?xml version="1.0"?> BigBerta_im_Netz: Texte der 82%
X-Stat.de
*HUGS* TOTAL! give bigberta more *HUGS*
Get hugs of your own
<Diät Abnehmen - Naschkatzen" />

 Politikcity.de meshrep.com

 khazaria.com

watchbanner.jpg
 

BigBerta's Impressum, Lieblingssites und Must Reads

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Meine Kommentare

Genau!
Auch wenn ich im Moment nicht so häufig online...
bigberta - 8. Feb, 18:00
Alles klar...
vielen Dank. Dann muss ich wohl mit einem zweiten Blog,...
help - 16. Nov, 04:59
Applaus!!!
Das hätte ich jetzt nicht besser sagen können!...
bigberta - 4. Aug, 18:51
Ich denke, es handelt...
den Medienhype. Von diesem Ausschnitt kann man sicherlich...
bigberta - 4. Aug, 18:17
Du hast unbedingt recht,
und das ist mittlerweile ein Dauerthema...
bigberta - 31. Jul, 22:38

Suche

 

Wetter

Aktuelles Wetter in Tashkent:


Temperatur: 30 C
UV Index: 7
Luftfeuchte: 22 %
Sichtweite: 10.0 km
Luftdruck: 1015.9 mb
Windstärke: 14 km/h

Weather data provided by weather.com

Dies & Das

Site Meter
* * * * *

* * * * *
* * * * *

Zur Verfügung gestellt von:

* * * * *
travlang
* * * * *
Terror Alert Level
* * * * *

Schreib mir! (klick auf's Bild)

* * * * *

Mein Gästebuch

* * * * *
Der Laufladen
* * * * *
mensch2mensch - die Homepage-Galerie
* * * * *
Frappr
* * * * *
Ranking-Hits
* * * * *
Creative Commons License
Dieser Inhalt ist unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert.
* * * * *

Archiv

Mai 2008
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
 
 1 
 2 
 3 
 4 
 5 
 6 
 7 
 8 
 9 
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
 
 
 
 

Musikliste


Amy Winehouse
Back to Black


Amy Winehouse, Amy Winehouse
Frank

Texte der 82%

Donnerstag, 3. Mai 2007

Die Hunde bellen, die Karawane zieht weiter - Erste Fachtagung der Polizei von NRW, Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) und Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V. (DITIB)

Ich kenne das schon von der hiesigen DITIB-Moschee: die Moschee führt Unterrichte und Seminare für deutsche Behörden zum Thema Islam durch. Deswegen kann mich die folgende Nachricht auch nicht überraschen - erfreulich finde ich sie trotzdem:

Mit dem Landeskriminalamt NRW (LKA NRW) veranstaltet der Zentralrat der Muslime in Deutschland e.V. (ZMD) und die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V. (DITIB) die erste landesweite Fachtagung: „Gemeinsam für Vertrauen – gemeinsam gegen Extremismus und Gewalt“.

Diese Fachtagung ist die Impulsveranstaltung für die örtlichen Polizeibehörden und Moscheevereine im Lande Nordrhein-Westfalen im Rahmen der 2005 begonnenen vertrauensbildenden Maßnahmen zwischen den Sicherheitsbehörden und muslimischen Organisationen in Bund und Ländern.

In Podiumsdiskussionen werden namhafte Wissenschaftler, Experten und Muslime anhand aktueller Analysen die Problemlage darstellen und diskutieren. Weiterhin werden bereits bestehende lokale Initiativen der Vertrauensbildung des Landes NRW aufgezeigt.

Seit Jahren macht der ZMD in Symposien, Veranstaltungen und Presseverlautbaren deutlich, dass die überwältigende Mehrheit der Muslime in Deutschland sich nicht gefallen lässt, wenn ihre Religion von Extremisten und Terroristen missbraucht und instrumentalisiert werden.
In den Verlautbarungen wird Gewalt und Terror, der im Namen des Islams begangen wird, auf das Schärfste verurteilt und abgelehnt.

Die Aufgabe des ZMD im Zusammenhang dieser ersten landesweiten Veranstaltung mit dem LKA sieht er besonders darin, die Aktivitäten, Aufklärung und Fortbildung in den Gemeinden, die der Immunisierung gegenüber extremistischen Gedankengut verhilft, aufzuzeigen und mit den örtlichen Polizeibehörden auszutauschen.

Der Vorsitzende Dr. Ayyub Axel Köhler sagte im Vorfeld der Tagung am heutigen Donnerstag dazu: „Wir haben uns immer für eine Perspektive des gelebten Islam im Westen eingesetzt und so durch Wort und Tat eine Alternative zum fundamentalistischen Gedankengut geschaffen“.

Der ZMD weist immer zudem immer wieder darauf hin, dass die Muslime sich durch weltweite Anschläge doppelt betroffen sehen. „Sie haben Angst, so wie jeder andere vor Anschlägen, da sie als Teil der Gesamtgesellschaft natürlich auch Opfer sind oder werden können.“, so Aiman Mazyek, ZMD-Generalsekretär, der auch auf der Tagung sprechen wird.
Mazyek weiter: „Muslime sind zunehmend einem Generalverdacht ausgesetzt, zudem wird nicht scharf genug zwischen Terror und Islam unterscheidet.“
Quelle.


Bookmark me:
blog-278483295tn-tinyDiese Seite zu Mister Wong hinzufügen
Digg!

Sonntag, 22. April 2007

"Islam in den Medien angekommen* - waymo goes live! " und "Das islamische Wort" gibt es jetzt auch.

Neben der Plattform "waymo" gabe es eine weitere Premiere: Es sendete der SWR am Freitag das erste Islamische Wort. Guckst Du hier.
Arne Hoffmann schreibt hier, und die taz schreibt hier was dazu.
****************************************************************************************

Beides ist doch mal eine wirklich gute Nachricht, entlockt mir ein mabruk für die Macher-Innen und ganz generell ein alhamdulillah.
waymo

islam.de mit neuem Angebot einer interaktiven Medienplattform*
In Deutschland startet islam.de mit der neuen Medienplattform
www.waymo.de. Damit ist das muslimische Internetfernsehen in greifbare Nähe gerückt. waymo kann als Kombination des Videoportals "YouTube" Und der Communitysite "MySpace" gesehen werden.
Mit waymo trägt islam.de der web2.0-Entwicklung Rechnung, hin zu einer Content Sharing und Social Networking Plattform. Das neue Portal ermöglicht Internetusern das Video- und Audiosharing von interessanten und spannenden Inhalten.
islam.de erweitert damit sein umfangreiches Angebot bestehend aus
Newsabteilung und den mehr als 4000 Seiten islamischen Content, welcher erst kürzlich durch das Portal muhammad.islam.de ergänzt wurde. Nun wird durch waymo gezielt auch die Community und Interaktion gefördert.
Der Leiter von islam.de, Aiman Mazyek, sagte vor dem Start von waymo:
Diese Plattform bietet der Überwältigenden Mehrheit der friedliebenden Muslime die Chance, eine virtuelle Heimat im Netz zu finden. Über ein
Jahr Arbeit und Entwicklung kommen nun zum Tragen, so Mazyek freudig weiter. Ich danke allen Mitstreitern für die geleistete und kommende Arbeit.
Die Über Jahre entwickelten und praktizierten Rules of Ethics, mit der sich unsere User stets identifiziert haben, setzen Maßstäbe im Umgang im Internet. Nicht zuletzt wird dadurch auch extremistischen Tendenzen präventiv und nachhaltig entgegengewirkt.
waymo ist wie sein Mutterportal islam.de selbst ein gemeinnütziges
Projekt.

Link zur Seite: http://www.waymo.de

Bookmark me:
blog-278483295tn-tinyDiese Seite zu Mister Wong hinzufügen
Digg!

