Weil die Antwort auf
Diesen Kommentar von Carla doch wieder länger geworden ist, habe ich einen neuen Beitrag draus gemacht:
Zitat:
Big Berta:
„daß eben immer gleich die "Antisemitismus"-Keule geschwungen wird“
Gregor Keuschnig:
Ich bin der festen Überzeugung, dass die permanente Gesinnungskeule, jedem sofort verinnerlichten Antisemitismus zu unterstellen, kontraproduktiv ist.
Daniel:
Aber dass die Irren von der "Station 13" gerne die Antisemitismus-Keule schwingen, wenn ihnen sonst gerade nichts einfällt, ist ja nicht neu.
Hausaufgabe: wer schwingt wann und wo eine Keule? Ich habe den Verdacht, das es sich hierum eine ausgeprägte Antikeulenkeulenschwingerei handelt.
Antwort:
Warum habe ich von „Keule“ gesprochen? Weil ich das Gefühl habe, dass von so manchen jedwede Äusserung, die das, was Israel gerade macht, nicht 105% ig beklatscht, sofort ein „gewisser Unterton“ bescheinigt wird, und vieles mehr. Und, entsprechend der 18:82-Beobachtung: ist Dir mal aufgefallen, dass man von jenen möglicherweise 18% nie spricht, die in Israel gegen die regierende Politik sind? Warum hört man nichts davon, dass z.B.
Daniel Barenboim mit
Edward Said befreundet war, mit ihm
Ein arabisch-israelisches Jugendorchester, den West-Östlichen-Divan gegründet hat, mit ihm
zahlreiche Auszeichnungen bekommen hat.. Wenn
Telegehirn im Kommentarbereich zu diesem Beitrag sinngemäß schreibt, wenn Frau Knobloch was gegen allgemeine Ausländerfeindlichkeit sage, werde das unterschlagen, so kann ich das nicht nachvollziehen, auch als Putativnotwehr nicht.
Zitat:
Charlotte Knobloch hat definitiv keine Keule geschwungen (Arne Hoffmann berichtet gar von Attacken), sie berichtet von einer Anti-Stimmung, die sie persönlich erfährt („Das sind die Grundlagen dieser Anti-Stimmung. Die gibt es in allen Bereichen. Wir organisieren zum Beispiel gerade ein Benefizkonzert, und sogar da kommen ablehnende, antisemitische Briefe“).
Big Berta:
Die angebliche antijüdische Stimmung kann ich nirgendwo wahrnehmen
Zitat:
Gut, dann ist das natürlich gelöst. Frau Knobloch lügt und diese ablehnende, antisemitischen Briefe sind eine Erfindung.
Antwort:
Wenn ich sage,
ich kann das so nicht wahrnehmen, heißt das keineswegs, dass ich ihr vorwerfe, dass sie lügt.
Zitat:
Oder sollten wir doch die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass Frau Knobloch recht haben könnte? Vielleicht könnte sie als Jüdin ein anderes Gefühl für Stimmungen haben wie Du als Muslima. Dafür hast Du ein ausgeprägtes Gefühl für antimuslimische Stimmungen, dass ich Dir auch niemals absprechen will.
Frau Knobloch spricht lediglich bei diesen Briefen, die wir nicht kennen von Antisemitismus, nicht im Zusammenhang mit Frau Wieczorek-Zeul oder Lafontaine, denen sie durch ihre Äußerungen eine Unterstützung dieser Stimmung entgegenhält. Ich halte das für nicht so abwegig.
Antwort:
„Briefe“ sind keine „allgemeine Stimmung“, aber ich will hier keine Haare spalten.
Zitat:
Mich würde einmal ein Beispiel aus den letzten zehn Jahren interessieren, wo das Schwingen dieser angeblichen Keule, obwohl sie unberechtigt war, Wirkung erzielt hat. Ich habe das Gefühl, dass es sich hier eher putative Notwehr handelt ohne überhaupt der Keule angesichtig zu sein und aus dieser Notwehr heraus umso mehr herumschwadroniert wird.
Wenn der Zentralrat der Muslime nach jedem Anschlag vor einem Generalverdacht gegen Muslime warnt, spricht auch niemand von einer Generalsverdachtskeule.(Ich sollte mir „Generalsverdachtskeule“ gleich bei wikipedia patentieren lassen)
Wenn wir schon bei Anschlägen sind: Erinnerst Du Dich noch auf die
Reaktionen nach den Anschlägen auf die Synagoge von Düsseldorf?
