abzurufen. Und schließlich zeuge auch eine Verweigerungshaltung gegen Moscheen in Deutschland, begründet mit dem Argument, dass man in islamischen Ländern angeblich auch keine Kirchen bauen dürfe, vor allem von Unkenntnis: „Dies trifft wiederum auf Saudi-Arabien zu, wirkt aber im Nahen Osten geradezu lächerlich, wo in Syrien, Libanon, Jordanien, Ägypten und den Maghrebstaaten Kirchen ebenso zu Hause sind wie Moscheen.“ Immer wieder werden von Schiffer so populäre Irrtümer und Vorurteile über den Islam praktisch en passant widerlegt.

Die Kunst selektiven und denunzierenden Herausgreifens illustriert Schiffer auch am Beispiel des Korans. Zitiere man aus dieser Schrift Passagen, die den Krieg und die Unterwerfung von Nichtmuslimen als legitimes Mittel darstellen, „isoliert von ihrem Kontext und ihrer Gewichtung in der islamischen Lehre, so entsteht leicht der Eindruck einer aggressiven, expansiven Ideologie“. Dasselbe Vorgehen lasse sich allerdings auch bei den beiden anderen großen Buchreligionen Juden- und Christentum anwenden, wie der Orientalist Navid Kermani in einem von Schiffer zitierten Artikel für die „Frankfurter Rundschau“ erklärte: „Wie billig ein solches Muster ist, wird daran deutlich, wie leicht es sich ins Gegenteil verkehren lässt: Kolonialismus, Kreuzzüge, der Völkermord an den Indianern, Inquisition und Jesu Missionsbefehl, Tschetschenien, Irak, Sabra und Schatila, Palästina, Srebnenica und die christliche Propaganda der Serben, die dezidiert biblische Legitimation der Apartheid, Holocaust, zwei Weltkriege, zur Variation jetzt gern auch die Elfenbeinküste, all das versehen mit ein paar Heiligenzitaten aus Bibel, Bush und Berlusconi und von führenden Amerikahassern interpretiert, schon hat man genügend Belege gesammelt, um die Einfältigen von der angeborenen Aggressivität des Christentums zu überzeugen.“ Tatsächlich, erklärt Schiffer, werde im moderneren Islam Krieg allein „zu Verteidigungszwecken akzeptiert und die legitimen Gründe sind in der islamischen Gesetzgebung genau ausformuliert: Dies sind die Verteidigung von Leben, Familie, Eigentum und Religion, Beistand angegriffener Muslime zur Wahrung der Religionsfreiheit sowie der Kampf gegen Friedensvertragsbrüchige. In allen anderen Fällen herrscht explizites Kriegsverbot. Außerdem gibt es strenge Verhaltensregeln im Kriegsfall; so müssen Frauen, Kinder und alte Männer verschont werden, Gefangene und Leichen dürfen nicht misshandelt werden. Waffenstillstandsangebote müssen angenommen werden, auch wenn man den Verdacht hat, getäuscht zu werden.“ Selbstverständlich gebe es auch in der islamischen Welt Menschen, die solche Regeln missachten, das unterscheide sie aber nicht von jeder anderen Gesellschaft.

Der Hauptteil von Schiffers Arbeit widmet sich Bild- und Textanalysen von Beiträgen insbesondere auflagenstarker Zeitungen und Magazine wie „Spiegel“, „Zeit“ und „Focus“. (Die Originalartikel sind in einem umfangreichen Anhang vollständig dokumentiert.) Dabei orientiert sie sich stark an den bereits bekannten Methoden der Diskursanalyse, wie sie vor allem vom Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung angelegt werden, bezieht sich aber auch auf Medienanalytiker wie Kepplinger sowie klassische Autoritäten der Linguistik wie Grice, Girnth und Bellmann. Ihre Ergebnisse lassen sich in einer Rezension kaum vollständig und angemessen wiedergeben, aber eine häufig wiederkehrende Erkenntnis ist, dass dem Islam ein Komplex negativ konnotierter semantischer Merkmale (wie „weltumspannender Terror“, „Frauenunterdrückung“, „Krankheit“, „erdrückende Masse“, „Gewalt“ usw.) zugeordnet wird. Das Bild des aggressiven, feindseligen, rückständigen und expansiven Islam werde fast schon als Binsenweisheit vermittelt, auf die dann mit weiteren Veröffentlichungen (etwa: „Wie können wir uns gegen diese Religion wehren?“) leicht aufgebaut werden kann. Schiffer: „Inzwischen ist das Misstrauen gegenüber Muslimen schon so stark etabliert, dass der Versuch, sich konstruktiv mit den Facetten des Islams auseinanderzusetzen, bereits als Verharmlosung desselben abgetan wird. Das dualistische Denken manifestiert sich hier. Differenziertheit in einen konfrontativen Diskurs einzubringen wird darum schnell als Verrat empfunden.“ Versuche von Muslimen, dieser Konfrontation zu entgehen (etwa durch nachdrückliches Bekennen zu Grundgesetz und Menschenrechten oder das Anstreben eines christlich-islamischen Dialogs), werde schnell als „unglaubwürdig“ und „Unterwanderungsversuch“ interpretiert.