Montag, 9. April 2007

Musik im Islam - Maqamat, eine Sufi-Geschichte

über die Entstehung der Musik
von Ahmed al Mansouri Salahuddin
dem Autor danke ich für die Überlassung des Texts


In der arabischen klassischen Musik sind Maqamat (Plural von arabisch Maqam, wörtl. „Stufe, Rang, Standort-,) festgelegte Tonreihen innerhalb einer Oktave, die sehr unterschiedlich sein können. Auch unsere Dur- und Moll-Tonleiter könnte man als Maqamat bezeichnen, sie sind schließlich aus den sogenannten Kirchentonarten, die ebenfalls Maqamat sind, entstanden. In der arabischen Musik gibt es durch die Verwendung von Viertel- und Dreivierteltönen eine Vielzahl von Maqamat, die alle nach Herkunft, Stimmung oder Tageszeit bezeichnet werden. In Indien nennt man solche Tonreihen Ragas. Ein Maqam, der meist mit einer einfachen Melodie in Liedform vorgestellt wird, dient den Musikern zu einer systematisch aufgebauten Improvisation (Taxim), deren Vorbild der Atem des Menschen ist und deren spirituelles Ziel immer die Tiefe des Herzens und die Ozeane der Seele sind. Die klassische orientalische Musik geht konsequent den Weg, größtmögliche künstlerische und somit spirituelle Botschaft zu erzielen mit einem Minimum an Instrumenten, die mit einem oder zwei, ganz selten drei Maqamat auskommen. Die westliche Musik hat sich dagegen mehr in die harmonische Modulation und Mehrstimmigkeit entwickelt.
Warum werden die Herzen der Menschen beim Hören klassischer orientalischer Musik so tief berührt? Trotz oder vielleicht gerade wegen dieser Mlinimalisierung?

Dazu eine kleine Geschichte:

Als unser Stammvater Adam und seine Frau Eva - Segen und Frieden auf ihnen beiden - wieder einmal mit ihren zahlreichen Kindern und Enkeln versammelt waren, fragten die Kinder ihre Eltern: „Ihr sagt, dass Ihr die ersten Menschen seid, die Gott erschaffen hat und dass Ihr früher im Paradies wart. Könnt Ihr uns das Paradies beschreiben, uns erzählen, wie es aussah, was darin war, wie es duftete und schmeckte?"
Adam öffnete seinen Mund und wollte etwas sagen. Aber er brachte kein Wort heraus, Stattdessen rollten ihm die Tränen über die Wangen und seiner Frau ebenfalls.
Die Kinder entschuldigten sich erschrocken und sagten: ,,Wir wollten Euch nicht weh tun und Euch an den Verlust des Paradieses erinnern."
Adam - Friede auf ihm - sagte: „Oh nein! Es tut nicht weh. Es ist auch in der Erinnerung unbeschreiblich süß, voller Freuden und Frieden und wir werden ja wieder dorthin kommen, inshallah, aber wir haben keine Worte dafür." Und dann bat er Allah, seinen Schöpfer und Herrn, inständig, den Kindern Adams in irgendeiner Form etwas vom Duft und Geheimnis des Paradieses mitteilen zu können.
Und Allah, der Liebevolle und Barmherzige, schickte den Engel, der für die Musik und die Klänge des Kosmos zuständig ist, und Eva, die Mutter der Menschheit, - Segen auf ihr -, und ihre Töchter lernten von ihm die Musik der Maqamat, aus der sich alle Musik der Welt entwickelte. So lernen die Kinder schon im Mutterleib Musik kennen durch das Singen ihrer Mütter.

Durch das Wiegen des Körpers entsteht dazu auch der Rhythmus der Musik, dessen Kennzeichen die ständige Wiederholung einzelner kurzer Phrasen der Melodie ist. Das korrespondiert mit den Rhythmen, die ohnehin schon unser Leben bestimmen, angefangen vom Atem und vom Herzschlag über das Gehen und Stampfen mit den Füssen, bis zu rhythmischen Tätigkeiten, wie Korn mahlen, Holz hacken oder Steine klopfen.

Der Gesang der Frauen, der bald mit den hellen Stimmen der Kinder zusammen erklang und längst nicht mehr nur von der Süße des Paradieses erzählte, doch immer noch allein durch die Süße der Töne daran erinnerte, faszinierte auch die Väter, die Männer, die jetzt versuchten, die hohen Stimmen nach zu machen, um damit auch ihre Kinder zu erfreuen. Die Kinder waren aber über das Gebrumme der Männerstimmen keineswegs begeistert, denn die männliche Stimme ist nun mal mindestens eine Oktave tiefer. Die Männer mussten einsehen, dass sie da nicht mithalten konnten. Hatte Allah, der Weise, sie übergangen oder vergessen?

Aber Allah, der Barmherzige und Liebevolle, vergisst niemals etwas. In allen Seinen Befehlen ist als Geheimnis immer eine Gnade für die gesamte Schöpfung verborgen.

Jetzt „erfänden" die Männer die Instrumente und der Engel half ihnen dabei. Behutsam führte er sie zu Gegenständen, die klingen können und überließ ihnen genug Eigeninitiative, damit sie ihre eigene Entdeckerfreude erleben konnten, ihre eigene Kreativität. Nur manchmal griff er direkt in diesen Findungsprozess ein. So zeigte er ihnen, wie man eine Saite nicht nur zupfen, sondern auch mit einem Bogen streichen kann, um die menschliche Stimme nachzuahmen.
Alle ersten Instrumente haben die Tonlagen der Frauenstimme, also Sopran und Alt, so wie etwa die Ur-Saiteninstrumente, die unterschiedlichsten Fiedeln und Harfen. Am Der Gesang der Frauen, der bald mit den hellen Stimmen der Kinder zusammen erklang und längst nicht mehr nur von der Süße des Paradieses erzählte, doch immer noch allein durch die Süße der Töne daran erinnerte, faszinierte auch die Väter, die Männer, die jetzt versuchten, die hohen Stimmen nach zu machen, um damit auch ihre Kinder zu erfreuen. Die Kinder waren aber über das Gebrumme der Männerstimmen keineswegs begeistert, denn die männliche Stimme ist nun mal mindestens eine Oktave tiefer. Die Männer mussten einsehen, dass sie da nicht mithalten konnten. Hatte Allah, der Weise, sie übergangen oder vergessen?

Aber Allah, der Barmherzige und Liebevolle, vergisst niemals etwas. In allen Seinen Befehlen ist als Geheimnis immer eine Gnade für die gesamte Schöpfung verborgen.

Jetzt „erfanden" die Männer die Instrumente und der Engel half ihnen dabei. Behutsam führte er sie zu Gegenständen, die klingen können und überließ ihnen genug Eigeninitiative, damit sie ihre eigene Entdeckerfreude erleben konnten, ihre eigene Kreativität. Nur manchmal griff er direkt in diesen Findungsprozess ein. So zeigte er ihnen, wie man eine Saite nicht nur zupfen, sondern auch mit einem Bogen streichen kann, um die menschliche Stimme nachzuahmen.
Alle ersten Instrumente haben die Tonlagen der Frauenstimme, also Sopran und Alt, so wie etwa die Ur-Saiteninstrumente, die unterschiedlichsten Fiedeln und Harfen. Am deutlichsten wird das aber bei den Blasinstrumenten und am schönsten bei der Rohrflöte, deren Ton unmittelbar mit dem Atem und damit mit der Seele des Menschen verbunden ist. So konnten auch die Männer ihren Beitrag zur Musik leisten, und der ist genauso faszinierend wie die Gesänge der Frauen, von denen die Anregung ausging.
Jedes dieser Instrumente hat einen Aspekt der menschlichen Stimme. Im Orient gilt auch heute noch als höchstes Ideal, sein Instrument zum ,.singen" zu bringen mit der Lebendigkeit der menschlichen Stimme.
Die vielen verschiedenen Maqamat, die überall entstanden, waren zunächst Ausdruck, auch Erkennungsmerkmal einer bestimmten Familie, eines Clans, und dann eines Stammes, der in einer bestimmten Region lebte. Man besuchte sich, sang miteinander, spielte sich gegenseitig die eigene Musik vor und „beschenkte" so die anderen mit seinem Maqam. Moden entstanden. Besonders beliebte Maqamat verbreiteten sich über die ganze Welt, sodass man gar nicht mehr wusste, wo sie ursprünglich hergekommen waren.