Mit "tiefer Bestürzung" hat der Vorsitzende der Grünen, Fritz Kuhn, auf den Anschlag reagiert. "Wir dürfen nicht aufhören, massiv - auch mit Mitteln der Repression - gegen die Gewaltbereitschaft von rechts vorzugehen",
. Die PDS will sich vor allem für eine neue Bildungsoffensive einsetzen, denn "gegen Nazis in den Köpfen hilft am besten Bildung". Engagement sei auch in der Jugend- und Sozialarbeit wichtig. Die PDS-Innensprecherin Ulla Jelpke sagte, die Angriffe auf jüdische Einrichtungen seien Anschläge auf die Demokratie.
etc. etc.
Zum Generalverdacht: zugegebenermaßen aus unser aller Lieblingsblog, aber ist das Generalverdacht, oder ist das Generalverdacht?:
Daraufhin erklärte unser Co-Autor Turmfalke Herrn Posener in einem Beitrag, warum PI den Islam an sich für kritikwürdig und nicht mit den Menschenrechten vereinbar hält. Wohlgemerkt: Den Islam an sich, nicht den einzelnen Moslem.
oder:
Ablehnung des Islam (und den damit in Verbindung stehenden Menschenrechtsverletzungen) mit Rassismus in Verbindung zu bringen, entspringt der verbreiteten Haltung, Kritik an Fremdkultur grundsätzlich negativ zu bewerten, ohne diese Fremdkultur auf deren Übereinstimmung zu Grundgesetz und Menschenrechten zu überprüfen. Die mangelhafte Bereitschaft im Westen, islamische Kultur an den Maßstäben der Menschenrechte zu messen, geht einher mit einem von reinen Behauptungen und Vorurteilen geprägten, idealisierten Islambild, wie es medial und politisch verbreitet wird:
"Islam bedeutet Frieden", der Islam sei "nur" eine Religion...
Henryk Broder im Spiegel-Essay: "Wir kapitulieren:
Wir-kapitulieren (pdf, 2,584 KB)
"Die feinsinnige Unterscheidung zwischen Islam und Islamismus"
...die man sich, sieht man Herrn Broder's sonstiges Werk an, sparen kann. Und das sind keinesweges ver(w)irrte Einzelmeinungen.
Zitat:
Von antimuslimischer Stimmung keine Spur,
Antwort:
In dem Düsseldorfer Text nicht, aber das ist für mich kein Beleg dafür, dass es diese antimuslimische Stimmung nicht gibt. Und ich bestreite auch nicht – und haben nie bestritten – dass es in der islamischen Welt Antisemitismus gibt. Leider erfährt man allzu selten, dass es eben kein genuiner Antisemitismus ist, sondern ein langsam gewachsener. Das werde ich noch mal ausführlicher an anderer Stelle abhandeln und zwar mit einem anderen Thema: den „Ostlegionen“. In dem fühle ich mich nämlich wesentlich besser zuhause, weil ich zwei der Teilnehmer noch kennengelernt habe, einen Usbeken und einen Daghestaner, sowie jemand, von dem ich wirklich behaupten kann, dass er Muslim und Nazi war, nämlich einen von Skorzeny’s Männern. Aber dazu noch mal irgendwann später was, sonst komme ich hier wieder ins Plaudern.
Zitat:
sondern lediglich ein befreites Aufatmen, das es keine deutschen Nazis waren, obwohl einer der Täter sehr wohl ein Deutscher war. „Ob nun Neonazis oder schlicht antisemitisch motivierte Faschisten, ob Deutsche oder Araber - faktisch handelt es sich bei den Molli-Werfern auf die Synagoge um gewalttätige Antisemiten, bei denen Hitler-Bilder und faschistisches Propagandamaterial sichergestellt wurden.“
Der Düsseldorfer Oberbürgermeister bekundete : "Diese Nachricht erfüllt uns in Düsseldorf mit Genugtuung. Sie nimmt ein wenig von dem bösen Bild, das auf unsere Stadt gefallen ist."
Und schon ist das vollmundige Engagement eingeschlafen.