Häufig beruhen die Verzerrungen, die Schiffer aufdeckt, allem Anschein nach weniger auf bewusster Agitation als schlicht auf Unkenntnis (so etwa wenn mehrere im Duden enthaltenen Lexeme dieses Feldes aus wissenschaftlicher Sicht falsch und irreführend seien). In anderen Fällen handelt es sich offenbar schlicht um Gedankenlosigkeit. So stellt Schiffer heraus, dass beispielsweise die Bezeichnung „Ajatollah“ (ein Ehrentitel für geistliche Würdenträger im schiitischen Islam) bei Komposita und Nominierungen ausschließlich pejorativ besetzt sei (etwa „Alpen-Ajatollah“ für Edmund Stoiber, „Ajatollah von der Saar“ für Lafontane usw.). Inzwischen finde sich „Ajatollah“ bereits in Herbert Pfeiffers „Großem Schimpfwörterbuch“ und stelle somit zweifellos ein Ethnikon dar. Kaum weniger abwertend werde „Mullah“ (Ehrentitel für einen islamischen Rechtsgelehrten) verwendet, wie sich in einer Kontextanalyse zeigen lässt.

Schiffer gelangt zu dem Fazit, dass sämtliche sechs typische Wahrnehmungsmuster, die nach Anne Katrin Flohr ein Feindbild ausmachen (Worst-Case-Denken, duales Schwarz-Weiß-Denken usw.), bei der Darstellung des Islam in unseren Medien erkennbar werden. Ein strategischer Zweck dieses Feindbilds sei, dass durch das sprachliche Zeigen von Misständen „dort“ von hiesigen Umständen abgelenkt werden könne: „Wegverweisung dient immer der Stabilisierung der eigenen Ordnung“. Auch bewahre „Kontinuität und Sicherheit in der Berichterstattung die Medienrezipienten (...) vor inneren Widersprüchen“. Es handele sich mithin um eine psychische Entlastungsfunktion: Die Erklärung der aktuellen globalen Konflikte durch religiösen Fanatismus mache es möglich, sich eine kritische Selbstreflexion zu ersparen.