Der älteste Maqam, eben der, den Eva und ihre Töchter vom Engel lernten, ist sicherlich die pentatonische Tonreihe, weil sie ja auch in den Obertönen aller natürlichen Geräusche und Klänge wieder zu finden ist. In dieser klanglichen Übereinstimmung mit der Schöpfung mag jenes Geheimnis der Macht der Musik liegen, das in den Legenden vieler Völker beschrieben wird. Sie erzählen von Menschen, deren Musik nicht nur Tiere, sogar wilde Raubtiere, besänftigen, sondern auch Pflanzen zum Blühen und Steine zum Erweichen bringen konnten.

Am deutlichsten wird das aber bei den Blasinstrumenten und am schönsten bei der Rohrflöte, deren Ton unmittelbar mit dem Atem und damit mit der Seele des Menschen verbunden ist. So konnten auch die Männer ihren Beitrag zur Musik leisten, und der ist genauso faszinierend wie die Gesänge der Frauen, von denen die Anregung ausging.
Jedes dieser Instrumente hat einen Aspekt der menschlichen Stimme. Im Orient gilt auch heute noch als höchstes Ideal, sein Instrument zum ,.singen" zu bringen mit der Lebendigkeit der menschlichen Stimme.

Die vielen verschiedenen Maqamat, die überall entstanden, waren zunächst Ausdruck, auch Erkennungsmerkmal einer bestimmten Familie, eines Clans, und dann eines Stammes, der in einer bestimmten Region lebte. Man besuchte sich, sang miteinander, spielte sich gegenseitig die eigene Musik vor und „beschenkte" so die anderen mit seinem Maqam. Moden entstanden. Besonders beliebte Maqamat verbreiteten sich über die ganze Welt, sodass man gar nicht mehr wusste, wo sie ursprünglich hergekommen waren.

Der älteste Maqam, eben der, den Eva und ihre Töchter vom Engel lernten, ist sicherlich die pentatonische Tonreihe, weil sie ja auch in den Obertönen aller natürlichen
Geräusche und Klänge wieder zu finden ist. In dieser klanglichen Übereinstimmung mit der Schöpfung mag jenes Geheimnis der Macht der Musik liegen, das in den Legenden vieler Völker beschrieben wird. Sie erzählen von Menschen, deren Musik nicht nur Tiere, sogar wilde Raubtiere, besänftigen, sondern auch Pflanzen zum Blühen und Steine zum Erweichen bringen konnten.

Diese Leute haben das folgenden Video gemacht.



Bookmark me:
blog-278483295tn-tinyDiese Seite zu Mister Wong hinzufügen
Digg!

Montag, 8. Januar 2007

Sufi-Konzert in Braunschweig

sheikh-hasan
Sheikh Hasan Peter Dyck, khalifa= Stellvertreter des Naqshbandi-Sufi-Meisters Sheikh Nazim al-Qibrisi und gelernter Musiker gibt am 13.01.07 ein Konzert in Braunschweig. Ich bin sicher, es lohnt sich.
Hier mehr über ihn:
Menschen bei Maischberger anläßlich der Papstwahl 2005
Der Link zum Video der Sendung,, und hier ist ein aktueller Artikel aus der Kölnischen Rundschau.
Und hier ist eine Textprobe der im Artikel erwähnten Fatwa "Verbot des Angriffes auf Zivilisten", die sich explizit gegen den islamischen Terrorismus wendet. Solche Rechtsgutachten - auch von hochkarätigen Gelehrten - gibt es mehr, als so mancher glauben machen will. Aber leider nur sehr wenige auf Deutsch. Hier ist die Rezension aus der "Islamischen Zeitung". ich kann das Büchlein empfehlen:

Verbot von Angriffen auf Zivilisten

Warda Verlag, Hellenthal 2006

Taschenbuch, 64 Seiten

Preis: 4,90 Euro

„Die Folge für Muslime, denen es nicht gelingt, diese Relevanz zu erfassen und die Begriffe unserer eigenen (...) Terminologie mit den entsprechenden Bedingungen der modernen Welt in Verbindung zu setzen, kann darin bestehen, daß sie in einer schizophrenen kulturellen Realität leben und unfähig werden, eine positive Verbindung mit der sie umgebenden Gesellschaft aufzubauen, so dass sie keinen Frieden [sukûn] mit dem Rest der Schöpfung finden können.“ Diese eindringlichen wie deutlichen Worte findet der indonesische Gelehrte Schaikh Muhammad Afifi Al-Akiti in seinem längeren Aufsatz, der als Broschüre unter dem aktuellen Titel „Verbot von Angriffen auf Zivilisten“ neu erschienen ist.

Augenblicklich sieht sich der Islam in der entscheidenden Frage der unterscheidungslosen Gewalt Angriffen aus zwei verschiedenen Richtungen ausgesetzt: Von Seiten ausgesprochener Islam-Kritiker, die den Din als Ganzes als gewalttätig einstufen, und von Seiten verwirrter Einzelpersonen und Kleingruppen, die das Recht für derartige unterscheidungslose Gewalt für sich in Anspruch nehmen.

Ausgehend von einem Wissen, das sich an den vier anerkannten Rechtsschulen ausrichtet (in seinem Fall die schafi’itische), unterweist uns der Schaikh über drei Aspekte dieser Gewalt. Diese drei betreffen das Ziel, die dabei agierende Autorität und die angewandte Methodik. Und so führt er uns an die grundlegenden islamischen Konzepte heran, die bisher außer in dieser Zeitung nur selten in deutscher Sprache vermittelt wurden. (MÖ)

Bestellung: sales@warda.info

Donnerstag, 26. Oktober 2006

Der Prophet (a.s.s) als Pädagoge und Brückenbauer – Teil 3

vanbommel_thumb
Die Methode
Von Imam Abdulwahid van Bommel.
Abdulwahid van Bommel ist Imam, Publizist und Seelsorger für die Muslime im
„Medisch Centrum“ (~ Schwerpunktkrankenhaus) Haaglanden. Davor war er
Leiter des Moslim Informatiecentrum in Den Haag und Direktor des
Nederlandse Moslim Omroep.

Das größte Geschenk, das wir von Allah empfangen haben, ist der Verstand (al’aql)

Es sieht fast so aus, als ob Descartes zuerst die Überlieferungen des Propheten Muhammad (a..s.s.) gelesen habe, bevor er Discours de la Methode schrieb. Dieser handelt davon, seinen Verstand sinnvoll einzusetzen und die Wahrheit in den Wissenschaften herauszufinden.

Nachdem der Prophet das deutlich gemacht hat, finden wir eine große Zahle von Äusserungen, in denen er zum Erwerb von Wissen ermutigt. Eine Auswahl:

Lasst den Anwesenden sein Wissen an den Abwesenden weitergeben.

Das kann auch in dem Sinn passen, dass man als „anwesend“ jemanden bezeichnet, der aufmerksam ist und als „anwesend“ jemanden, der an andere Dinge denkt.
Das Wort der Erkenntnis ist das Eigentum des Gläubigen. Somit hat er/sie ein Recht darauf.
Das bedeutet, dass sich Muslime nicht als irritierende Besserwisser aufspielen sollen, sondern sich als Menschen zeigen sollen, die nach der Essenz des Wissens suchen: der Weisheit.
Menschen sind wie Gold- oder Silberminen: die, die sich in den Tagen der Unwissenheit hervortaten, werden sich auch als Muslime hervortun, sobald sie die Wahrheit erkennen.