Antwort:
Wie leider die ganzen „Gesicht-Zeigen“ Arien. Was allerdings die Hitlerverehrung betrifft: die ist z.B. in Georgien wieder ganz virulent. Habe ich selber erlebt, dass in einer georgisch- nationalistischen Familie die Kids und Mama (Papa tot) mir erzählten, man bedaure lebhaft, dass Hitler den Krieg nicht gewonnen habe, und als Deutscher kann es Dir dann passieren, dass bei irgendwelchen Besäufnissen der
Tamada (~Besäufnisvorsitzender) als freundliche Geste einen Toast auf Hitler und Stalin ausbringt und mit dem Wunsch schließt, dass das Highlight der Völkerverständigung, die Zeiten des Hitler-Stalin-Paktes doch wiederkommen mögen... Im
christlichen Georgien...
Zitat:
Antisemitismus und „Islamophobie“ haben weitaus weniger etwas mit Religion zu tun als mit Rassismus.
Antwort:
Mit einer erstens
gesellschaftlichen Stabilisierungfunktion (These nicht nur von Schiffer und anderen, sondern auch von
Andorra) und einer
individuellen Bedürftigkeit. Funktioniert allerdings auch andersrum, wie da Beispiel von "Tiziana" zeigt, und ich denke, bei vielen, die sich da so hervortun, hat das auch was mit Neu-Schreiben von Biographie zu tun: Ich bin wichtig, denn ich bin Muslim/Antisemit/Islamophob/Blogger. Bei den evangelikalen Christen heißt das dann: ich bin wiedergeboren. Weil individuell immer dazu gehört: mir wurden die Augen geöffnet über die Trinität/die Juden/die Musels/die Welt.
Erinnerst Du Dich noch an meinen seinerzeitigen Einstieg bei 13, wo ich – leider vergeblich – versucht habe, genau das zu erklären, nämlich, dass ich für mich in Anspruch nehme, so
eben nicht „zum Islam gekommen zu sein“, nämlich mit der immergleichen Geschichte mit den Schwierigkeiten mit der Trinität.
Zitat:
Vermutlich hast Du die Aneinanderreihung der aus dem Kontext gerissenen „Gewaltsuren“ genauso satt wie ich.
Antwort:
Ich habe die Aneinanderreihung
jedweder aus dem Kontext gerissener Sure satt. Weil fast die ganze Koranexegese in Europa unter aller Sau ist. Deutsche Koranübersetzungen – mit Ausnahme des Reimfragments von Rückert lese ich aus Prinzip mittlerweile nicht mehr, weder die muslimischen „Die ungefähre Bedeutung...“, noch die deutsch-orientalistischen. Die Sura
Ya Sin habe ich nicht deswegen begriffen, weil mir irgendein dressierter Bescheidwisser – oder eine Bescheidwisserin mit irgendeine Platt-Exegese vorgekaut hat, sondern weil ich im Ramadan 1996 im Morgengrauen in Tamerlan’s Totenstadt,
Shah-e-Zinda am Grab von
Kussam -e-Abbas saß, und ein Gläubiger hat die speziell für mich gelesen: Morgengrauen, Schneetreiben in Samarkand. Und weil ich wenigstens ab und zu zu der Zeit, wie ich in HH war, in der – jetzt von Halima Krausen weitergeführten Koranstunde von
Imam Mehdi Razvi aufgelaufen bin. Und wenn ich dem dann so manches Erlebnis eines angeblichen „Dialoges“ gegenüberstelle: da war ich mit Kollegen in der Milli Görus-Moschee in der Böckmannstraße eingeladen. Halima Krausen auch. Es kam auf Vers 4:34, Du weißt ja, „schlagt sie...“. Halima erklärt: es geht um schweren Ungehorsam und nur gegen Gott (hast Du noch das Shakespeare’sche „Turmoil in Nature aus Macbeth auf dem Schirm?) und selbst da ist Schlagen das Äusserste. Erscheint mit Verspätung ein ziemlich frisch aus der Türkei eingeflogener Imam, mit den Feinheiten des Dialoges noch nicht so vertraut. Auf die erneute Frage meiner Kollegen, wem die Frau Gehorsam schulde: na, in erster Linie ihrem Mann. Ja, und das Schlagen? Jedenfalls nicht ins Gesicht (worauf einer meiner Kollegen sich nicht verkneifen konnte, zu bemerken: na klar, der Rest ist ja auch zugehängt. Ja, was wäre denn so ein Beispiel für Ungehorsam? Wenn der Mann abends pünktlich das Essen will, und das ist nicht pünktlich auf dem Tisch.