Besonders bemerkenswert ist in Schiffers Arbeit das Kapitel, das einen Vergleich zwischen der heutigen Islamfeindlichkeit und dem Antisemitismus insbesondere früherer Zeiten zieht. Schiffer: „Alle Arbeiten zum (Antisemitismus) sind geprägt durch die Retrospektive, die die moralische Verurteilung des Geschehenen voraussetzen kann. Die Erkenntnis der Ungeheuerlichkeit dieser systematischen Vernichtung von Menschen verhindert aber nicht automatisch neue Diffamierungen, die Konstruktion von Feindbildern und deren Konsequenzen, die von der Beleidigung des Gegenübers über die Ausgrenzung einer Personengruppe bis hin zu ihrer angestrebten oder tatsächlichen Vernichtung gehen kann. (...) Erkenntnisse aus der Antisemitismusforschung können helfen, auch a priori entmenschlichende Mechanismen zu durchschauen, die immer ein Potenzial zur Aktion beinhalten.“ Ein jahrhundertealter vorbereitender Diskurs habe den Holocaust erst möglich gemacht. Grundsätzlich gebe es für Feindseligkeiten gegenüber anderen Menschen(gruppen) zwei Rechtfertigungsstrategien: Entweder werden diese als minderwertig phantasiert oder aber als bedrohlich, so dass ein „Verteidigungsmythos“ geschaffen werden könne. Schiffer weist darauf hin, dass auch die Antisemiten etwa des Kaiserreiches sich selbst als defensive Bewegung verstanden, und zeigt unter anderem anhand einer Ausgabe der „Gartenlaube“ von 1873 Argumentationsfiguren auf, die einem aus der Islamfeindschaft der Gegenwart bekannt vorkommen: Die Juden, so hieß es, vermehrten sich gefährlich stark, gefährdeten mit ihrem Terrorismus unsere Werteordnung („Hatten nicht mehrheitlich jüdische Attentäter 181 Zar Alexander ermordet? War der Mörder des US-Präsidenten McKinley 1898 nicht ein jüdischer Anarchist?“), auch der Rauschgifthandel war angeblich „in jüdischer Hand“. Schiffer: „Die Juden konnten es den Nichtjuden nicht recht machen. Entweder sie bewahrten ihre Kultur (auch äußerlich), dann wurden sie als integrationsverweigernd und antideutsch eingestuft, oder sie assimilierten sich, dann wurde ihnen Verstellung und Parasitentum unterstellt.“

Besonders eindringlich schildert Schiffer ihr Erlebnis, den Nazi-Propagandilm „Der ewige Jude“ zu sehen, was sie als „einschneidende Zäsur“ ihrer Arbeit betrachtet: „Zum ersten Mal erkannte ich die Parallelen zum heute geführten diskriminatorischen Diskurs über den Islam. (...) Die These von der Unterwanderung durch die Juden wird pseudowissenschaftlich belegt durch Zitate – so zum Beispiel aus dem 5. Buch Mose: `die Fremden magst du überwuchern (...), deinesgleichen nicht´, die durch ihr Herausgerissensein aus dem Zusammenhang einen gänzlich falschen Eindruck erwecken. (...) Mithilfe seltsam anmutender Bilder von betenden Juden wird zudem ihre Zurechnungsfähigkeit angezweifelt. Die Religiösität der out-group wird der Rationalität der in-group gegenübergestellt (...)“ Ähnlich wurde die „Gefahr, die durch die Juden droht, in Kartenschaubildern visualisiert, die sinn-induktiv hintereinander geschnitten sind: eine graphische Darstellung der jüdischen Expansionsgeschichte“ – und insofern erschreckend ähnlich Schaubildern über die Ausbreitung des Islams, wie man sie in Zeitschriftenartikeln unserer Tage findet.

Bei ihrem Vergleich gelangt Schiffer zu dem Fazit: „Wesentliche Merkmale des rassistischen Diskurses über die Muslime (...) sind die sprachliche Markierung der Muslime als out-group sowie die Homogensierung dieser Gruppe von außen, das Zuschreiben bestimmter Eigenschaften durch Selektion von Informationen, die Kulpabilisierung der Religion für politische Ereignisse , die Integrationsforderung ebenso wie der Verstellungsvorwurf – Stichwort `Schläfer´ – das Zürückrücken-ins-stereotype-Licht unter anderem durch die Deklaration von Ausnahmen bzw. der Existenz eines `gemäßigten Islams´ – entsprechend dem einstigen `Reformjudentum´ -, sowie das Heraufbeschwören einer Gefahr durch die Mitglieder dieser Gemeinschaft weltweit. Das Schächten wird seit den Hochzeiten des Antisemitismus als Wahrzeichen von Grausamkeit und Unzivilisiertheit instrumentalisiert. Äußere Zeichen von Andersartigkeit sind nun nicht mehr Kaftan, Schläfenlocken und Kippa, sondern Bart und Kopftuch. Inzwischen wurde sogar die Tiermetaphorik des Rattenbilds auf den Islam übertragen.“ Dabei, so Schiffer, sei es nicht entscheidend ob die heutige Diffamierung des Islams vor allem aus „Unkenntnis oder Unbedacht“ statt mit nationalsozialistischen Absichten nachgewiesen werden könne, denn das Ergebnis – „eine diffuse Ablehnungshaltung ohne Sachkenntnis“ – bleibe gleich.