’Ilm ausschließlich mit dem Wort „Wissen“ zu übersetzen, tut den vielen Aspekten des Konzeptes ’ilm im Koran eigentlich Gewalt an. Dieses Konzept enthält sicherlich Elemente von dem, was wir jetzt „Wissen“ oder „Wissenschaft“ nennen.
Gleichzeitig hat es auch Komponenten von dem, was wir traditionell „Weisheit“ nennen. Das Konzept ’ilm ist im Koran mit vielen anderen Begriffen verbunden:

- ’ilm ibadah: sich zu Allah(t) dienend ausrichten, indem man Wissen sammelt,
- ’ilm chilafah: je mehr Wissen man übernimmt, desto mehr Verantwortung übernimmt man damit.
- ’ilm achira: der religiöse Aspekt von ’ilm enthält auch das Wissen um die Existenz des Jenseits.
- ’ilm ma’lum/alim: der Koran behandelt auch das Verhältnis zwischen dem Erkennen und dem Erkenntnisgegenstand, dem “Erkannten”.
- ’ilm ma’rifa: ein wichtiger Aspekt von ’ilm ist „Gnosis“ oder Gotteserkenntnis.
- ’ilm ihata: der Aspekt von “umfassen” und “beinhalten” von Wissen.
- ’ilm masj’uran: zur Besinnung kommen; Wissen als Bewusstwerdungsprozess.

Weiter behandelt der Koran::

- ’ilm als Prozess “mentalen” Begreifens,
- ’ilm als Prozess von Erhellung und Erklärung, der zur Beschlussfassung führt.
- ’ilm als Unterscheidungsvermögen, um Dinge und Menschen nach ihrem Wert einschätzen zu können.
- ’ilm als Qualität einer definierten Fähigkeit (beispielsweise das Assoziationsvermögen), was dann dazu führt, dass der Wissenserwerb Erinnerungs- und Vorstellungsvermögen verstärkt.
- ’ilm wird im Koran in Relation zur täglichen Praxis definiert: ’ilm und amal.
- ’ilm als Produkt von Introspektion, was bedeutet, dass die kritische Selbsterforschung genauso hoch eingeschätzt wird, wie die Untersuchung des weitesten „Horizonts“ wie der Koran das ausdrückt.

Der Prophet (Friede sei mit ihm) gebrauchte eine Menge Methoden, um, in seiner Zeit und seinen Lebensumständen, sein Wissen an die Menschen seiner Umgebung weiterzugeben. Die bekanntesten hiervon sind:

- Frage und Antwort - (Soa’l wa djawab)
- Lesungen, Abhandlungen, Predigten. - (Dars Wa’z wa Chitaba)
-Gebrauch von pädagogischen Hilfsmitteln - (Alat )
- Beispiele, Gleichnisse und Symbolik - (Darb al-masal)
- Erzählungen, Weisheit, Humor - ( Maw izatan hasanatan, Hikma, Mizadj)
- Demonstration - (Tadjroba wa tadbiqat )
- Schrittweises Vorgehen.

In Klammern findet man die arabische Terminologie so, wie sie schon seit Jahrhunderten in den Quellen steht.

Das besondere pädagogische Talent des Propheten sieht man vielmehr an zwei auffallenden Besonderheiten:
  1. Aufmerksamkeit für die interindividuellen Unterschiede,
  2. der Gebrauch der Wiederholung.
Wegen der Länge jedes Beitrags werden hier lediglich zwei Aspekte der der erstgenannten Methode, das "Frage- und Antwortspiel" behandelt.
Dem Propheten wurde unzählige Male dieselbe Frage gestellt, und doch hat er sie jedesmal unterschiedlich beantwortet, weil er demjenigen Rechnung trug, der die Frage gestellt hatte.

Was ist ein guter Muslim? War vielleicht eine der am Meisten gestellten Fragen. Seine Antworten hierauf lauteten:
  • Es gehört zu guter islamischer Praxis, daß man sich nicht um das kümmert, was einen nichts angeht.
  • Niemand glaubt wirklich, solange er seinem Bruder nicht das Gleiche wünscht, wie sich selber.
  • "Ich sagte: 'Oh Gesandter Gottes, erzähle mir über den Islam, was ich nirgends anders als bei dir vernehmen kann.' Er sagte:'Sag, ich glaube an Allah. Dann handle danach.'
  • Ein anderer Mann bat ihn: 'Gib mir einen guten Rat.' Er sagte:'Werde nicht wütend.' Der Mann wiederholte seine Frage mehrere Male und der Prophet sagte jedes Mal: 'Werde nicht wütend!'
Der Prophet Mohammed hat sich nicht nur während der dreiundzwanzig Jahre seiner Prophetenschaft fortlaufend befragen lassen, er gebrauchte die Frage auch als Mittel der Erziehung.
  • Der Prophet fragte: "Es gibt einen Baum, dessen Blätter nicht abfallen. Dieser Baum gleicht einem Gläubigen. Welcher Baum ist das?
  • Am Tag der Hadsch fragte er seine Gefolgsleute: 'Welcher Tag ist heute?...Welche Stadt ist dies?...Welchen Monat haben wir?' Er meinte damit nicht, daß ihm jemand den Kalender vorlesen möge, sondern, daß die Menschen sich stets des Ortes und der Zeit bewusst sein sollten.
  • Der Prophet sagte: "Religion ist Aufrichtigkeit." Einige fragten: "Unter wessen Aufsicht?" - "Unter der Aufsicht von Allah, Seinem Buch, unter Aufsicht der Führer und und einfachen Menschen."
  • Der Prophet fragte: " Wer ist der Stärkste?" Einige antworteten: "Der, der durch niemanden zu Boden geworfen werden kann." Er wartete ab, und sah allmählich, daß sich auf den Gesichtern der Gruppe Einverständnis abzeichnete. Dann sagte er:"Nein, das ist der, der bereits im Moment, in dem Zorn aufkommt, diesen überwindet."

Sonntag, 22. Oktober 2006

Keine Satire: Warum trägt die islamische Frau das Kopftuch

heißt zwar korrekt: die muslimische Frau, aber egal:

Teil 1:


Teil 2:


*Duck und wech*

Dienstag, 10. Oktober 2006

Der Prophet (a.s.s) als Pädagoge und Brückenbauer – Teil 1

vanbommel_thumb
Von Imam Abdulwahid van Bommel.
Abdulwahid van Bommel ist Imam, Publizist und Seelsorger für die Muslime im „Medisch Centrum“ (~ Schwerpunktkrankenhaus) Haaglanden. Davor war er Leiter des Moslim Informatiecentrum in Den Haag und Direktor des Nederlandse Moslim Omroep.


Durch die kürzlichen extremistischen Ausschreitungen, wie zum Beispiel den Karikaturenstreit, erscheint Muhammad zu unrecht als der Prophet der Glaubensfanatiker und Extremisten. Studiert man jedoch seine Gedanken, so entdeckt man, dass er, als Vorbild für Mässigung, denen, die ihm folgen, den goldenen Mittelweg weist. Seine Gedanken über Erziehung und Ausbildung müssen gegenwärtig überraschen.

So kann man sie Schulpflicht als islamisches Grundprinzip ansehen. „Von der Wiege bis zur Bahre“ hat der Prophet gesagt. Zwei Besonderheiten zeigen sein pädagogisches Talent:

§ Seine Beachtung der individuellen menschlichen Unterschiede
§ Und die Nutzung der Kraft der Wiederholung.


Für Nicht-Muslime bleibt Muhammad der Große Unbekannte, während sich viele muslimische Erzieher – Eltern, Lehrer oder Religionslehrer auch hier in den Niederlanden durch das prophetische Vorbild von Muhammad inspirieren lassen. Selbst für Muslime, die darüber keine bewusstes Zeugnis ablegen, funktioniert er durch seine weisen Worte als pädagogisches Rollenmodell.