Alles klar, danke fürs Gespräch! Halima hatte Tränen in den Augen und ich habe auch hyperventiliert. Siehst Du, deswegen bin ich so fixiert von
Muhammad Asad, dem Rabbinersohn aus Lemberg.
Hier der Link zu seiner Koranübersetzung.. Zu ihm an dieser Stelle zwei Geschichten, nicht, weil ich mich wieder verplaudere, sondern weil das zur Frage des
Suren-als-Wurfgeschosse (denn um das geht es ja hier) noch was Erhellendes beiträgt: Irgendwann geriet er in Medina mit irgendwelchen Religionsgelehrten in Streit, worauf einer ihm an den Kopf warf (sinngemäß), trotz Konversion sei er doch immer noch der gleiche verdammte rabbinische Jude wie wohl damals in Lemberg. Darauf er: na klar, aber jetzt verriete er ihm was über rabbinische Juden: die hätten alle denken gelernt, und somit fasse er das jetzt als Kompliment auf. Nur unwesentlich später hielt er es dann wohl für klüger, Saudi-Arabien zu verlassen. Das zweite: ich habe mich mal mit Khadija (you know ;-) ) darüber unterhalten, und die meinte, dass auch er das arabische Verb ‚daraba’ mit ‚schlagen’ übersetze, obwohl es nach dem Standardlexikon „Wehr“ 20 mögliche andere Übersetzungen gibt. Was sagt und das denn? Daß es offensichtlich auch in einem Rabbinerhaushalt um 1900 nicht unmittelbar anstößig war, wenn der Hausherr der Hausfrau mal ab und zu eine gescheuert hat, und somit auch Muhammad Asad kein Problem damit hatte, das so zu übersetzen.
Zusammengefasst: wie der Koran übersetzt wird, sagt in erster Linie was über den Übersetzer.
Zitat:
Einer Türkin nützt es nichts sich taufen zu lassen, sie wird weiterhin Objekt rassistischer Betrachtung zu sein, ein Jude kann hundertmal betonen, dass er Atheist und Kommunist ist, es rettet ihn nicht vor dem Verdacht an der Weltverschwörung beteiligt zu sein.
Antwort:
Ganz genau. Und sollten besagte Türkin und besagter Jude (man kann hier auch „Neger“ setzen) es zwar fast bis in die Rassistengesellschaft geschafft haben – in dem Moment, wo sie sich einbilden, sich so komplett so benehmen zu können, wie die „Herrenmenschen“, fällt das Beil. Das eindrucksvollste Beispiel ist für mich jener ostafrikanische ex-kolonialdeutsche Soldat mit dem Vornamen „Mohammed“, der noch unter den Nazis unbehelligt als „Schauspieler“ bei Bedarf den „Neger“ gab, wo ein „Neger“ gebraucht wurde. So zum Beispiel in dem Film "Ohm Krüger".
Eines Tages wurde er so übermütig, sich eine deutsche Freundin zuzulegen. Da verstanden die Herrenmenschen keinen Spaß, er landete im KZ und hat das dann nicht überlebt.
Zitat:
Die theologische und historische Auseinandersetzung findet so gut wie nicht statt.