Schiffers ausgesprochen lesenswerte und überfällige Analyse stellt ohne Zweifel ein wegweisendes Grundlagenwerk dar, das insbesondere durch seine kompetente Arbeit mit Handwerkzeugen aus den unterschiedlichsten Fachbereichen herausragt. Bedauerlicherweise stellt es im Fachgebiet der Text- und Medienanalyse bislang eine Einzelstimme dar, die aber hoffentlich zu weiteren Untersuchungen dieser Art anregt. Gerade das letzte Kapitel des Buches zwingt die Frage auf, warum gerade Autoren, die im Bereich Antisemitismus krauseste Unterstellungen bis hin zum Lächerlichen pflegen, selbst auf Diskurse und rhetorische Strategien zurückgreifen, die in vergangenen Jahrhunderten die Judenvernichtung vorbereiteten und heute gegen den Islam gewendet werden. Eine Analyse von Texten aus der islamfeindlichen Bloggerszene um Henryk Broder und Michael Miersch, Organisationen wie „Honestly Concerned“ usw. wäre hier sicher ein lohnendes Unterfangen. Vor dem Hintergrund der von Schiffer aufgezeigten Parallelen liegt die Spekulation nahe, dass zumindest bei einigen Autoren dieser Szene eine Projektion eigener uneingestandener Rassismen auf vermeintliche „Antisemiten“ stattfindet. Auch wenn die Text- die Psycho-Analyse naturgemäß nicht ersetzen kann, dürften sich hier für eine Debatte fruchtbare Beiträge ergeben. Allerdings sollten diese Extremformen des Antiislamismus nicht darüber hinwegtäuschen, dass solche Feindseligkeiten und Herabsetzungen in unserer Medienlandschaft insgesamt auf fruchtbaren Boden stoßen. Auch dies hat Sabine Schiffers Analyse in besorgniserregender Weise gezeigt.

Ausgewählte Texte von Sabine Schiffer im Internet:

Der Islam in unseren Köpfen, Sabine Schiffer's Room bei Anis Hamadeh und Der Indianer als Fanatiker

Freitag, 25. August 2006

Der 22. August ist vorbei. Elvis lebt. Armageddoncocktailhour.

Was will uns das sagen? Ganz einfach, wir sind einer Katastrophe entronnen. Jaja...

Es war nämlich Lailat-ul-Miraj, die Himmelfahrt des Propheten, als er eine spirituelle Vision hatte, die ihn mit dem Himmelspferd Buraq von Mekka nach Jerusalem führte, und wo er für seine Gemeinde die Verpflichtung zum 5-maligen Gebet empfing, Kurz und bündig hier.
(auf das Bild klicken)
miraj

Die Muslime feiern diese Nacht mit Gebeten, Gottesanrufungen (Dhikr), Kerzen- und Lichterschmuck.

Eigentlich... ja was?

Einigen ist es schon aus Gewohnheit verdächtig, wenn Muslime zusammensitzen. und so macht sich ein amerikanischer Orientalist, Bernard Lewis nämlich, daran, uns die Welt den Islam zu erklären.

Herr Lewis stellt fest, daß Achim Dschihad für den 22.August eine Antwort auf das Ultimatum in Aussicht gestellt habe.

Dazu ergeht er sich dann in endzeitlichen Spekulationen:

Was ist die Bedeutung des 22. August? Dieses Jahr korrespondiert der 22. August mit dem 27. Rajab 1427 islamischer Zeitrechnung. Dieses ist in der Tradition die Nacht, in der viele Muslime die Erinnerung an den Nachtflug des Propheten begehen.


Mischt man Medium mit Medium, so nennen einige das neudeutsch meshen und so mesht Professor Lewis: das Datum mit Khomeine und dem Atomstreit und raunt, Mr Ahmadinejad hat "something in store", also etwas in Petto. "A cataclysmic event", also, Achim läßt es krachen. Am 22. August. Die Apokalypse.