Tatsächlich bedeutete das Offenbaren des Koran für Araber Alphabetisierung. Die prophetische Art und Weise der Weitergabe von Wissen ist eine der bedeutsamsten Anweisungen für Sprache und Seele des Islam. Die Umschreibung der pädagogischen Funktionen des Propheten im Koran lautet wie folgt:

Er ist:
§ Ein Zeuge: Das Wort sagt uns in der heutigen Zeit nicht viel. Es sollte eine neue Bedeutung bekommen als Verbreiter von Ethik und Rollenmodell. „Ethik“ bedeutet, einen Unterschied zu machen zwischen gut und schlecht. In einer Zeit, in der viele „westliche“ Journalisten und Politiker suggerieren, dass „schlecht für den Westen- gut für den Islam“ ist, ist es wichtig, deutlich zu machen, dass wir alle – Muslime und Nicht-Muslime – über eine einvernehmliche Ethik verfügen.
§ Ein Überbringer guter Nachrichten: das Wiederherstellen von Menschlichkeit. Nicht die Überlegenheit, sondern die Gleichwertigkeit predigen! Die wichtigste Aufgabe für den Vortragenden, Lehrer oder Dozenten ist, die Menschen auf „Menschenniveau“ zu bringen.
§ Ein Warner: für den Fall, dass Ihr so weiter macht wie bisher. Diese Funktion gibt es in allen Kulturen. Das gelbe Licht der Ampel ist hierfür ein Beispiel.
§ Einer, der zu Allah(t) einlädt: nicht selbst-, sondern durch Gott ernannt. Gott hat an der Menschheit weiterhin Interesse und findet es der Mühe wert, um weiterhin in allen Sprachen und mit viel Liebe zu Sich einzuladen.
§ Ein leuchtendes Licht: das den Weg zeigt.
§ Min anfusikum: ein Mensch wie Du und ich, darum auf der Ebene der Menschen erkennbar. Unsere Aufgabe als Muslime ist es, zu zeigen, dass wir mit Kritik am Propheten umgehen können, aber, dass wir auch genug Wissen von ihm haben, um ihn weiterhin als unser Ideal anzusehen.
§ Er geht gebückt unter der Verantwortung für Eure Sorgen;

1. Was Euch peinigt, ist schwer für ihn; Mitleid ist Spiritualität.
2. Er ist um Euer Wohlergehen besorgt – wie eine Mutter um ihre Kinder.
3. Liebevoll und barmherzig für die Gläubigen.

§ Er ist Rahman, bila istisna..., was sagen will, dass er genau wie die Sonne über den Gläubigen und Ungläubigen strahlt.. Hier benutzt der Koran Eigenschaften für den Propheten, die sonst nur Gott zuerkannt werden: Rauf und Rahim... Die allgemeine Menschlichkeit des Propheten pflegen wir mit den gelichen Worten zu beschreiben, mit denen wir jeden, ohne Ansehen der Person beschreiben.

Für jeden Studenten islamischer Pädagogik bilden diese drei Koranpassagen den Kern eines wichtigen Studiengebietes.

Es gibt viele Definitionen für Pädagogik. „Die Prinzipien, die Methoden und Professionalität des Lehrens und Unterrichtens“ wäre eine einfache Umschreibung. Der Prophet selber wird tatsächlich durch Allah (t) Selbst unterrichtet und bestätigt das mit den Worten: „Mein Herr hat mich gelehrt und Er ist der beste Lehrer.“ Und doch bat er regelmässig: „Oh, Herr, lehre mich.“

Die Wechselwirkung zwischen Erkenntnistheorie, ethischen Konzepten, Glauben und Lehre könnt Ihr als charakteristisch für den Islam nehmen. Und das ist jetzt nicht irgendeine Anmassung. Vor 14 Jahrhunderten begann die koranische Offenbarung mit den Worten (Sure 96, der Blutklumpen, al-alaq):

1. Lies, im Namen deines Herrn, Der erschuf,
2. Erschuf den Menschen aus einem Klumpen Blut.
3. Lies! Denn dein Herr ist der Allgütige,
4. Der (den Menschen) lehrte durch die Feder,
5. Den Menschen lehrte, was er nicht wusste.


Es fällt auf, dass dieser Text nicht zum Beten und Fasten anspornt, sondern zu Lesen und Unterricht. Faktisch bedeutete die Offenbarung des Koran eine Alphabetisierungsmaßnahme für die Araber. Immer, wenn wir dann über die Quellen der islamischen Lehre und Erziehungspraxis sprechen, stehen die ahadith (die Literatur über die prophetische Tradition) auf einem guten zweiten Platz.

Muhammad machte über Lehre und Erziehung interessante Aussagen und wirkte oft selbst als Lehrer. In Bezug auf die Kindheit unterschied er drei Phasen. Diese sehen den vierzehnhundert Jahre später von Piaget benannten Entwicklungsphasen überraschend ähnlich: die ersten sieben Lebensjahre sind zum Spielen da (la’b), die zweiten sieben Jahre zur Persönlichkeitsentwicklung (ta’dib), die dritten sieben Jahre zum Studium und dazu, seinen Platz in der Gesellschaft zu finden (istishab).

Die Übergänge zwischen den Perioden vollziehen sich natürlich nicht abrupt sondern fliessend. Es ist ausserdem nicht jede pädagogische Annäherung für jedes Alter geeignet. Jüngere Kinder müssen spielend lernen. Sie sind für die Initiativen der Erwachsenen offen, nehmen diese kritiklos an und folgen ihrem Vorbild. Ältere Kinder können mehr Disziplin aufbringen. Von ihnen kann man mehr erwarten – Ordnung und Gehorsam – doch sie äussern auch zunehmend mehr Kritik am Handeln und Reden der Erwachsenen. Nach einem bestimmten Lebensalter macht es auch keinen Sinn mehr, Kindern etwas aufzwingen zu wollen. Sie werden sich ihre eigene Meinung bilden.

Viele Eltern aus der ersten Generation der muslimischen Immigranten haben vielleicht keine optimalen Erziehungsqualitäten gezeigt und unterhielten keine guten Verbindungen zur Schule ihrer Kinder. Der Islam rät jedoch, Kinder zu begleiten und zu fördern.
Nochmal: der Begriff lifelonglearning wird als islamischer Grundsatz angesehen.

Ich bedanke mich bei dem muslimischen Weblog - wijblijvenhier - für die Erlaubnis zur Veröffentlichung und Übersetzung.

Montag, 9. Oktober 2006

Der Prophet (a.s.s) als Pädagoge und Brückenbauer

Ist der Titel einer Serie, die Imam Abelwahid van Bommel auf dem Portal: header01
veröffentlicht hat. Ich habe sie ins Deutsche übersetzt, weil ich hoffe, daß dann eventuell etwas klarer wird, was die Muslime so verletzt, wenn darüber geredet wird, der Prophet müsse "zur Diskussion gestellt" werden, wenn Schmuddelpamphlete kreisen und so überzogen wird, das man hinter all den - gelinde gesagt - Projektionen den Propheten, die historische Persönlichkeit, den Menschen nicht mehr erkennt.

Das folgende Video habe ich aus dem britischen Portal Suficinema:

Es zeigt eine Performance - und zwar die Verehrung des Propheten - dargeboten von einer Truppe von Gnawa-Musikanten auf dem Festival von Essaouira (Mogador) in Marokko. Alle die hier hörbaren Musikstücke haben einen religiösen Bezug. Falls jemand Französisch kann, und sich für mehr Information interessiert: hier lang.

/>

Die mystische Tradition der Gnawa geht zurück bis auf Bilal, den Abessinier, einen schwarzen Sklaven, der wegen seiner schönen Stimme zum ersten Muezzin berufen wurde.

Ich hätte auch ein anderes Beispiel wählen können, aber dieses Video fiel mir halt in die Finger...