Antwort:
Doch, tut sie. Sie fand im Großen statt und führte zu den Auffassungen des
II. Vaticanum , genau
Wie diese Jesuitische Stellungnahme . sie fand statt beim Besuch von Johannes Paul II bei
Scheich Ahmed Kuftaro in Damaskus (wo das Bild, auf dem er den Koran küsst, aus meiner Sicht grob missverstanden wurde), und ich habe es in Samarkand erlebt, wo ich in der katholischen Mission gewohnt habe (weil ich von einem hilfreichen Menschen aufgelesen wurde) und beobachten konnte, dass einer der Imame seine Tochter zum Orgelspielen für die Messe vorbeischickte – so was glaubt einem hier kein Mensch – damit die Messe so schön wird, wie es sich für eine katholische Messe ziemt. Und ich habe das in Buchara erlebt, wo eine fromme russisch-orthodoxe Dolmetscherin wegen mir ihre eigene Geburtstagsfeier verließ, weil ich beim lokalen Scheich eingeladen war und wir uns hinterher ausführlich über das
qalbi-Dhikr (qalb=Herz) und das orthodoxe Herzensgebet ausgetauscht haben. Dass Religionen miteinander klarkommen, ist nach meiner Erfahrung nämlich die Regel – wenn nicht die Politik dazwischen kommt und den Gläubigen einredet,
die Religion schlechthin werde angegriffen – was sie nämlich vor dem 20.Jh, vor Bolschewismus und Nationalsozialismus nicht war, sieht man von der Französischen Revolution ab.
Zitat:
Wenn sie stattfinden würde, wäre ein Dialog nicht notwendig, sondern man könnte sich sehr schnell einig werden, zumindest was die Monotheisten angeht. Aber man sieht ja schon dann den Problemen der römisch-katholischen Kirche bei der Werbung um die sogenannten Ostkirchen, dass das dann doch nicht so einfach ist.
Antwort:
Nein, weil auch das historisch überfrachtet ist vom bis 1964 bestehenden religiösen Alleinvertretungsanspruch der katholischen Kirche, der enttäuschten Hoffnungen während der Kreuzzüge, als der Basileus in Byzanz die „Weströmer“ zur Hilfe rief, seine Macht zu verteidigen, und die weniger als das taten (Es ist nämlich absolut nicht so, dass „die“ Christen gegen „die“ Muslime kämpften, sondern sehr oft die einen Christen zusammen mit den einen Muslimen gegen die anderen Christen und die anderen Muslime. Oder, wenn die „einen“ kämpften, saßen die „anderen“ sozusagen mit Chips und Bier in der ersten Reihe anstatt zur Hilfe zu kommen. Und als Letzes und meiner Meinung nach Wichtigstes: “Katholische Kirche“ ist in Russland assoziiert mit „Polen“. Und was wenige hier im Westen wissen: vielen Russen gilt Polen heute noch als „Erbfeind“. Es gab nämlich Zeiten, im Grunde genommen fast bis zur Ersten Polnischen Teilung unter Katharina II, da bedrohte ein
Polnisch-Litauisches Großreich, das von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer reichte (weswegen es seit 600 Jahren Muslime in Polen gibt und heute eine anerkannte muslimische Interessenvertretung, die von den Gotteskriegern genauso genervt ist, wie die Katholiken).
Hier mal die spätere "multikulturelle" Doppel-Republik mit Karte. und
Hier eine Zusammenfassung "Islam in Polen". Ich will mich nicht zu der Vermutung versteigen, dass es nur zu dieser Ersten Teilung kam, um dieses Großreich zu zerschlagen, aber möglich wäre es. Ja, und das letzte Mal kriegten die Russen von den Polen
1920 eins auf die Mütze.. Und all das schwingt mit, wenn ein Russe sich den Katholizismus denkt.
Zitat:
Ähnliches haben die Sunniten und Schiiten zu vermelden, von den Aleviten ganz zu schweigen.
Antwort:
Auf das Glatteis „Aleviten“ begebe ich mich nicht, dazu weiß ich darüber zu wenig, aber ich denke, dass sie nicht zuletzt deswegen in der Türkei Schwierigkeiten haben, weil die Schnittmenge zu
"Kurden" groß ist (
den
Wikipedia-Artikel halte ich für fehlerhaft, denn zumindest zählt er einige zu den Aleviten, die in übereinstimmenden, auch westlichen Quellen zu den Muslimen gezählt werden.
Beim ersten Überfliegen habe ich hier allerdings auch eine "politische" Begründung für den türkisch-alevitischen Gegensatz gefunden.
Das Verhältnis von Sunniten und Schiiten wird aus meiner Sicht zu 98% von Politik bestimmt, nicht zuletzt im Irak.