Und das wird dann auch wieder fröhlich abgeschrieben, sicherlich unter dem Tisch sitzen, mit Aktentasche auf dem Kopf:

Hier ist der legendäre Film dazu:

DuckandC1951_64kb (rm, 0 KB)

22-8

und hier

Und von Beirut Live, wo man eine ganze Menge mehr findet, die das abgeschrieben haben, kommt ein Link für die Freunde saftiger verschwörungstheorien:

Armageddoncocktailhour.

Mache ich mich darüber lustig? Nein, nicht wirklich. Aber so lngsam frage ich mich, wo solche Leute die ganze Zeit ihre Aufmerksamkeit haben. Elvis lebt.
Aber zur Entspannung meshe ich jetzt mal und hier ist ein uyghurisches Liebeslied:

Neues-Album_9_01_Track (mp3, 1,756 KB)

Ja, was ist denn eigentlich am 22.8. passiert: wie angekündigt: Iran übergibt Antwort im Atomstreit.

Entspannung

Kommt wieder unter dem Tisch hervor und entspannt Euch.

Freitag, 28. Juli 2006

Noch ein Update - Zwischen Halbmond und Hakenkreuz

Zu dem mich erstens das Ausprobieren einer neuen Videokompressionssoftware, nämlich des Xilisoft Videoconverters für Handys, jaja, Handys veranlasst hat, aber andererseits der- ja auch im Kommentarbereich dieses Beitrags sowie bei Elsa Laska thematisierte Gleichung 2. Weltkrieg hauptsächlich oder ausschließlich antisemitisch motiviert und somit all jene, die auf deutscher Seite gekämpft hätten, Judenfeinde gewesen.

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Dieser Clip zeigt trotz seiner durch die Freiversion bedingten Kürze, daß es diesen Soldaten nicht um Antisemitismus ging.

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Ich hatte mir ehrlich gesagt, mehr Information versprochen. Das Meiste, was dort gebracht wurde, war mir schon bekannt: daß die USA - genau wie Großbritannien - zunächst Zehntausende Sowjetbürger an Stalin ausgeliefert haben: nicht nur die, die aktiv gegen Stalin gekämpft haben, sondern darüberhinaus auch die, die niemals Sowjetbürger gewesen waren und eigentlich nicht unter die Vereinbarung von Jalta fielen. Viele waren zunächst in Plattling in der Nähe von Deggendorf interniert.

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Die Geschehnisse von Plattling sind bis zum letzten Überlebenden noch heute Identitätsstiftend.

Mir war auch vorher schon bekannt, daß die CIA dann die Muslime, die der Rückführung entgangen und in Müchen gestrandet waren, dann für die Dienste von u.a. Radio Liberty und Radio Free Europe verpflichtet hatten (ich hatte einen von denen, der heute auch über 80 Jahre ist, mal kennengelernt und ich wußte auch , daß die CIA das Bestreben um den Moscheebau aktiv unterstützt hat. Der abrupten Wechsel zur Muslimbruderschaft war dann eine Folge des schwindenden Interesses an den "alten" Muslimen.

Mir war das im Wesenlichen bekannt, aber ich denke, das hat sicherlich noch einigen etwas Neues geboten.

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ARD 22:45: Zwischen Halbmond und Hakenkreuz. Hier der Pressetext:

oberlaender,

hier die Ankündigung aus dem Focus von dieser Woche:
zwischen_halbmond_und_hakenkreuz (pdf, 282 KB).

Das Thema "Deutschland und der Orient" hat mich interessiert, seit ich weiß, daß mein Großvater im ersten Weltkrieg im osmanischen Reich als Offizier seinen Dienst tat, sehr wahrscheinlich in Aleppo. Leider konnte ich ihn das nicht selber fragen, denn er ist 1942 verstorben. Aber ich denke, die Geschichten von damals wirken bis heute nach. Wer weiß denn schon, daß bereits im ersten Weltkrieg ein Projekt einer Unterabteilung des deutschen Geheimdienstes gab, die muslimischen Soldaten der Briten, Franzosen und - seit 1916 - auch der Russen "umzudrehen" und in die osmanische Armee einzugliedern. Dies geschah zunächst mittels einer von der "Deutschen Partei" an der Hohen Pforte, daß der Kampf an der Seite der Deutschen Allah's Wille und ein Heiliger Krieg sei.

Dazu gibt eis ein Buch des mittlerweile