Freitag, 29. September 2006

Für einen Islam europäischer Prägung: Scharia - Der Weg zur Quelle

Den Text aus der Frankfurter Rundschau habe ich hier mal reingestellt, um ein weiteres Reizwort mal klarer zu machen:

Erstmals eine Zusammenfassung der Scharia für Muslime in Deutschland vorgestellt Das Deutsche Islamforum legt eine Zusammenfassung der Scharia als Glaubensanleitung für Muslime in Deutschland vor.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble hat für den heutigen Mittwoch zu einer Islam-Konferenz eingeladen. Die großen Moslem- Vereinigungen in Deutschland haben zuvor eine Zusammenfassung der Scharia erarbeitet, die für Muslime hierzulande gelten soll.
Der Begriff Scharia löst bei vielen Menschen Schreckensvorstellungen aus. Oft wird darunter lediglich ein islamisches Strafrecht verstanden, das grausame Sanktionen wie das Steinigen von Frauen bei außerehelichem Geschlechtsverkehr oder das Abhacken einer Hand für Diebe vorsieht. Solche drakonischen Vorschriften werden zwar in einigen Regionen angewendet, sie sind jedoch stark von der jeweils herrschenden Richtung (Konfession) des Islam und von kulturhistorischen Gegebenheiten abhängig.
In Marokko und Tunesien beispielsweise werden Scharia-Vorschriften nur im zivilrechtlichen Bereich umgesetzt. In der Türkei gilt die Trennung von Religion und Staat. In Teilen Sudans und Nigerias, in Saudi Arabien, Iran, Pakistan und Afghanistan, um nur einige zu nennen, ist die Scharia Rechtsgrundlage. Für Muslime in Deutschland hat jetzt das Deutsche Islamforum eine Zusammenfassung erarbeitet, die die Grundwerte des Islam zusammenfasst (siehe oben). Aufgeführt werden die religiösen Pflichten der Muslime und ihr Verhältnis zu Staat, Gesellschaft und Rechtsordnung. Es handelt sich um die erste derartige Zusammenstellung für Muslime in Deutschland.
Der Text soll nach Auskunft von Jürgen Micksch vom Islamforum dazu beitragen, dass sich ein Islam europäischer Prägung entwickelt. Die Frage, wie verbindlich ihn die gut drei Millionen Muslime in Deutschland auffassen würden, bezeichnete Micksch im Gespräch mit der FR als „schwierig“. Er verwies aber darauf, dass im Islamforum alle wichtigen muslimischen Vereinigungen Deutschlands zusammenarbeiteten. Deren Vorsitzende könnten nichts unterschreiben, was nicht akzeptiert wird, sagte Micksch. Die Meinung der großen Mehrheit der Muslime in Deutschland werde damit abgebildet. Möglicherweise werde es aber auch Diskussionen über die hier verankerte Monogamie oder andere Festlegungen geben, die nicht von allen Moslems anerkannt werden. Edgar Auth
In der deutschen Öffentlichkeit gibt es viele Vorurteile zur Scharia. Von manchen wird behauptet, Muslime wollen in Deutschland die Scharia einführen, die dann oft noch als verfassungsfeindlich bezeichnet wird.
Für die meisten Muslime in Deutschland ist die Einführung der Scharia kein Thema. Es ist für sie befremdlich, dass manche Nichtmuslime sagen, Muslime wollten die Scharia hier einführen.
Die Scharia ist ein komplexes Thema, zu dem es viele widersprüchliche Aussagen gibt. Auch im islamischen Bereich gibt es dazu unterschiedliche Positionen. Zugleich gibt es Gemeinsamkeiten, die für alle islamischen Gruppierungen in Deutschland gelten.
Aber was ist eigentlich die Scharia? In dieser Information sind wichtige Elemente zum Verständnis der Scharia zusammengestellt.
Was ist die Scharia?
Die Scharia (arabisch etwa: breiter Weg, Weg zur Quelle) beschreibt das richtige Verhalten des Menschen in Bezug auf Gott sowie in Bezug auf andere Menschen und die Schöpfung allgemein. Zur Scharia gehören zum Beispiel das Glaubensbekenntnis (Shahada), das tägliche Gebet (Salat), die Armensteuer (Zakat), das Fasten im Monat Ramadan (Sawm), die Pilgerfahrt nach Mekka (Hadsch) sowie zwischenmenschliche Verhaltensregeln. In einigen islamisch geprägten Ländern gehören dazu auch Regelungen zwischen dem Staat und der islamischen Religion, die allerdings in vielen muslimischen Ländern und in Deutschland keine Gültigkeit haben.
Quellen der Scharia
Ursprünglich meint der arabische Begriff „Scharia“ den Pfad in der Wüste, der zur Wasserquelle führt. Die Scharia ist der Glaubensweg, der den Menschen zu Gott als seiner Quelle führen soll. Im Koran kommt der Begriff nur einmal vor (Sure 45,18). Zudem heißt es im Koran: „Einem jeden Volk gaben wir eine Schir'a (Gesetz, Religion, Scharia) und einen deutlichen Weg. Wenn es Allah nur gewollt hätte, so hätte er euch allen nur einen Glauben gegeben. So aber will er euch in dem prüfen, was euch zuteil geworden ist. So wetteifert in den guten Dingen! Ihr werdet alle zu Allah heimkehren und darin wird er euch kundtun, worüber ihr uneinig wart.“ (Sure 5,48)
Der Koran gilt im Islam als Quelle der Scharia. An zweiter Stelle steht die „Sunna“, die Lebenspraxis des Propheten, die vor allem aus den Überlieferungen seines Handelns, seiner Aussprüche und seines Duldens des Verhaltens anderer, den Hadithen, bekannt ist. Aus einer unüberschaubaren Fülle von solchen „Hadithen“ filterten islamische Gelehrte diejenigen heraus, die als echte Überlieferungen anerkannt wurden. Daraus entstanden die bis heute noch anerkannten Hadith-Sammlungen.
Auf der Grundlage von Koran und Hadithen schufen dann islamische Gelehrte Rechtssammlungen. Für neu auftauchende Fragen, auf die man im Koran keine explizite Antwort finden konnte, traten für die islamischen Gelehrten zwei weitere Quellen hinzu: „Idschma“ als Konsens der islamischen Umma bzw. Gelehrten über ein Thema und „qiyas“, der Analogieschluss. Dabei wurden neu auftretende Fragen in Anlehnung an bekannte Fälle entschieden. Dadurch wird die Anpassung islamischen Rechts an sich verändernde oder ganz neue Gegebenheiten gewährleistet. In diesem Zusammenhang spielen auch rationale Argumentationen eine wichtige Rolle.
Innerhalb des sunnitischen Islam setzten sich im Laufe der Zeit vier Rechtsschulen durch: Hanafiten, Schafiiten, Malikiten und Hanbaliten. Sie sind jeweils nach ihrem Begründer benannt und sind in verschiedenen Regionen der islamischen Welt vorherrschend. Die wichtigste Rechtsschule im schiitischen Islam ist heute die dja´faritische. Die Rechtsschulen weichen in vielen Einzelfragen des islamischen Rechts voneinander ab – in diesem Sinne gibt es also eine international unterschiedlich geprägte „Scharia“. In den Grundfragen sind sich diese Schulen jedoch einig. Die jeweils anderen Schulen werden auch als rechtgläubig anerkannt.
Häufig wird auf den islamischen Grundsatz hingewiesen: „In der Vielfalt liegt die Gnade“. In einzelnen Fragen sind unterschiedliche Antworten möglich. Daraus ergibt sich eine Dynamik, die auch für Diskussionen in Deutschland von Bedeutung ist.
Glaubensinhalte nach der Scharia
Zu den Glaubensgrundsätzen nach der Scharia gehören als erstes die 6 Glaubensartikel:
- Der Glaube an die Einheit Gottes
- Der Glaube an die Engel
- Der Glaube an Bücher wie Thora, Psalmen, das Evangelium und an den Koran
- Der Glaube an die Propheten wie Adam, Abraham, Moses, Jesus und Muhammad
- Der Glaube an den Jüngsten Tag
- Der Glaube an die Bestimmung von Gut und Böse durch Gott.
Für den Glaubensweg von Muslimen ist die Erfüllung von religiösen Pflichten entscheidend. Diese aus dem Koran hergeleiteten Richtlinien werden als die fünf Säulen des Islam umschrieben:
1. Das Bekennen des Glaubens (Shahada): Jeder, der die Worte der Shahada mit aufrichtiger Absicht spricht, darf sich als Muslim betrachten: „Ich bezeuge, dass niemand anbetungswürdig ist außer Allah. Ich bezeuge, dass Muhammad Allahs Gesandter ist.“
2. Das tägliche Beten (Salat): Das fünfmal täglich zu praktizierende rituelle Gebet. Es wird nach Möglichkeit gemeinsam in der Moschee abgehalten.
Vor dem Gebet hat sich der Gläubige jeweils mit Wasser zu reinigen. Das Freitagsgebet in der Mittagszeit hat einen Stellenwert ähnlich wie der Gottesdienst am Sabbat für Juden und am Sonntag für Christen.
3. Die Abgabe für Arme und Bedürftige (Zakat): Zakat ist eine genau festgelegte, regelmäßig zu entrichtende Steuer, welche der Staat, die Gemeinschaft oder der Einzelne für soziale Zwecke verwendet; dazu gehört auch das wohltätige Spenden.
4. Das Fasten (Sawm): Die Gläubigen sollen während des ganzen Monats Ramadan fasten und zwar von der Morgendämmerung bis zum Untergang der Sonne. Fasten heißt nicht nur, dass auf Essen, Trinken, Rauchen und Geschlechtsverkehr verzichtet wird, sondern auch, dass alle negativen Verhaltensweisen vermieden werden sollten. Der Fastenmonat ist besonders geprägt von einem intensiven religiösen Leben und von einer engen Gemeinschaft und Verbundenheit unter den Gläubigen.
5. Die Pilgerfahrt (Hadsch): Ritueller und spiritueller Gottesdienst und das Erlebnis globaler, religiöser Gemeinschaft und die Möglichkeit zur intensiven Konzentration auf die Mitte des Glaubens machen die Pilgerfahrt nach Mekka zu einer zentralen Erfahrung, die nur durch mangelnde Gesundheit, fehlende Sicherheit oder unzureichende Finanzen unerfüllt bleiben darf.
Ethisches Verhalten in der Scharia
In der Scharia gibt es Regelungen für das zwischenmenschliche Handeln und für religiöse Rituale und Pflichten. Für die unterschiedlichen Handlungen wurden Kategorien gebildet:
1. „Halal“ – das Erlaubte
2. „Fard“ – eine Handlung ist Pflicht für jeden Gläubigen, wie z.B. das rituelle Gebet
3. „Mandub“ – empfehlenswerte Handlungen wie z.B. zusätzliche Gebete
4. „Makruh“ – verwerfliche oder nicht empfehlenswerte Handlungen wie z.B. Rauchen
5. „Mubah“ – Handlungen, die zwar als erlaubt gelten, über die es aber keine ausdrückliche Beurteilung in den religiösen Quellen gibt
6. „Haram“ – das sind verbotene Handlungen wie z.B. der Alkoholgenuss und Drogen.
In islamisch geprägten Staaten gibt es sehr unterschiedliche Modelle im Hinblick auf die Scharia. Während Saudi Arabien den Koran zur Verfassung seiner Monarchie erklärt hat, ist die Türkei ein säkularer Staat, dessen Verfassung keinen Bezug auf das islamische Recht nimmt. Dementsprechend unterschiedlich sind auch die Regelungen für ethisches Verhalten in islamisch geprägten Staaten.
Muslime in Deutschland kommen aus verschiedenen islamisch geprägten Ländern. Für sie alle gelten die Glaubensartikel und ethischen Regeln entsprechend den fünf Säulen des Islam. Bei Einzelfragen gibt es jedoch Unterschiede, die auch in Deutschland fortbestehen. Durch die zunehmende Zusammenarbeit der Muslime entwickeln sich Verhaltensweisen, die von den meisten Muslimen geteilt werden. So gibt es hier zum Beispiel eine intensive Diskussion über die Menschenrechte, die im Sinne des Islam und mit ihm vereinbar sind. Daher lehnen sie Praktiken ab, die in manchen Herkunftsländern Geltung haben und gegen Menschenrechte wie die Religionsfreiheit, die körperliche Unversehrtheit oder die Gleichberechtigung von Mann und Frau verstoßen. „Ehrenmorde“ oder „Zwangsheiraten“, die in manchen Ländern praktiziert werden, sind mit dem Islam nicht vereinbar und werden verurteilt.
Die Scharia und das Grundgesetz
Es ist für Muslime nach der auf den Koran gestützten Überzeugung selbstverständlich, das jeweilige Gesetz des Landes, in dem sie leben, zu befolgen.
Dazu werden insbesondere folgende Punkte hervorgehoben:
– Die Religionsfreiheit schließt das Recht ein die Religion zu wechseln, eine andere oder auch keine Religion zu haben. In Glaubensfragen wird vom Koran jede Gewaltausübung und jeder Zwang untersagt. Die Todesstrafe für Apostasie (d.h. Abfall vom Islam) widerspricht der im Koran verankerten Glaubensfreiheit.
– Mann und Frau sind gleichberechtigt. Das Schlagen von Männern, Frauen oder Kindern wird abgelehnt. Ebenso werden Beschneidungen von Mädchen und jungen Frauen verurteilt.
– Die Befolgung der jeweiligen lokalen Rechtsordnung ist gemäß der Scharia für Muslime verpflichtend. Das schließt die Anerkennung des deutschen Ehe-, Erb- und Prozessrechts ein.
– Begrüßt wird das demokratische System der Bundesrepublik Deutschland, in dem Staat und Religion grundsätzlich getrennt sind und wo in Bereichen wie dem Religionsunterricht eine Zusammenarbeit erfolgt.
– Die Missachtung der Menschenrechte ist überall und in jeder Form abzulehnen.