Zitat:
Was ist nun das Problem mit dem genialen Neologismus „Islamophobie:“, wenn wir den gemeinen Rassismus ausklammern? Es hat sich zu dem Islam der Gläubigen weltweit, der auch auf Ungläubige eine Faszination ausüben kann (die 82%) ein Bündel von Fantasieislamen gesellt, die den Koran als Krabbelkiste zur Zusammenstellung ihrer Projektionen (unter Zumischung einiger unappetitlicher Beilagen) benutzen und die Kriterien erfüllen, als wären sie den Fantasien von Islamophoben entsprungen, die damit wenn sie diese Kriterien im klassischen Zirkelschluss aufzeigen und kritisieren und damit unter den Islamophobieverdacht fallen.
Antwort:
Was die Fantasieislame à la Terziana betrifft: diese entspringen m.E. dem gleichen psychologischen Mechanismus, mit dem jemand sich einen Phantasienamen á la Bragadino, Verteidiger Wiens oder Karl Martell anhängt (wobei man zumindest auf dem Martell-blog bei myblog dann auch noch phobische Sexualisierung bzw sexualisierte Phobie wie aus dem Lehrbuch der Psychopathologie bewundern kann). Man „ist wer“. Der Verteidiger von Irgendwas oder eine Mutter der Gläubigen. Früher war das die Vorhut der Revolution – „Tupamaros Westberlin“ zum Beispiel. Und ich bin nicht geneigt, die „islamische Variante“ für weniger dämlich zu halten, als die anderen. Da gab es Ende der 90er mal einen Artikel im Spiegel, der sich mit Recht darüber lustig machte, wie konvertierte Schwiegertöchter die Familie ihres Ehemannes dann darüber belehrten, wie Islam „richtig“ ist...
Die spirituell eigentlich sinnvolle Übung des Namenswechsels, die in allen Religionen ursprünglich eine Zielfestlegung war, wird so zur Karl-May-Posse. (Mein „islamischer Name“ ist einfach mein zweiter Vornamen, Maria/Maryam, und ich habe mir damals goarnix Großartiges dabei gedacht, ich hatte bloß keine Lust, die 1000ste Aisha oder Fatima zu werden. Heute würde ich mich allerdings schlicht weigern, mich noch mal dergestalt islamisieren zu lassen, und ich war auch eine der ersten, die ihren „ursprünglichen“ Namen immer mitgenannt hat: Maryam Dagmar). Nicht zuletzt führt eine derartige Putzigkeit wie das Überhängen einer nicht zugehörigen Identität dann dazu, dass, wie in meinem Freundeskreis geschehen, jemand in einer türkischen Moschee zur „Emine“ wird, dann einen ägyptischen Gatten ehelicht, der fortan hyperventiliert, wenn die Holde nicht „Amina“ genannt wird.
Aber jetzt zu „Krabbelkisten“, Projektionen und Unappetitlichkeiten: ich denke, dass das ein Kennzeichen von Sekten ist. Man bist bei einem Verein, der immer Recht hat und das ist klasse. Nimm Dir mal eine Sektenhandreichung der evangelischen Kirche zur Hand, und Du verstehst, was ich meine. Nicht zufällig waren einige der zugehängtesten Muslimas früher mal beim Bhagwan und nicht zufällig ist der nächste Schritt dann „Faithfreedom“ oder was ähnliches, wenn der Gatte, der Niqab und der Islam dann auch nicht zur allumfassenden Glückseligkeit verhelfen konnten. Es wäre aus meiner Sicht übrigens noch hinzuzufügen, daß sich so mancher der eifrigen Israelschwenker aus meiner Sicht auch nicht Israel meint, sondern auch ein von ihm selber fantasiertes "Israel", nicht die USA, sondern die Fantasie-"USA", nicht Condi, sondern "Condi", etc, etc.
Zitat:
Die absurde Welt des Muslim-Markt kann sich nur jemand ausgedacht haben, der den Islam und die Muslime abgrundtief hassen muss.
Ist eigentlich jemand überrascht, warum dieser Fantasieislam gerade in Deutschland auf fruchtbaren Boden fällt? Nein, nicht wirklich.
Antwort:
Wie ich ja bereits mehrfach erwähnt habe, habe ich mich schon lange aus dieser ganzen „Szene“ zurückgezogen, weil ich den Eindruck habe, dass „Islam“ heute nur noch dem Übertünchen kaputter Biographien dient (diente er der
Heilung, wäre das ja in Ordnung), wenngleich ich weiß, dass auch solche Leute wie der in
diesem Artikel geschmähte Muhammad Siddiq sich schon ehrlich bemühen, für ihre Schäfchen das Gleiche zu leisten, wie ein christlicher Pfarrer für die Seinen, was er auch sehr oft musste. Auch, wenn seine Auffassung von Islam sich schon lange mit der Meinen nicht mehr deckt, lasse ich menschlich auf ihn nichts kommen und auf seine Frau schon gar nichts. Daß Muhammad Siddiq übrigens dem wahhabitischen Islam in die Arme lief, ist für mich aus seiner Biographie verständlich: aus der DDR über die Mauer in die Moschee...
Aber es ist nach meiner Erfahrung nicht nur Deutschland, wo der Fantasieislam blüht, sondern ganz allgemein überall dort, wo sich zu viele Konvertiten auf einem Haufen tummeln. Kenne ich auch aus den Niederlanden und Großbritannien, wobei zu sagen ist, dass es da ja auch genügend Querverbindungen gibt. Und ich behaupte mal, dass auch dieser unsägliche Muslim-Markt eher konvertitisch als schi’itisch geprägt ist. Es gibt im Übrigen laut DeLaHoya von Politikcity ein türkisches Sprichwort:
Vertraue nie einem Konvertiten den Gebetsruf an, er verdirbt ihn mit seinem Gekreische...
Zitat:
Lösungsansatz: So lange nicht alles auf dem Tisch liegt und offen ausgesprochen wird, wobei auch sämtliche Empfindlichkeiten zurückgestellt werden müssen, ist keine Lösung absehbar. Es ist für Atheisten und Polytheisten mindestens genauso schwer in die Wunderwelt des Monotheismus einzutauchen wie umgekehrt.
Antwort:
Neben dem, was gemeinhin - zu Recht oder zu Unrecht - "Dialüg" genannt wird, gibt es längst solche institutionalisierten Gemeinsamkeiten wie iher in Hamburg und
hier das Programm von 2004 von der Website von Halima Krausen. Und
hier noch ein Beispiel für eine solche Veranstaltung in HH. Das nur mal mit Hamburg als Beispiel.
Oder hier: Bendorf. Von meinen Erfahrungen in der ehemaligen Sowjetunion, wo man sich interreligiös zusammenschließt um gemeinsam anstehende Probleme zu lösen, zur Zeit meines ersten Besuches in Samarkand die Abwehr von Scientology und weiteren amerikanischen Sekten. Weißt Du, ich will weißgott hier niemanden schmähen, der sich um unterdrückte Frauen, Terrorismus u.ä. sorgt, aber auf sehr viele „Islamkritiker“ scheint mir ein böses Bonmot aus der Krebs-Forschung zu passen (wurde mittlerweile auch schon auf AIDS aktualisiert), das man bloß entsprechend umschreiben müsste:
Von Krebs leben heute schon mehr als
an Krebs sterben.
Zitat:
Dann noch eine Anmerkung zu Zuckermann: es lohnt sich das ganze Gespräch zu lesen, es ist einer der intelligenteren Beiträge zur Israeldebatte, weil er nicht polarisiert, sondern sehr viele Aspekte miteinbezieht.
Damit kann ich auch die überfällige Antwort geben, zur Unterscheidung von Islamofaschismus und islamischen Faschisten.
Antwort mit Zuckerman:
Einige Publizisten sprechen von einem "Islamofaschismus". Auch George W. Bush hat jüngst wieder verkündet, der Westen befände sich im Krieg mit "Islamic fascists".