MAUTH

© Copyright Frankfurter Rundschau
Ausgabe: Deutschlandausgabe (Nr. 225)
Datum: Mittwoch, den 27. September 2006
Seite: 8

Mittwoch, 20. September 2006

Tariq Ramadan: Der Papst und der Islam: die wahre Debatte

aus:
oumma2_031
Tariqueberschrift
Tariq Ramadan wünschte sich mehr Ernsthaftigkeit bei der Kommentierung der Papstäußerungen. Er erklärt, wie er sie versteht und antwortet darauf.
übersetzt von mirage von Politikcity

Tariq Ramadan
Mittwoch, den 20. September 2006


Nur ein paar Sätze von Papst Benedikt XVI haben gereicht, um eine Reaktionskette einer erstaunlichen Heftigkeit auszulösen. Quer durch die muslimische Welt haben religiöse Führer, Präsidenten, Politiker, Intellektuelle die gegen die „Beleidigung“ protestierenden Volksmassen mit ihren Statements begleitet. Die meisten hatten die Rede nicht gelesen, viele begnügten sich mit einem ungefähren Bericht, wonach der Papst den Islam mit der Gewalt in Verbindung gebracht hatte, aber alle prangerten die „unakzeptable Beleidigung“ an.

Egal wie die Beurteilung der Papst-Rede seitens der Gelehrten und Intellektuellen auch sein mag, man hätte von ihnen eine vernünftige Haltung in der Darstellung ihrer Kritiken erwartet, und zwar aus zwei Gründen. Man weiß, dass bestimmte Regierungen solche Krisen instrumentalisieren, um die Frustration des Volkes freie Bahn zu geben. Wenn man dem Volk seine Grundrechte und seine freie Meinungsäußerung entzogen hat, kostet es nichts diesem zu gestatten, seine Wut über die dänischen Karikaturen oder die Papst-Rede zum Ausdruck zu bringen. Man erlebt in der Tat Protestaktionen des Volkes, deren primäres Hauptmerkmal ein emotionaler, durchaus unkontrollierter Ausbruch ist. Diese kochenden Massen vermitteln den Eindruck, dass bei den Muslimen nicht debattiert wird und dass aggressive Worte und Gewalt eher die Regel als die Ausnahme sind.