Moshe Zuckermann: Das ist ein hanebüchener Ausdruck. Der islamistische Fundamentalismus hat mit Faschismus, betrachtet man die Analysen des Faschismus, die in den 60er Jahren geleistet wurden, gar nichts zu tun. Wenn wir unter Faschismus verstehen, was sich in einer bestimmten Epoche in Italien, Ungarn, Spanien, später dann als Nationalsozialismus in Deutschland in einer radikalisierten Sonderform formierte, so stellt dies etwas ganz anderes dar als die Bewegungen des radikalisierten Islam. Der Islam ist von ganz anderen Momenten angetrieben und hat ganz andere Zielsetzungen. Das hat nichts miteinander zu tun. Man muss schon den Begriff des Faschismus inhaltlich entleeren, um oberflächliche Ähnlichkeiten ausmachen zu können. Will man mit "Islamofaschismus" nur ausdrücken, dass es sich um den Kult einer monolithischen Ideologie handelt? Dann muss man sich aber dennoch mit der Tatsache auseinandersetzen, islamische Fundamentalismus theokratisch ist, während der Faschismus tendenziell nicht- oder auch antireligiös war. Ich halte diesen Begriff für inhaltsleeres Gerede. Natürlich greifen auch einige europäische Linke das gerne auf, denn was wäre gerade für Linke attraktiver, einen Kampf gegen den "Faschismus" führen zu können. Der Primat des Staates, wie er im historischen Faschismus eine Rolle spielte, spielt beispielsweise im islamischen Fundamentalismus eher eine untergeordnete Rolle. Oder die Figur des monolithischen "Volksgenossen" im Nationalsozialismus ist im Islam nicht anzutreffen. Auch die Vorstellung von "Gemeinschaft" ist im Islam ganz anders als das, was im Begriff der "Volksgemeinschaft" anklingt. So kann beispielsweise die Ummah auch im Sinne der Diaspora verstanden werden. Von daher glaube ich, dass dieser Begriff eher polemisch als analytisch gebraucht wird. Die Tatsache, dass ihn Bush verwendet, ist im übrigen Grund genug, ihn nicht zu verwenden. Es drängt sich ja eine andere Frage auf, nämlich ob die zu weiten Teilen freiwillig erfolgte Gleichschaltung der USA im Kampf gegen den Fundamental-Islam nach dem 11. September, was die Presse und ähnliches betrifft, nicht als eine Faschisierung der Gesellschaft zu bezeichnen wäre.
Zitat:
Ich habe schon letztens geschrieben, das ein Glaube nichts zur Politik beitragen kann, allerdings Gläubige Politik machen können und so wie Christen Nationalsozialisten werden konnten könne Muslime auch Faschisten werden. Auch der Koran ist nicht davor gefeit in so weit pervertiert zu werden, das er in ein faschistisches Weltbild passt.
Antwort:
Einverstanden.
Zitat:
Interessant wäre hierbei, dass zum Beispiel
die Salafis (Achtung *.pdf) sich entschieden gegen die Qutbisten wenden, die Vertreter dessen was ich oben als Fantasieislam bezeichne, der sehr wohl faschistische Elemente beinhalten kann.
Antwort:
Ich habe wirklich viermal ansetzen müssen, um mir dieses Zeug reinzuziehen. Man könnte es abtun als Unterhaltung: Judäische Volksfront vs Volksfront von Judäa oder das Revierabpinkeln unkastrierter Kater, wenn nicht auf solcherart verkommenen Diskurses. Und hier das neueste Beispiel
des geradewegs in die Sprengmuselei führenden theologischen Unfugs.
Zitat:
Das was Zuckermann vermisst im fundamentalistischen Islam zu recht vermisst, haben einige Gruppierungen in ihrem Programm, z.b. Hizb-ut-Tahrir.
Antwort:
Hier einiges aus dem Buch von Ahmad Rashid:
Hizb_ut_Tahrir (pdf, 267 KB)
Wenn man die gängige Faschismusdefinition zugrunde legt, die ein modern(istisch)es Element legt, trifft das auf Hizb-ut-Tahrir nicht zu.
Zitat:
Auch der Brief von Ahmadinejad, selbst wenn er mit religiöser Garnierung daherkommt, ist weitaus näher an nationalsozialistische Ideologie als im Islam zu verorten.
Das hat nichts mit einer Dämonisierung zu tun, sondern mit einer textkritischen Bewertung.
Antwort:
s.o.
und jetzt noch mal ein Keulchen (aus noch einem Lieblingsblog):
Zu Deinem zweiten Beitrag:
"Nicht nur Ausmaß, sondern auch Qualität der den Juden zugeschriebenen Macht unterscheidet den Antisemitismus von anderen Formen des Rassismus." (Moishe Postone, "Nationalsozialismus und Antisemitismus", in: Merkur, H. 1/1982 (der Link verweist nicht darauf...)
Welche Macht hat jemand, dem man "vorauseilenden Gehorsam schuldet?
Sodele, that's it.
Schönen Sonntag noch und liebe Grüße
BB