Manche verlangten eine persönliche Entschuldigung, denn der Papst hätte die Muslimen beleidigt. Dieser sprach sein Bedauern aus, jedoch hörte die Polemik nicht auf. Gewiss kann man sich über dieses obskure, dem Kaiser Manuel II zugesprochene, aus den 14. Jahrhundert stammende Zitat wundern, das das „schlechte(böse) Werk“ des Propheten des Islam kritisiert. Man kann sich bestimmt über diese verkürzte Betrachtung bezüglich der Beziehung zwischen Islam und Gewalt Frage Stellen. Man kann erstaunt darüber sein, dass auf dem zwar respektierten aber dennoch nicht gerade bedeutenden zahiritischen Gelehrten Ibn Hazm bezug genommen wird, um die die Frage der Relation zwischen Islam und Vernunft zu erörtern. Das Ganze ist unvollständig, unklar, zu schnell und wahrscheinlich auch ungeschickt, aber ist es eine Beleidigung, die eine Entschuldigung fordert? Ist es klug und berechtigt, wenn die Muslimen an diesem Zitat Anstoß nehmen - weil es vom Papst benutzt wurde - und dabei offensichtlich vergessen, dass sie seit fünf Jahren täglich über den Sinn des „Jihad“ und die Verwendung von Gewalt befragt werden. Der Papst Benedikt XVI ist ein Spiegelbild seiner Zeit und er stellt den Muslimen die Frage seiner Zeit. Man kann nur mit Klarheit und handfeste Argumente antworten, indem zuerst abgelehnt wird, dass „Jihad“ durch „heiliger Krieg“ übersetzt wird. Die Prinzipien des legitimen Widerstands und der islamischen Ethik in einer Konfliktsituation zu erläutern sollte den Vorrang haben, anstatt Völker dazu zu animieren, gewaltsam gegen den Vorwurf zu demonstrieren, einer gewaltsamen Religion anzugehören.

Verwirrend in dieser Krise ist allemal, dass offensichtlich die Kommentare im allgemeinen aber besonders bei den Muslimen die durch den Papst ausgelöste, wahre Debatte nicht erkennen. In seiner akademischen Vorlesung trägt er eine von zwei Botschaften begleiteten Doppelthese vor. Die laizistischen Rationalisten, die die Aufklärung von ihrer christlichen Referenz befreien möchten, erinnert er daran, dass diese Referenz Teil der europäischen Identität ist und dass sie niemals einen Dialog mit den anderen Religionen führen können, wenn sie diese christliche Basis ihrer Identität leugnen, seien sie gläubig oder nicht. Er spricht dann den Zusammenhang zwischen Glauben und Vernunft an und betont die besondere Beziehung zwischen der griechischen Vernunfttradition und der christlichen Religion. Der Papst versucht dabei eine europäische Identität zu definieren, die christlich durch den Glauben und griechisch durch die philosophische Vernunft sein soll. Der Islam, der angeblich diese Vernunftbeziehung nicht kennen soll, wäre demnach der europäischen Identität fremd, die sich auf dieses Erbe aufgebaut hat. Aufgrund dieses Verständnisses hatte Kardinal Ratzinger vor einigen Jahren seine Ablehnung eines Beitritts der Türkei in die EU begründet: die muslimische Türkei war nie und kann nicht wirklich europäischer Kultur sein. Sie ist anders, sie ist „das andere“.

Viel mehr als seine Äußerungen über den „Jihad“ müssen diese Botschaften gehört und beantwortet werden. Papst Benedikt XVI ist ein exzellenter Theologe, und er versucht die Grundlagen und den Rahmen der Debatte über die vergangene, heutige und künftige Identität Europas festzulegen. Er ist als Papst sehr europäisch eingestellt und er ruft die europäischen Völker dazu auf, sich den zentralen und unumgänglichen Charakter des Christentums bewusst zu werden, wenn sie ihre Identität nicht verlieren wollen. Zu Zeiten einer Identitätskrise mag diese Botschaft legitim sein, aber sie ist verwirrend und potenziell gefährlich, da sowohl die geschichtliche Betrachtung als auch die Definition der europäischen Identität reduziert werden.

Darauf müssen die Muslime antworten und diese Lesart der Geschichte anfechten, wonach der muslimische Rationalismus keine Rolle in dem europäischen Denken gespielt hätte und wonach der arabisch-muslimische Beitrag sich einzig und allein auf die Übersetzung der großen griechischen und römischen Werke begrenzen würde. Durch das selektive Gedächtnis, das gerne die entscheidende Einbringung „rationalistischer“ muslimischer Denker wie al-Farabi (10. Jhdt), Avicenne (11. Jhdt), Averroes (12. Jhdt), al-Ghazali (12.Jhdt), Ash-Shatibi (13. Jhdt), Ibn Khaldun (14. Jhdt) vergisst, entwickelt sich ein neues Europa, das täuscht und sich selbst über seine eigene Vergangenheit täuscht. Angesicht dessen sollten die Muslimen mit Vernunft und ohne jegliche emotionale Reaktion zeigen, dass sie die Grundlage der Werte, auf denen Europa und der Westen sich beziehen, teilen und dass ihre Tradition zu ihrem Aufkommen beigetragen hat.

Europa und der Westen können nicht überleben, wenn man sich weiterhin durch Ausschluss, durch eine Distanzierung zum beängstigenden Anderen – dem Islam oder dem Muslimen – definiert. Was Europa heutzutage vielleicht am meisten braucht, ist nicht unbedingt ein Dialog mit den anderen Kulturen sondern ein Dialog mit sich selbst, mit dieser Vielfältigkeit, die es lange Zeit nicht sehen wollte, was es daran hindert, den Reichtum seiner religiösen und philosophischen Traditionen auszunutzen. Europa muss sich mit der Vielfalt seiner Vergangenheit versöhnen, um den vorgegebenen Pluralismus seiner Zukunft zu beherrschen. Die Vorgehensweise des Papstes ist dabei keine Hilfe: eine kritische Betrachtung sollte nicht von ihm eine Entschuldigung erwarten sondern ihm nur vernünftig beweisen, dass er sich historisch, wissenschaftlich und im Grunde genommen geistlich irrt. Es wäre ebenfalls für die heutigen Muslimen eine Möglichkeit, sich mit der beispielhaften Kreativität der früheren europäischen muslimischen Denker zu versöhnen, die nicht nur integriert waren, die aber auch durch ihr kritisches Denken zum Aufbau Europas und des Westen beigetragen und diese bereichert haben.
Hier ist das französische Original ebenfalls zu lesen.

Abonnieren.Klicken. Anzeigen gucken.

banner
***************************************************

Aktuelle Beiträge

Genau!
Auch wenn ich im Moment nicht so häufig online...
bigberta - 8. Feb, 18:00
Besser spät als...
Ich habe diesen Beitrag zufällig gefunden, als...
The Editrix - 8. Feb, 09:32
Auch hier gibt es eine...
Das Watchblog Islamophobie macht eine Kreativpause...
bigberta - 26. Nov, 15:19
Immer wieder gerne: das...
Konzentriert vorgehen Immer... Gut möglich, dass...
bigberta - 27. Aug, 04:22
Niederlande: für...
Eigentlich sollte ich mich bei Dr. Ulfkotte bedanken....
bigberta - 25. Aug, 18:33

Zufallsbild

Komponenten

Das Literaturcafe

Gesehene Filme

Mein Lesestoff





Dorothea Dieckmann
Guantanamo


Holm Friebe, Sascha Lobo
Wir nennen es Arbeit


Holm Friebe, Kathrin Passig
Das nächste große Ding. Kolumnensammlung


Nicola Sautter, Stefan Frädrich
Besser Essen, Leben leicht gemacht


Jill Fullerton-Smith, Bernhard Kleinschmidt
Der große Food-Check. Was Essen wirklich kann

RSS Box

Credits

Knallgrau New Media Solutions - Web Agentur für neue Medien

powered by Antville powered by Helma

sorua enabled
xml version of this page
xml version of this page (summary)
xml version of this page (with comments)
xml version of this topic

twoday.net AGB

Personal Blog Top Sites

clustrmaps


* * * * *
Locations of visitors to this page

Autorenverlag_artep
BigBerta's Freunde
BigBerta's Schreibblogging - eigene Texte
Das Essen und Ich
Das Iranblog
Das Nahostblog
Das Rechte-Szene-Blog
Der Knochenblog
Die Seidenstraße - mein Traum
Fragebogen Wissen und Werte
Kritik der
Kritik der "Islamkritik"
Nackt entkam ich dem russischen Eunuchen - die Mitmach-Satire
Notiz an mich
Rezepte zum Gutgehen-Lassen
Sport and more
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren